Isabell Schneider (r.) geht mit ihrer Erfolgsgeschichte an die Öffentlichkeit, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Sie bereut ihren Entschluss nicht. Auch Tochter Chantall freut sich mit ihrer Mutter. © Beate Rottgardt
Magen-Operation

Lünerin nimmt 56 Kilo ab: „Als mir Größe 44 passte, hab ich geweint“

Es ist ein langer Weg bis zum Wohlfühl-Gewicht. Die Lünerin Isabell Schneider geht ihn erfolgreich. Um anderen Betroffenen Mut zu machen, geht sie ganz offen mit ihrer Geschichte um.

Isabell Schneider ist ein fröhlicher, lebenslustiger Mensch. Mit ihrer Familie etwas zu unternehmen, das Leben zu genießen ist für sie wichtig. Doch seit Jahren führte sie einen Kampf gegen ihr Übergewicht. Alles begann, als sie früh Mama wurde – mit 19 Jahren bekam sie ihren Sohn, zwei Jahre später ihre Tochter. Seitdem zeigte die Waage immer mehr an, als die Lünerin wollte. „Als ich mit 16 Jahren meinen Mann kennenlernte, hatte ich noch Größe 38.“

Davon entfernte sich die Lünerin immer weiter im Laufe der Jahre. Lange musste sie Kleidung in Größe 54 kaufen. „Mein Höchstgewicht waren 140 Kilo bei einer Größe von 1,65 Meter“, erzählt die 45-Jährige. Kaum zu glauben, wenn man sie heute sieht. Denn mittlerweile hat Isabell Schneider stolze 56 Kilo abgenommen.

Nicht etwa mit einer der unzähligen Diäten, die überall propagiert werden. „Ich habe viele Diäten hinter mir, kurzfristig war das ok, langfristig nicht.“ Denn da lauerte der üble Jojo-Effekt – die abgespeckten Kilos kamen wieder drauf und meistens noch ein paar mehr als vorher.

Low-Carb-Diät

Als sie vor einiger Zeit mit Verdacht auf Lungenembolie und Thrombose ins Krankenhaus kam, mahnte sie der Arzt dort, sie müsse etwas gegen die überflüssigen Kilos unternehmen. „Die erste Diagnose bestätigte sich zum Glück zwar nicht, aber ich habe mich in Werne im Krankenhaus im Adipositas-Kompetenzzentrum angemeldet.“ Isabell Schneider wollte eine Magen-OP, um endlich die Kilos zu verlieren. Zeitgleich stellte sie ihre Ernährung auf Low Carb (wenig Kohlehydrate) um und nahm schnell 34 Kilo ab. „Daraufhin hab ich mich in Werne wieder abgemeldet, weil ich dachte, ich schaffe es doch alleine.“

Ein Trugschluss – denn nach einem Jahr waren die Kilos wieder drauf. „Als mein Sohn dann sagte, Mama, willst du nicht doch was machen?, hab ich mich wieder in Werne angemeldet.“ Diesmal war auch ihr Mann damit einverstanden, der beim ersten Mal noch sehr skeptisch war.

Bevor die Operation stattfinden konnte, gab es noch etwa ein Jahr intensive Vorbereitung. „Eigentlich ist es nur ein halbes, aber wegen Corona hat sich alles in die Länge gezogen“, so Isabell Schneider. Aufgrund der Pandemie war es nicht möglich, die vorgesehene Bewegungstherapie fortzusetzen und auch die Selbsthilfegruppe, die die angehenden Patienten besuchen sollten, konnte nicht stattfinden. Ernährungs- und Verhaltenstherapie waren allerdings möglich.

Isabell Schneider – hier bei der Entzündung des Osterfeuers und mit noch einigen Kilos mehr – war acht Jahre lang in St. Marien-Gemeinde Pastoralreferentin. Seit Januar ist sie Krankenhaus-Seelsorgerin in Lüdinghausen. © Foto: Beuckelmann (A) © Foto: Beuckelmann (A)

Nicht jeder, der will, kann tatsächlich operiert werden, Voraussetzung ist ein bestimmter BMI-Wert. Auch Vorerkrankungen wie Bluthochdruck spielen eine Rolle. Theoretisch durfte Isabell Schneider operiert werden, doch wegen Corona wurden 2020 viele OPs verschoben. „Ich hatte noch Glück, bin im Oktober 2020 operiert worden, zwei Wochen später kam dann der nächste Lockdown und solche OPs waren nicht mehr möglich.“

Die Chirurgen legten einen Bypass am Magen und entfernten einen großen Teil des Organs. „Als ich nach der OP aufgewacht bin, hatte ich einen kurzen Moment lang Angst, ob ich nicht doch einen Fehler gemacht habe. Aber seitdem bin ich froh über meinen Entschluss, bereue nichts.“

Nur eine Vorspeise

Durch den deutlich verkleinerten Magen werden die Nährstoffe verspätet vom Körper aufgenommen und das Sättigungsgefühl stellt sich viel früher ein. Weil der Magen nur noch ein Fassungsvermögen von 150 bis 180 Milliliter hat. „Wenn ich mit meinem Mann essen gehe, bestelle ich meistens für mich nur eine Vorspeise, dann bin ich satt.“ Aber wenn sie Appetit hat, bestellt sie auch mal ein Hauptgericht oder holt sich eine kleine Pizza – beides schafft sie aber nie ganz.

Isabell Schneider nach dem Abnehmen - 56 Kilo hat die sympathische Lünerin schon verloren und freut sich über ihr neues Aussehen.
Isabell Schneider nach dem Abnehmen – 56 Kilo hat die sympathische Lünerin schon verloren und freut sich über ihr neues Aussehen. © Schneider © Schneider

Isabell Schneider muss auch Multivitamine, Calcium oder Eisen durch Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Zum Frühstück reicht ihr ein halbes Brötchen, zum Mittagessen gibt´s 60, 70 Gramm Fleisch mit wenig Kartoffeln. „Ich vertrage alles und kann auch alles essen, nur eben deutlich weniger.“ Meistens isst sie vier Mahlzeiten am Tag.

Über die Auswirkungen der OP wurde sie komplett im Vorfeld aufgeklärt. „Eine Bekannte hat die OP in der Türkei durchführen lassen und selbst bezahlt, weil sie keine Lust auf Vor- und Nachbereitung hatte.“ Mit dem Ergebnis, dass sie noch einmal operiert werden musste.

Noch drei Jahre wird Isabell Schneider medizinisch betreut, ihr Leben lang wird ihr Blut regelmäßig untersucht werden müssen, um zu testen, ob sie alle benötigten Nährstoffe zu sich nimmt. „Das läuft dann später beim Hausarzt.“

In den Operationssaal wird sie wohl noch vier Mal gefahren werden – denn die Hautlappen müssen entfernt werden, die nach dem Abnehmen übrig geblieben sind. Die Vorteile des Wohlfühlgewichts sind eindeutig. „Im Urlaub laufe ich mit meinem Mann 18 bis 20 Kilometer ohne Probleme.“

Achterbahn als Versprechen

Und auch das Einkaufen macht viel mehr Spaß. Als sie in Berlin eine Hose in Größe 44 anprobierte und die passte, „hab ich in der Kabine geheult.“ Auch als die ersten langen Stiefel wieder passten, war die Freude groß. Nur eine Hose in Größe 54 hat sie aufgehoben. „Mein Sohn meinte, ich sollte doch mal versuchen, ob ich in ein Hosenbein hineinpasse – und es hat geklappt.“

Auch ihr Mann und Tochter Chantall (24) sind stolz auf die Erfolge. Zumal Isabell Schneider ihren Kindern etwas versprochen hat. Chantall Schneider: „Mama wird mit uns Achterbahn fahren, weil sie jetzt da rein passt.“ Und das Versprechen will Isabell Schneider halten – obwohl sie nicht gerne Achterbahn fährt.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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