Lüner Tagespflegen schließen - nur sehr eingeschränkt Besuche in den Altenheimen

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Gerade ältere und pflegebedürftige Menschen sind durch das Coronavirus besonders gefährdet. Deshalb gelten nun spezielle Vorsichtsmaßnahmen in Lüner Einrichtungen.

Lünen

, 19.03.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tagespflege ist für pflegende Angehörige eine gute Möglichkeit der Entlastung. Die zu Pflegenden werden an einem oder mehreren Tagen in der Woche in einer Gemeinschaft betreut, haben eine feste Tagesstruktur und so auch Abwechslung. Die pflegenden Angehörigen können diese Zeit für sich nutzen. Doch in diesen Zeiten der Corona-Krise müssen nun auch die Tagespflegen schließen.

Verantwortung für Gäste und Mitarbeiter

Schon am Wochenende hat Michael Wopker mit seinem Team beratschlagt, wie es mit der Tagespflege seines Lüner Pflegebüros weitergeht in der Corona-Krise. „Wir haben beschlossen, die Tagespflege schon am Dienstag (17.3.) zu schließen. Wir tragen die Verantwortung für unsere 40 Gäste und natürlich auch unsere Mitarbeiter“, so Wopker auf Anfrage. Angehörige und Gäste hätten für die Entscheidung Verständnis gezeigt. „Wir haben natürlich geschaut, dass alle Gäste versorgt sind.“

Mitarbeiter der Tagespflege, die examinierte Pflegekräfte sind, hätten auch angeboten, in der ambulanten Pflege des Pflegebüros einzuspringen, wenn es hart auf hart käme.

Erlass der Landesregierung für Tagespflegen

Mittlerweile gibt es einen Erlass der Landesregierung NRW, dass ab Donnerstag (19.3.) alle Tagespflegen den Gästen keinen Zutritt mehr gewähren dürfen. Das betrifft alle Lüner Tagespflegen, auch die des Pflegedienstes Rückert. „Nur wenn jemand keine andere Möglichkeit hat, seine Angehörigen zu betreuen, müssen wir für denjenigen eine Betreuung sicherstellen“, so Birgit Rückert. Allerdings müssen Angehörige es schriftlich nachweisen, dass sie die Betreuung nicht übernehmen können.

Der Erlass wird natürlich auch in den anderen Tagespflegen in Lünen, die von Wohlfahrtsverbänden geführt werden, umgesetzt. „Unsere drei Tagespflegen in Lünen, Selm und Bork werden ab Donnerstag geschlossen“, so Thomas Middendorf, Sprecher des Caritasverbandes Lünen-Selm-Werne.

Das gilt auch für die Tagespflege Klöterheide, die zum Evangelischen Altenzentrum Lünen gehört, und auch für die Tagespflege-Einrichtungen beispielsweise der AWO in Lünen.

Einige Absagen in der Kurzzeitpflege

Im Bereich der Kurzzeitpflege der Caritas in der Mersch gibt es, so Middendorf, ein paar Absagen, beispielsweise weil Angehörige einen geplanten Urlaub nun nicht antreten können. Die Belegung des neuen Seniorenzentrums an der Lippe laufe dagegen trotz Corona-Krise planmäßig weiter.

Auch die Kurzzeitpflege des Evangelischen Altenzentrums an der Bebelstraße wird derzeit weitergeführt.

Das neue Caritas-Seniorenzentrum in der Mersch. Hier gelten, wie auch bei den anderen Altenheimen, eingeschränkte Besuchsregelungen.

Das neue Caritas-Seniorenzentrum in der Mersch. Hier gelten, wie auch bei den anderen Altenheimen, eingeschränkte Besuchsregelungen. © Beate Rottgardt

Schon seit Tagen werden in den Alten- und Pflegeeinrichtungen strengere Besuchsregelungen durchgeführt, um die Bewohner und auch die Mitarbeiter zu schützen. Middendorf für die Caritas: „Bei der Besuchsregelung in den Einrichtungen richten wir uns nach den Vorgaben der Landesregierung. Demnach sind Besuche in den Einrichtungen weitestgehend zu vermeiden.“

Der weitaus größte Teil der Angehörigen der Bewohner akzeptiere das, denn sie wüssten, dass alte und kranke Menschen als Risikogruppe besonders geschützt werden müssen. Die Landesregierung NRW hat am 22.3. beschlossen: Besuche sind grundsätzlich untersagt, wenn sie nicht der medizinischen oder pflegerischen Versorgung dienen oder aus Rechtsgründen erforderlich sind. Die Einrichtungsleitung soll Ausnahmen unter Schutzmaßnahmen und nach Hygieneunterweisung zulassen, wenn es medizinisch oder ethisch-sozial geboten ist (z.B. bei Palliativpatienten).

Für Belieferung der Altenheime Schleusen eingerichtet

Darüber hinaus, so der Caritas-Sprecher, haben Externe - beispielsweise zur Anlieferung oder bei Beratungsgesprächen - keinen freien Zugang zu den Pflegebereichen. Der Einlass in die Heime - in Lünen das Caritas-Altenzentrum in Nordlünen und das Zentrum an der Lippe in Lünen-Mitte - erfolge nach Dringlichkeit und in Abstimmung mit der jeweiligen Hausleitung.

Für Belieferungen der Altenheime seien Schleusen eingerichtet worden. Middendorf: „Selbstverständlich gelten auch hier erhöhte Hygienevorgaben.“

So sieht es auch im Evangelischen Altenzentrum an der Bebelstraße aus. In der vergangenen Woche durfte pro Bewohner noch eine Person am Tag höchstens eine Stunde zu Besuch kommen. Das geht nun nicht mehr.

Gemeinschaftsaktivitäten mit Externen sind ab sofort untersagt. Unter Auflagen können Ausnahmen für nahe stehende Personen, beispielsweise im Rahmen der Sterbebegleitung, im Einzelfall zugelassen werden. Personen, die sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet oder einem besonders betroffenen Gebiet (festgelegt durch das Robert-Koch-Institut) aufgehalten haben, dürfen für einen Zeitraum von 14 Tagen seit ihrer Rückkehr aus einem dieser Gebiete die Einrichtung nicht betreten.

Sozialer Dienst sorgt für sozialen Kontakt bei Heimbewohnern

Der Zutritt zum Altenheim soll grundsätzlich reduziert werden und Besucher und Mitarbeiter werden registriert. So will man Kontaktpersonen zum Nachweis von Infektionsketten ermitteln.

Die Cafeteria wurde ebenfalls geschlossen, dort findet deshalb auch kein Mittagstisch mehr statt. Die Bewohner werden durch die Mitarbeiter des Sozialen Dienstes begleitet. Es finden auf den jeweiligen Etagen Gruppen- und Einzelangebote statt. So will man erreichen, dass die betagten Bewohner Gesprächspartner und soziale Kontakte trotz aller Einschränkungen haben.

Das Personal des Altenheims gehe, so Pflegedienstleitung Dana Sonnenschein, „bis jetzt gelassen und professionell mit der Situation um. Hygienemaßnahmen werden natürlich strengstens eingehalten, ansonsten findet hier der Alltag unter den genannten Bedingungen statt.“

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