Pfarrer Praveen Mummadi aus Lünen verfolgt das Corona-Infektionsgeschehen in seinem Heimatland Indien täglich. © Beate Rottgardt
Coronavirus

Lüner Pfarrer Mummadi: Angst, in Indien Familie und Freunde zu verlieren

Praveen Mummadi (47) kam 2012 aus Indien nach Deutschland. Der Pfarrer der Gemeinde St. Marien Lünen blickt sorgenvoll in seine Heimat, während dort die Corona-Pandemie außer Kontrolle gerät.

Jeden Tag telefoniert Praveen Mummadi mit seinen Eltern. Sie leben im Bundesstaat Andhra Pradesh, im Südwesten Indiens. In dem südasiatischen Staat ist die Corona-Pandemie außer Kontrolle geraten. Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Fernsehnachrichten keine Bilder von überfüllten Krankenhäusern, brennenden Scheiterhaufen und trauernden Menschen zeigen. Mummadi sorgt sich um die Menschen in seinem Heimatland – besonders um seine Familie und Bekannten.

Keine Angst vor einer Infektion – Sorge um Familie und Freunde

„Ich habe mehr Angst davor, Freunde oder Familienmitglieder in Indien zu verlieren, als mich hier in Deutschland zu infizieren“, sagt der Pfarrer, der im etwa 8000 Kilometer entfernten Lünen in der Gemeinde St. Marien arbeitet. Bei einem seiner Telefonate erfuhr der 47-Jährige erst kürzlich davon, dass ein Bekannter mit einer Corona-Infektion verstorben war. „Er wurde nur 29 Jahre alt, hat erst im letzten Jahr geheiratet und ist vor zwei Wochen zum ersten Mal Vater geworden“, berichtet Mummadi.

Schicksale wie diese seien kein Einzelfall in seinem Heimatland, meint Mummadi. Dass die Corona-Fallzahlen scheinbar unaufhaltsam steigen, liege vor allem an den Lebensumständen in Indien. „Es wohnen oft bis zu zehn Personen in einem Raum. Dann ist schwierig, Quarantäne einzahlten. Infizierte stecken ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner schnell an“, weiß Mummadi.

Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung gebe es kaum. Für die vielen armen Menschen in dem Land sei ein Lockdown oder eine Ausgangssperre mit einem Hungerleiden verbunden. „Die Menschen dort sind oft arm und ungebildet – besonders im Norden des Landes. Bei strengen Regeln könnten sie nicht arbeiten und haben kein Geld für Lebensmittel“, sagt Mummadi. Die Folge wäre Hunger in weiten Teilen der einfachen Bevölkerung.

Corona-Regeln würden in der Bevölkerung zu Hunger führen

Würde der Staat strenge Maßnahmen durchsetzen, würden die Menschen weiter sterben. Nicht wegen Corona, sondern wegen des Hungers“, vermutet der Pfarrer. „Im Vergleich zu Indien ist Deutschland sehr gut organisiert. Deshalb habe ich hier auch keine Angst“, sagt der Pfarrer, der zum letzten Mal im Oktober 2019 vor Ort war.

Die bisherige Unterstützung aus dem Ausland sei ein erster Schritt, um die Kontrolle über die pandemische Lage wiederzuerlangen. „Es ist schön zu sehen, dass mehrere Nationen Indien beispielsweise Beatmungsgeräte und weitere medizinische Gerätschaften zugeschickt haben“, meint Mummadi. Er selbst warb in der Gemeinde St. Marien um Spenden für die indischen Menschen in seinem Heimatbistum Kurnool.

Mummadi setzt sich für Trinkwasserfilter ein

Mithilfe der Lüner Gemeinde konnten dort Lebensmittel, Decken und Lehrmittel verteilt werden. Nun setzt er sich dafür ein, dass das Heimatdorf seiner Eltern eine Trinkwasserfilteranlage bekommt. Das Wasser des naheliegenden Flusses sei nicht mehr genießbar. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssten das Wasser aus dem nächsten Dorf heranschaffen.

Auch das könne helfen, die Kontakte und damit das Infektionsrisiko der Menschen zu minimieren. Gleiches gelte für Lebensmittelspenden. „Wenn beispielsweise mehr Reis oder andere Nahrungsmittel verteilt würden, könnten mehr Menschen vorübergehend zuhause bleiben und müssten sich nicht mehr der Ansteckungsgefahr während der Arbeit aussetzen“, sagt Mummadi beispielsweise mit dem Blick auf die zahlreichen Taxifahrer.

Zahlreiche Hilfsorganisationen rufen daher zu Spenden für Indien auf. Auch Pfarrer Mummadi beteiligt sich an den Hilfsaktionen und nimmt Spenden am Gemeindehaus entgegen. So können die Menschen aus Lünen etwas dazu beitragen, dass die Pandemie in Indien wieder unter Kontrolle kommt.

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