In Alstedde hat sich Bianca Kranz (42) gemeinsam mit ihrem Ehemann Jörg (45) ein Nest gebaut, in das Katharina Elise (zwei Monate, im Bild) und ihre Schwester Anna Maria (2 Jahre) hineingeboren wurden. Damit alles stimmt, hat das etwas länger gedauert. © Kristina Gerstenmaier
Mutter werden

Lüner Mama mit 40: „Es hat gedauert, aber jetzt passt alles rundum“

Das Alter, in dem Frauen ihr erstes Kind bekommen, steigt in NRW weiter an. Bianca Kranz (42) ist eine der Mütter, die eher spät ihr erstes Kind bekommen hat. Damit ist sie rundum glücklich.

Bianca Kranz wirkt tiefenentspannt. Die zwei Monate alte Katharina Elisa am Brustkorb, wippt die 42-Jährige sanft auf und ab, während sie erzählt: „Eigentlich hätte ich lieber zehn Jahre eher ein Kind bekommen, aber es hat sich so nicht ergeben.“ Zuerst musste die Ausbildung abgeschlossen, der Partner gefunden, das „Nest“ gebaut werden: Das alles hat gedauert.

Bianca Kranz war 36, als sie ihren heutigen Ehemann Jörg kennenlernte. Mit 40 war dann alles bereit für ihr erstes Kind: Anna Marie. Schnell war klar, dass die heute Zweijährige nicht allein bleiben soll: Mit 42 bekam Bianca Kranz ihr zweites Kind. Ihr Mann Jörg ist 45 Jahre alt.

Statistische Unterschiede in NRW

Damit ist Bianca Kranz eine der Mütter, die das Durchschnittsalter, wann Frauen ihr erstes Kind bekommen, anhebt. Im Jahr 2020 lag das laut Statistischem Landesamt It.NRW mit 30,1 Jahren um 0,1 Jahre höher als ein Jahr zuvor. Im Jahr 2010 waren die Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes noch durchschnittlich 29 Jahre alt.

Dabei zeigen sich innerhalb Nordrhein-Westfalens deutliche Unterschiede: In Gelsenkirchen waren Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes 28 Jahre alt, Frauen in Düsseldorf dagegen durchschnittlich 32,1 Jahre.

Im Kreis Unna waren die Erstgebärenden im Schnitt etwas jünger als der NRW-Durchschnitt: 28,3 Jahre im Jahr 2010, 29,4 Jahre im Jahr 2019 und 29,9 Jahre im Jahr 2020.

Mütter über 40: Vier von 800

Donat Romann, Chefarzt der Frauenklinik am St.-Marien-Hospital Lünen kann diese Entwicklung bestätigen: Auch im St. Marien-Hospital bringen immer mehr ältere Mütter ihr erstes Kind zur Welt und tragen somit zu einem Anstieg des Durchschnittsalters bei. „Die Älteste, die bei uns ein Kind zur Welt gebracht hat, war 47 Jahre alt“, berichtet Romann. „40-Jährige kommen aber schon relativ häufig vor. Von den 800 Frauen, die pro Jahr ihr Kind bei uns zur Welt bringen, sind drei bis vier 40 Jahre oder älter.“

Ab 35 Jahren gelten Frauen nicht nur als Spätgebärende, sondern auch als Risikoschwangere. Man dürfe zum Beispiel nicht so lange über den errechneten Geburtstermin hinaus gehen. Außerdem steige das Risiko von Fehlbildungen. „Und“, so sagt Romann, „die älteren Schwangeren kommen oft mit einem größeren Informationsbedarf. Viele Kliniken haben schon spezielle Sprechstunden eingerichtet. Wir überlegen das auch.“

Frage der Grundeinstellung

Bianca Kranz hätte das in ihrer Schwangerschaft nicht gebraucht. Wegen des altersbedingten Risikos ließ das Paar zwar ein Blutbild und eine Nackenfaltenmessung vornehmen. Mit dieser speziellen Form des Ultraschalls können spezielle Fehlbildungen entdeckt werden.

Fragen hatte Bianca Kranz zwar viele, aber auch nicht mehr, als andere Schwangere, vermutet sie. „Ich empfinde mich nicht als alt“, sagt sie. Auch nicht, wenn sie im Rückbildungskurs auf Jüngere trifft. „Ich glaube, ob man zum Beispiel ängstlich ist, hängt nicht vom Alter ab, sondern von der Grundeinstellung.“ Auch mit Bemerkungen zu ihrem Alter wird sie nicht konfrontiert, „vielleicht auch, weil ich nicht wie 40 aussehe“, sagt sie schmunzelnd. Nur käme manchmal die Frage, ob sie auf natürlichem Weg schwanger geworden sei. Ist sie.

„Bei uns passt einfach alles rundum, wie es ist“, sagt sie. Man glaubt es ihr sofort. „Aus den Lebensumständen hat sich mein Alter bei den Geburten ergeben. Ich habe lieber eine stabile Partnerschaft, in die die Kinder hineingeboren werden, als jung Mama zu werden. Wir sind auch wirklich sehr sehr glücklich.“

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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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