Marienkäfer suchen Platz fürs Überwintern - auch in Lünen und Selm

hzAuf Fassaden und Balkonen

Sie gelten als Glücksbringer und Gärtner mögen sie, weil sie Blattläuse vertilgen. Doch derzeit wundert sich mancher Lüner oder Selmer über viele Marienkäfer an Balkonen und Fassaden.

Lünen, Selm

, 27.10.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie gehören zu den beliebteren Insekten, so wie auch Bienen und Hummeln. Die Rede ist von Marienkäfern. Rund 70 verschiedene Arten gibt es in Deutschland, weltweit sogar 4500. Seit einigen Jahren findet man bei uns nicht nur die einheimischen Marienkäfer, die roten mit schwarzen Punkten. Vor allem asiatische Arten sind immer mehr auf dem Vormarsch.

Im Herbst sind die Tiere massenweise auf der Suche nach einem „Winterquartier“, in dem sie ihre Ruhephase bis zum nächsten Frühjahr verbringen können. Auch in unserer Region sind sie unterwegs, oft in großen Mengen an Balkonen oder Fassaden zu finden.

Weil ihre Saison zu Ende geht, versuchen Marienkäfer, ein nicht zu warmes Plätzchen für ihre Ruhephase zu finden.

Weil ihre Saison zu Ende geht, versuchen Marienkäfer, ein nicht zu warmes Plätzchen für ihre Ruhephase zu finden. © picture alliance / dpa

Einige kommen auch durch die Fenster und Türen in die Wohnungen. „Ich lasse sie einfach drinnen sitzen“, so Stefan Kauwling, Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises Unna. Auch an seinem Arbeitsplatz hat er die kleinen Krabbler, die als „Sonnenkälbchen“, „Himmelsziegen“ oder „Sommervögelchen“ bezeichnet werden, schon entdeckt. „Sie suchen sich ruhige und kühle Orte aus, wo sie nicht Gefahr laufen, in ihrer Ruhephase während der kalten Jahreszeit gestört zu werden.“

Neues Domizil suchen

Natürlich kann man die Marienkäfer auch wieder nach draußen bringen, wenn man sie doch lieber nicht im heimischen Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer haben möchte. Kauwling: „Dann werden sie sich ein neues Domizil suchen, vielleicht eine Nische im Mauerwerk oder sie fliegen in eine andere Wohnung.“

Die Marienkäfer - sowohl die heimischen wie auch die aus Asien eingewanderten Arten - überwintern in der „Erwachsenen“-Form. Andere Insekten dagegen verbringen die kalte Jahreszeit als Ei oder Larven.

Dass die asiatischen Arten immer mehr die Oberhand in den heimischen Gärten oder Parks und Wäldern gewinnen und die heimischen Arten verdrängen, liegt daran, dass sie sehr reproduktiv sind, sich also dem Verhalten ihrer hiesigen „Verwandten“ schnell anpassen.

Marienkäfer gelten als Glücksbringer.

Marienkäfer gelten als Glücksbringer. © picture alliance/dpa

Wie die heimischen Marienkäfer fressen sie auch Blattläuse. Aber auch Larven und andere Käfer oder Insekten, die die entsprechende Größe haben, stehen auf ihrem Speiseplan. Besonders gefräßig sind, so der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), die asiatischen „Harlekine“, die 19 Punkte haben. Ganz im Gegensatz zu ihren heimischen Verwandten.

Nur an wenigen Tagen zu beobachten

Übrigens ist das Phänomen der Marienkäferschwärme nur ein kurzfristiges. Man kann sie beobachten, wenn eine bestimmte meteorologische Lage mit Sonnenschein und herbstlicher Wärme und ein entsprechender Hormoncocktail den Impuls bei den Käfern auslöst, sich ein Winterquartier zu suchen. Kauwling: „Sobald es dauerhaft kälter wird, erledigt sich das Ganze.“

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