Lüner Vereinigung kämpft um das Grubenwehrhaus

Victoria-Brache

Jahrzehnte lang haben Bergleute in Lünen für das Bergwerk Victoria I/II unter Tage geschuftet. Über Tage haben sie sich von Hand ihr eigenes Reich geschaffen: das Grubenwehrhaus. Die Grubenwehrvereinigung Lünen pflegt es immer noch wöchentlich. Jedoch ist die Zukunft des Grundstücks und somit auch des Hauses ungewiss.

LÜNEN

, 25.05.2016, 19:16 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Grubenwehrvereinigung Lünen kämpft um den Erhalt ihres Grubenwehrhauses auf dem Gelände des alten Bergwerks Victoria I/II.

Die Grubenwehrvereinigung Lünen kämpft um den Erhalt ihres Grubenwehrhauses auf dem Gelände des alten Bergwerks Victoria I/II.

Es ist 10.40 Uhr, die Sonne knallt auf die Victoria-Brache, zigtausend Pollen wirbeln durch die Luft. Vor dem grünen, stählernen Eingangstor des Grubenwehrgeländes an der Westfaliastraße schneidet ein älterer Herr im Blaumann den Rasenstreifen, ein anderer in Bermuda-Shorts und weißem T-Shirt schwingt den Besen. Vergeblich. Die Pollen tanzen ihm auf der Nase herum.

Wöchentliche Treffen am Grubenwehrhaus

100 Meter weiter, am Grubenwehrhaus, geht es gemütlicher zu. An der überdachten, geklinkerten Freilufttheke gönnen sich Mitglieder der Grubenwehrvereinigung ein Bier – Gartenarbeit macht durstig, Bier lustig: „Du hast aber auch nicht mehr viel Haare auf dem Kopf“, schallt es dem Besucher von der Zeitung freundlich entgegen. Der trägt es mit Humor: „Eure Frisen sind auch nicht schlecht.“ Damit ist das Thema Frisuren an diesem Vormittag abgearbeitet. Und die Basis für ein Gespräch unter Kumpeln gelegt.

Dazu bitten Günter Schäfer, Chef der Grubenwehrvereinigung, und dessen Geschäftsführer, Hans Trittin, den Gast in ihr „Allerheiligstes“ – ins Grubenwehrhaus. Von innen gleicht es einem Bergbaustollen – bis auf die Theke. An den Wänden hängen Arschleder, Helme, Sauerstoff-Tornister. Unter der Holzdecke befestigt ist ein Schleifkorb für Verletzte. Grubenlampen sorgen für Licht.

Vereinigung wird nur geduldet

„Alles, was hier auf dem Gelände steht, haben wir im Laufe der Jahre in Handarbeit aufgebaut. Den Grundstock bildete 1979/80 der Bau dieses Hauses“, sagt Günter Schäfer. Dafür liegt der Vereinigung eine Schenkungsurkunde vor, ausgestellt vom damaligen Bergwerksdirektor Gerd-Reinhart Hartmann.

Das Grundstück gehört der Grubenwehrvereinigung nicht, hat ihr nie gehört. „Wir sind hier nur geduldet“, sagt Bergbau-Veteran Günter Schäfer. „Wir wollten das Grundstück auch mal kaufen, das hat aber nicht geklappt“, sagt Hans Trittin. Grundstückseigentümer ist eine Tochterfirma des Energieriesen RWE. Der sieht zurzeit keinen Grund, den Status quo zu ändern.

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RWE wartet auf Gutachten der Stadt

In der Essener Konzernzentrale warten die RWE-Manager ab, wie sich die Stadt die Zukunft der Victoria-Brache vorstellt: „Die Stadt Lünen hat ein externes Gutachterbüro für Stadtplanung beauftragt, verschiedene Konzepte für die Nutzung und städtebauliche Einbindung der Gesamtfläche zu erstellen. (...) Bisher liegen RWE aber keine Ergebnisse vor. Welche Rolle wir als Grundstückseigentümer spielen, ist daher noch offen.“

Die Macher der Machbarkeitsstudie sehen für das Grubenwehrhaus „keine Perspektive für eine Weiternutzung“. Unabhängig davon, ob auf der Victoria-Brache, wie vom Land NRW geplant, eine Forensik gebaut wird oder nicht.

Grubenwehrvereinigung hofft auf Unterstützung der Stadt

Zu der Studie, zu den Forensik-Plänen, zu einer möglichen Vermarktung der Victoria-Brache, sagen Schäfer und Trittin nichts. Außer: „Wir wissen nicht, ob wir hier ewig bleiben können. Wir hoffen einfach auf die Unterstützung aus der Bürgerschaft und der Politik.“ Die Zeichen dafür stehen gut: „Hier im Grubenwehrheim trifft sich der gesamte Lüner Norden“, sagt Hans Trittin.

Dann zählt der 71-Jährige auf: MGV Harmonie Zeche Victoria, Alte Kameraden, IG BCE-Ortsgruppe Victoria und Altstadt, Funkerclub, Skatclub, Barbara-Siedler, Victoria-Siedler, SPD-Ortsgruppe Lünen-Nord, Ring Deutscher Bergingenieure, Knappschaft, Polizei, Feuerwehr und SAL. „Da kommen schon ein paar Stimmen für den Erhalt des Grubenwehrhauses zusammen“, glaubt Trittin.

Stadt muss über Zukunft des Hauses entscheiden

Die Zukunft des Grubenwehrhauses sei derzeit noch nicht geklärt, heißt es im Lüner Rathaus: „Im Zusammenhang mit der Erarbeitung des integrierten Handlungskonzeptes Münsterstraße ist die Bedeutung der Einrichtung als Treffpunkt für Vereine und Gruppen aus dem Quartier deutlich geworden. Insofern ist es Ziel der weiteren Planungen, auch künftig für derartige Nutzungsinteressen ein adäquates Angebot zu haben.“

Dies kann laut Stadt aber „auch an anderer Stelle im Quartier oder auf der Victoriabrache sein“. Die Szenarien der Machbarkeitsstudie gingen von Alternativstandorten aus. Die Diskussion in Politik und Bürgerschaft habe gerade erst begonnen, eine Entscheidung stehe noch aus.

Sanierung der Toiletten bis zur Entscheidung aufgeschoben

Weil das so ist, lassen es die 60 Mitglieder der 1999 gegründeten Grubenwehrvereinigung auf dem Grundstück etwas langsamer angehen. „Eigentlich“, so Schäfer, „müsste die komplette Toilettenanlage von Grund auf saniert werden. Weil wir aber nicht wissen, ob sich der finanzielle Aufwand noch lohnt, denken wir über die Anschaffung von Dixi-Klos nach“ – Not macht erfinderisch.

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