Jugendamt in Lünen hält fest an Auslandsmaßnahmen in Corona-Krise

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Bei der Betreuung von schwierigen Jugendlichen greift das Lüner Jugendamt seit Jahren auf die durchaus umstrittenen Auslandsmaßnahmen zurück. Daran ändert auch Corona nichts.

Lünen

, 06.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trotz weltweiter Corona-Krise hat das Lüner Jugendamt, die Abteilung Jugend, Hilfen und Förderung, noch keinen Jugendlichen aus einer Auslandsmaßnahme in die Lippestadt zurückgeholt.

„Es wurden bisher keine Kinder wegen der Corona-Krise zurückgeholt“, sagte Abteilungsleiter Thomas Stroscher am Freitag (3. April) auf Anfrage unserer Redaktion.

Andersherum sei es so, dass geplante Maßnahmen aufgrund der Reisebestimmungen zurückgestellt wurden, sagte Stroscher weiter:

„Jugendliche, die eine Maßnahme im Ausland antreten sollten, konnten dies wegen geltender Reisebeschränkungen nicht tun. Konkret geht es hier um zwei Fälle.“

14 Jugendliche im Ausland

Zurzeit befinden sich nach Angaben des Abteilungsleiters 14 Jugendliche im Durchschnittsalter von 15 Jahren in einer Auslandsmaßnahme - verteilt auf die Länder Polen, Litauen, Ungarn und Georgien.

Die Frage unserer Redaktion, ob die Jugendlichen in diesen Ländern ausreichend vor einer Corona-Infektion geschützt sind, beantwortete der Jugendhilfeexperte so:

„Wie aus der Presse allgemein bekannt ist, sind es gerade diese Länder, die sehr intensive, zum Teil drastische Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in der Corona-Krise ergriffen haben.“

Die genannten Länder, sagte Stroscher, „aber gerade auch die Träger vor Ort haben entsprechende Schutzmaßnahmen ergriffen. Dazu kommt, dass die Jugendlichen, die sich in einer Auslandsmaßnahme befinden, in der Regel nur sehr eingeschränkte soziale Kontakte haben.“

„Schutz der Kinder gewährleistet“

Beispielsweise erfolge in der Regel eine Einzel- oder Fernbeschulung. Dies sei in der aktuellen Zeit natürlich ein weiterer Faktor, der den Schutz der Kinder gewährleiste, erklärte der Jugendhilfeleiter.

Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendämtern in der Region, halten die Verantwortlichen in Lünen seit Jahren an den Auslandsmaßnahmen fest. Über deren Sinn und Zweck wird in Fachkreisen kontrovers diskutiert.

Durch diese Maßnahmen sollen Mädchen und Jungen,

  • die sich nur schwer an Regeln halten,
  • die nicht mehr zur Schule gehen,
  • die zu Gewalt und Straftaten neigen,

durch einen Aufenthalt im Ausland davor bewahrt werden, Intensivtäter zu werden. Sie sind bei Betreuern und Familien untergebracht.

Die Dauer der Maßnahmen beträgt nach früheren Angaben der Abteilung Jugend, Hilfen und Förderung mindestens ein Jahr pro Jugendlichem. Die Höhe der Kosten liege durchschnittlich etwa im Bereich der Heimkosten in Deutschland. Finanziert wird das Ganze von der Stadt über die Steuereinnahmen.

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