Carola Mariß studiert Kirchenmusik in der Hansestadt Lübeck. In Coronazeiten läuft das Studium ganz anders als normal. © Mariß
Carola Mariß

Lünerin studiert in Lübeck und London – trotz Pandemie und Brexit

Lübeck und London - in diesen Städten studiert die junge Lünerin Carola Mariß Kirchenmusik. Einfach ist das nicht - zum einen wegen der Corona-Pandemie, aber auch wegen des Brexits.

Musik bedeutet Carola Mariß viel. Schon als Kind hatte sie Akkordeon-Unterricht an der Lüner Musikschule. In der Zwischenzeit interessierte sie sich dann auch fürs Orgelspiel, nahm Unterricht bei Kantorin Jutta Timpe. Bis 2015 spielte sie beide Instrumente parallel, dann entschied sie sich für die Orgelmusik. Mit 18 Jahren bestand sie das C-Examen als nebenberufliche Kirchenmusikerin mit Bravour.

Studium an der Musikhochschule Lübeck

Nach ihrem Abitur am Altlüner Gymnasium begann sie 2018 das Bachelor-Studium Kirchenmusik an der Musikhochschule Lübeck. Im sechsten Semester war die 22-Jährige im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums an der Royal Academy of Music in London. Genau in der Zeit, in der Großbritannien die EU verließ.

Carola Mariß während ihres Aufenthaltes in London an der imposanten Orgel im Konzertsaal der Academy.
Carola Mariß während ihres Aufenthaltes in London an der imposanten Orgel im Konzertsaal der Academy. © Mariß © Mariß

„Ohne den Brexit hätte ich vermutlich versucht, das Erasmus irgendwie zu verschieben oder gehofft, dass es nach Covid-Zeiten erneut klappt. Ohne den Brexit wäre ich also im letzten halben Jahr gar nicht in London gewesen“, so Carola Mariß. Vom Brexit bekam die Lünerin gar nicht so viel mit: „Vor Ort gab es durch die Pandemie dann schon genug Abenteuer, für den Brexit hatten selbst die Briten wenig Energie – so mein Eindruck.“ Sie habe aber auch nicht bewusst nach Auswirkungen des Brexits gesucht, sondern war eher mit anderen Dingen beschäftigt.

So versuchte sie, London so gut wie möglich zu erkunden – nicht unbedingt in erster Linie musikalisch – und machte das Beste aus der Situation vor Ort. „Nun bin ich dankbar für ein paar Monate in dieser anderen Welt und ein London ganz ohne Touristen findet man ja auch nicht alle Tage“.

Abend-Konzerte in berühmten Kirchen Londons

Trotz Pandemie hat sie in St. Paul’s Cathedral und Westminster Abbey je einen Evensong (Abend-Konzert) erlebt. „Mein Alltag führte mich jeden Morgen in die Royal Academy of Music und neben ganz viel Orgel-Üben/Spielen/Hören habe ich dort ein bisschen Britishness und einige schöne Begegnungen mitnehmen dürfen.“

Bei einer Inzidenz von 1000+ und immer noch Menschen ohne Maske in der U-Bahn hat sich die Lünerin dann Ende Januar etwas verfrüht verabschiedet, aber den Rest des London-Erlebens möchte sie auf jeden Fall zu einem anderen Zeitpunkt noch nachholen.

Das Hochschul-Sozialgefühl fehlt

Bald ist sie wieder in Lübeck. Wobei auch das Studium zu Corona-Zeiten ganz anders läuft als sonst. „Die Hochschule selbst fungiert meines Erachtens gerade eher als Mittel zum Zweck, denn ohne Mensa, spontane Gespräche auf dem Flur und ein Hochschul-Sozialgefühl fehlt mir ,mein Studium‘ – obwohl die Zeit ja weiterläuft.“

Carola Mariß ist aber glücklich, dass im Rahmen der Umstände noch Einzelunterrichte (teils sogar auch Kleingruppen) und das Üben möglich sind: „Aber für das Fach Chorleitung gibt es bei angespannter Pandemielage kaum Ersatz. Deshalb war ich sehr dankbar, die Chance für mein Erasmus-Auslandssemester trotz Covid-Pandemie wahrnehmen zu können.“

Kantorin und Kulturpreisträgerin Jutta Timpe (l.) freute sich im Jahr 2016, dass ihre Orgelschülerin Carola Mariß das C-Examen mit Bravour bestanden hat. © Beate Rottgardt (Archiv) © Beate Rottgardt (Archiv)

Jetzt ist die 22-Jährige gespannt auf die kommende Zeit und ihren Wiedereinstieg an der Musikhochschule nach dem Erasmus-Semester. „Und ob mein Bachelor-Studium noch ohne Corona zu Ende gehen kann, davon wird dann vermutlich auch die Folgeentscheidung geprägt sein.“ Die muss sie jetzt noch nicht treffen – vom Masterstudiengang Kirchenmusik bis „ganz was anderes“ könnte alles passieren. „Dass ich am Ende mal meinen Alltag ganz ohne Musik verbringe, kann ich mir aber nicht vorstellen.“

Den Kontakt mit Kantorin Jutta Timpe von der evangelischen Kirchengemeinde Lünen hat sie auch nach Studienbeginn gehalten. „Dass ich (vielleicht) mal im Kirchenmusikstudium lande, wusste sie schon lange vor mir.“

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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