Lüner Unternehmen 4Bro verkauft Produkte speziell für „Bros“

hz4Bro

Das Lüner Start-up 4Bro verkauft Energy-Drinks mit Chili-Mint-Geschmack und Snacks mit Bubblegum-Flavor. Doch was macht eigentlich einen Bro aus und was hat Cristiano Ronaldo mit all dem zu tun?

Lünen, Dortmund

, 19.09.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Engin Ergün holt kurz Luft. Diese Frage hat er sicherlich schon öfter beantworten müssen: Was ist eigentlich ein Bro? Ergün, 46 Jahre alt und Ur-Dortmunder, ist Geschäftsführer des Lüner Start-ups 4Bro, das seit April dieses Jahres existiert.

Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Produkte herauszubringen, die Bros gefallen. Tees, Energy-Drinks und Kabberzeug in ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen zum Beispiel. Unsere Redaktion trifft ihm am Freitag in Dortmund bei einem groß angelegten Dreh zu einer Image-Kampagne für das Unternehmen. Ein Profi-BMX-Fahrer, ein mehrfacher Schwergewichts-Weltmeister im Boxen und auch eine Fußballerin vom VfL Bochum werden hier gleich noch vor die Kamera treten, um für die Firma und ihre Produkte zu werben.

Murat Aygün mit einem 4Bro-Shirt. Aygün hat sich an einem Image-Clip für 4Bro beteiligt. Er ist mehrmaliger Weltmeister im Schwergewicht im Boxen, man nennt ihn auch "The Butcher".

Murat Aygün mit einem 4Bro-Shirt. Aygün hat sich an einem Image-Clip für 4Bro beteiligt. Er ist mehrmaliger Weltmeister im Schwergewicht im Boxen, man nennt ihn auch "The Butcher". © Sabine Geschwinder

„Bro sein, das ist ein Lifestyle“, erzählt Engin Ergün. Bros, das sind, so definiert er es, vor allen Dingen Menschen zwischen 17 und 30. Sie begrüßen sich gegenseitig mit Faustschlag, lieben Sport, schauen Netflix und sind in sozialen Netzwerken unterwegs - mit klassischen Medien können sie eher nichts anfangen. Sie sind in Shisha-Cafés anzutreffen und gehen regelmäßig in den Barber Shop.

„Er ist sozusagen der Godfather of Bros“

„Cristiano Ronaldo ist ein Proto-Typ für den Bro“, erläutert Engin Ergün. Cristiano Ronaldo, genannt CR7, aktuell bei Juventus Turin, ist der Star der portugiesischen Fußballnationalmannschaft. Rekordspieler, Rekordschütze. Gleichzeitig auch für sein gepflegtes Äußeres und seiner Vorliebe für teuren, blinkenden Schmuck und Luxus-Autos bekannt. „Er ist sozusagen der Godfather of Bros“, sagt Ergün.

„Seine Bros“, so sagt der Dortmunder gern, „sind multikulturell, urban und deutsch“. Er sagt das so selbstverständlich, wie es eigentlich sein müsste. Deutsch. Egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Das verbindende Element ist das Bro-Sein. Es gehe um ein Gemeinschaftsgefühl, der Umgang miteinander sei sehr respektvoll, erklärt Ergün. Das ist der so genannte Bro-Code. „Bros gibt es europaweit“, sagt Ergün. In Frankreich, in Belgien, in Ungarn. Die Hochburgen in Deutschland seien Berlin und Frankfurt. Es gebe aber auch Bros in München, „das sind aber eher die Schicki-Micki-Bros“, so Engin Ergün lachend.

Video
4Bro-Geschäftsführer erklärt, was einen Bro ausmacht

Und die Mädels? Fühlen die sich bei einem Produktnamen wie 4Bro nicht ausgeschlossen? Engin Ergün schüttelt den Kopf. „Nein gar nicht“, sagt er. „Die Mädels sagen teilweise auch Bro zueinander.“ Ansonsten gibt es aber auch noch das Äquivalent: Sis. Auf die Sis treffe all das zu, was auf den Bro auch zutrifft. Außer natürlich der Besuch im Barber Shop. Die Sis gehe dagegen eher ins Nagelstudio.

Der Bro als unerschlossener Markt

Engin Ergün ist Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Ethno IQ Gmbh, dem Mutterkonzern von 4Bro. Das Unternehmen gibt es schon seit 2005. Ursprünglich, so erzählt es Engin Ergün, war es eine Werbe- und Beratungsagentur. „Wir haben zum Beispiel Banken dabei beraten, wie sie die türkische Community erreichen“, erläutert er. Seit 2010 wurde Ethno IQ dann zum Großhandelsunternehmen und sorgte im Auftrag von Großfirmen wie Unilever oder Pepsi dafür, dass ihre Produkte auch die türkische Community erreichten, zum Beispiel durch die gezielte Belieferung an türkische Supermärkte und auch durch Werbekampagnen. Die Firma hat derzeit 43 Mitarbeiter, fünf bis sechs davon sind für 4Bro im Einsatz.

Die Eigenmarke war eigentlich nie das Ziel, sagt Engin Ergün. Doch irgendwann habe er im Café gesessen und sei auf all die Bros aufmerksam geworden, die sich mit Faustschlag begrüßten und die alle Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein schienen. „Da dachte ich mir, das ist ja ein Markt“, sagt Ergün. „Auf die Zielgruppe ist noch niemand eingegangen.“

Die Legitimation, noch einmal Puffreis zu essen

Also macht er es. Mit Produkten, in einer Verpackung im Marmor-Design, mit goldener Schrift und dem 4Bro-Logo, das ein Faustschlag ziert. Mit QR-Codes an den Produkten wo jeder Käufer Prämien sammeln kann, die dann in Gaming-Gutscheine oder einen Besuch im Barber-Shop oder Nagelstudio einzutauschen sind. Es gibt Energy-Drinks, die nach Chili-Minze schmecken und Snacks und Eistees mit Bubble-Gum Geschmack. Bisher ist das Sortiment noch überschaubar, doch es soll größer werden. Welche Produkte auf den Markt kommen, das entscheiden auch nicht Engin Ergün und seine Firma allein, sondern viele Bros, die unter anderem in einer Whatsapp-Gruppe Vorschläge für die Produkte machen. Über die Bubble-Gum-Mais-Snacks, die irgendwie nach Bum-Bum-Eis, Kaugummi und Jahrmarkt schmecken, sagt Engin Ergün zum Beispiel: „Sie sind die Legitimation für Erwachsene, nochmal Puffreis zu essen.“

Die Produkte werden für die Dreharbeiten zurecht gerückt.

Die Produkte werden für die Dreharbeiten zurecht gerückt. © Sabine Geschwinder

Und Engin Ergün selbst? Würde er sich als Bro bezeichnen? „Wir waren auch Bros“, sagt er und zeigt auf seinen Marketing-Manager und Jugendfreund Göksel. „Wir haben uns nur nicht Bros genannt, wir kannten den Bro-Code noch nicht.“ Die junge Bro-Zielgruppe musste also auch er erstmal kennenlernen. „Wichtig ist die Einstellung“, sagt er. „wir sind offen.“ Zu alt um ein Bro zu sein, fühle er sich mit seinen 46 Jahren auf jeden Fall nicht.

„Das bleibt man, wenn man Lust darauf hat. Und dann macht das einen Riesenspaß.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt