Lüner Schornsteinfeger verrät, was für ihn als Glücksbringer selbst Glück bedeutet

hzNeues Jahr

Mit Kleeblatt und Hufeisen gehört der Schornsteinfeger zu den klassischen Glücksbringern fürs Neue Jahr. Auch Schornsteinfegermeister Andreas Gärtner wird oft um eine Portion Glück gebeten.

Lünen-Süd

, 01.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Schornsteinfegermeister Andreas Gärtner aus Lünen-Süd in seiner klassischen Uniform mit gold glänzenden Knöpfen und Zylinder unterwegs ist, wird er oft angesprochen. „Dann wollen die Leute die Jacke berühren oder an den Knöpfen drehen, damit sie Glück haben“, erzählt der 54-Jährige. Meistens sind es Leute „in meinem Alter oder älter“, die so auf eine Extra-Portion Glück hoffen. „Teenager kennen diesen Brauch auch, aber die fragen eher nach, drehen nicht an den Knöpfen“, sagt er.

Glück und glücklich sein sind verschiedene Begriffe

Er selbst unterscheidet zwischen den Begriffen „Glück“ und „glücklich sein“. „Ich denke, man kann auch mal Pech haben und trotzdem glücklich sein. Das wird oft verwechselt“, so Gärtner. Dass die Familie gesund ist, dass man Freunde und ein Dach über dem Kopf hat und Freude am Leben - das alles macht den Glücksbringer selbst glücklich.

Momente wie die Begegnungen mit Kollegen aus anderen Ländern beim großen Schornsteinfeger-Treffen im italienischen Santa Maria Maggiore, die er mit seiner Frau Silvana teilt. Und dass aus solchen Treffen richtige langjährige Freundschaften entstehen - all das gehört für den Lünen-Süder zum ganz persönlichen „glücklich sein“ dazu.

Lüner Schornsteinfeger verrät, was für ihn als Glücksbringer selbst Glück bedeutet

Takeo Onozawa, Schornsteinfeger aus Japan, ging vor einigen Jahren für zehn Tage bei Bezirksschonrsteinfeger Andreas Gärtner "in die Lehre". Da es in Japan keinerlei Ausbildung und Sicherheitsstandards gibt, wollte er deutsches Know-How kennenlernen. © Quiring-Lategahn

Trägt Andreas Gärtner seine Arbeitsuniform - „den Blaumann sozusagen in Schwarz“ - wird er nicht als Glücksbringer angesprochen. Da müssen es schon der Zylinder und eben die golden glänzenden Knöpfe sein. „Ab und zu haben auch Damen gefragt, ob sie mir einen Kuss geben dürfen, um so Glück zu haben“, lacht er.

Es passiere auch immer wieder, dass Leute anrufen und fragen, ob er in seiner typischen Uniform als Glücksbringer bei Hochzeiten auftreten könne. „Früher hab ich das gemacht, heute leite ich die Anfragen an Mitarbeiter oder Kollegen weiter.“ Denn schließlich ist ja Gärtners Hauptberuf das Handwerk und nicht als Glücksbringer bei Feiern zu stehen.

Lottoschein ausgefüllt

Der Ruf des Glücksbringers brachte ihm sogar mal einen Anteil an einem Lottogewinn ein. „Das ist lange her, da war ich noch Lehrling.“ In einer großen Firma war er mit seinem Chef tätig und ging dabei auch durch die Kantine. „Da hat mich ein Mitarbeiter gebeten, doch für ihn einen Lottoschein auszufüllen.“ Gärtner dachte schon nicht mehr daran, als er Monate später wieder in der Firma war. „Da kam der Mann auf mich zu und gab mir 50 Mark als Anteil vom Lottogewinn. Immerhin hatte er ein paar hundert Mark gewonnen.“

Mittlerweile ist Gärtner seit 37 Jahren im Beruf und weiß auch, dass die Schornsteinfeger im deutschsprachigen Raum als Glücksbringer gelten, auch in Österreich und der Schweiz. „Meine Kollegen aus anderen Ländern kennen das und versuchen es, in ihrer Heimat einzuführen, aber das wird schwierig, weil die Leute es nicht kennen.“ Bei seinen Besuchen in den USA oder Japan gab es also auch keine Anfragen in Sachen Glück.

Lüner Schornsteinfeger verrät, was für ihn als Glücksbringer selbst Glück bedeutet

Am St. Patricks Day in New York trugen auch Andreas und Silvana Gärtner irisch-grüne Hüte. Hier trafen sie auch Kollegen, aus denen Freunde geworden sind. © Gärtner

Den Ruf als Glücksbringer verdanken die Schornsteinfeger im deutschsprachigen Raum wohl dem Mittelalter. Damals war es besonders wichtig, dass der Schornsteinfeger die Feuerstätten reinigte. Damit der Kamin nicht das ganze Haus und vielleicht auch noch die Nachbarschaft in Brand setzte. „Damals hieß es, wenn der Schornsteinfeger da war, hat man Glück - das Glück, dass sein Haus nicht Feuer fing.“

Film beim Kinofest Glück gebracht

Auch beim Lüner Kinofest brachten Lüner Schornsteinfeger Glück. Weil Andreas Gärtner einen anderen Termin hatte, präsentierte Silvana Gärtner mit zwei Kollegen vor einigen Jahren den Film „Die schwarzen Brüder“. Als die Buchverfilmung dann einen Preis gewann, durften Andreas und Silvana Gärtner ihn in der Cineworld entgegen nehmen. Weil vom Team am letzten Kinofesttag niemand mehr da war. Ein kleines Stück vom Glück für den Schornsteinfeger und seine Frau.

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