Mann zerschmettert Christusfigur auf Lüner Friedhof

Vandalismus

Die große Christusfigur auf dem Familiengrab der Familie Bock hat einiges überstanden. Seit 107 Jahren steht sie an Ort und Stelle in Lünen-Süd, war nur während des Ersten Weltkriegs zur Sicherheit im Haus untergebracht. Seit Sonntag jedoch ist sie zerstört, vermutlich für immer.

LÜNEN-SÜD

, 29.08.2017, 07:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Anruf erreichte Helmut Bock am Sonntagnachmittag. Eine Bekannte war auf dem Friedhof und sah eine Menschenansammlung vor dem großen Grab der Familie Bock. Die Christusfigur lag zerschmettert auf dem breiten Weg davor.

Die Umstehenden erzählten: Ein Mann, zwischen 30 und 40 Jahre alt, habe die Figur am helllichten Tag aus der Verankerung gerissen. Er habe aggressiv gewirkt, die Statue über den Kopf gehoben und auf den Boden geschmissen. Zwei Mal. Eine ältere Dame sei dem Mann noch nach gegangen, habe ihn dann aber aus den Augen verloren. „Ist vielleicht auch besser so, wer weiß, was sonst noch passiert wäre?“, sagt Bock.

Nicht der erste Angriff auf die Christus-Statue

Die Polizei suchte kurz danach den Täter. Bisher ohne Erfolg. „Wer macht so etwas?“, fragt Helmut Bock sich. Einen ersten Angriff gab es schon 1996, auch da wurde die Figur herausgerissen und beschädigt. Ein Bildhauer konnte sie wiederherstellen, verfüllte die Figur, die danach noch schwerer war. Dann war über 20 Jahre Ruhe. Vor rund acht Wochen hatten Unbekannte der Figur beide Arme abgeschlagen. Die Arme hat Bock selbst noch wieder angeklebt. Eine Reparatur wird jetzt aber wohl gar nicht mehr möglich sein – nach 107 Jahren.

„Das ist so sinnlos, eine Respektlosigkeit“, sagt Helmut Bock, dessen Eltern unter anderem noch in dem großen Familiengrab liegen. Die Figur habe einen großen ideellen Wert für ihn, meint er. Es gibt alte Bilder aus den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die zeigen die Figur im Wohnzimmer der Familie, in den 30ern war sie schon wieder auf dem Friedhof.

Täter kann wegen "Störung der Totenruhe" belangt werden

Die Polizei schätzt den finanziellen Wert der Figur auf 2500 Euro, wie deren Sprecher Gunnar Wortmann am Montag auf Anfrage berichtet. Die Polizei ermittelt wegen „Störung der Totenruhe“. Wird der Täter gefasst, drohen Geld- oder Freiheitsstrafe. Die Zeugenschilderung der Tat, die Wortmann wiedergibt, gleicht der, die Bock erreicht hat.

Die Zeugen haben den Beamten auch eine genauere Beschreibung des mutmaßlichen Täters gegeben: Der Mann soll eine schlanke Figur haben, helle Haut, kurze, braune Haare, ein T-Shirt mit auffälligem Muster in ockerbraun getragen haben und dazu eine dunkle Hose. Die Polizei bittet um Hinweise an Tel. 0231/1327441. Und auch Helmut Bock hofft, dass der Täter so noch ausfindig gemacht werden kann.

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