Miserable Feinstaub-Werte: Kontrollen und Straßen-Reinigung statt Luftreinhalteplan

hzLuftqualität in Lünen

Die Daten des Umweltbundesamts sind jetzt bestätigt: In Lünen wurden deutschlandweit die schlechtesten Feinstaub-Werte gemessen. Jetzt ist klar, welche Konsequenzen das hat: Wenige.

Lünen

, 28.05.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An 564 Mess-Stationen erfasst das Umweltbundesamt deutschlandweit verschiedene Luft-Werte. Darunter auch den sogenannten pm10-Wert. Pm10 bedeutet: Partikel mit einem Durchmesser von 10 Mikrometer oder kleiner, zu deutsch: Feinstaub.

Die Stationen erfassen hier den Jahresmittelwert der jeweiligen Belastung und die Anzahl der Tage, an denen der Wert über dem EU-Grenzwert von 50 µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter) lag. Die Lüner Werte von der Frydagstraße sind dabei die schlechtesten aller 564 Mess-Stationen: im Mittel lag der Wert bei 30 µg/m³ , an 36 Tagen wurde der Grenzwert von 50 µg/m³ überschritten. Die festgelegte Grenze beträgt 35 Übertretungstage. Selbst die Messstationen in Hamburg, Berlin oder Stuttgart spuckten keine schlechteren Werte aus.

Bisher war unklar, ob und wenn ja, welche Konsequenzen diese schlechten Werte für Lünen haben würden. Auch, weil die Werte noch nicht offiziell bestätigt waren. Das jedoch ist jetzt geschehen. Viel passieren wird allerdings erst einmal nicht. Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg: „Wir wollen nicht von vorneherein einen Luftreinhalteplan erstellen“, sagt er, „sondern punktuell mit kleineren Stellschrauben arbeiten“. Dazu gehöre die tägliche Nassreinigung der Straße.

Außerdem würden die anliegenden Industriebetriebe mittlerweile wöchentlich überprüft. „So wollen wir ein engmaschiges Bild bekommen und können dann sehen, wie weit uns das bringt.“

Miserable Feinstaub-Werte: Kontrollen und Straßen-Reinigung statt Luftreinhalteplan

Blick auf die Frydagstraße © Goldstein

Wieso Nassreinigung? Laut Stadt-Sprecher Benedikt Spangardt könnte der Verkehr auf der Straße die Hauptursache für die schlechten Werte sein: „Staub wird aus den Betrieben auf die Frydagstraße getragen und durch Fahrzeuge aufgewirbelt“, so Spangardt. Die tägliche Nassreinigung soll helfen und findet schon seit 8. April statt - immer wochentags. So könne die Immissionsbelastung schnell gesenkt werden, die Aufstellung eines Luftreinhalteplans hätte deutlich länger gedauert, so Spangardt.

Für weitere mögliche Maßnahmen müsse die Situation erst weiter analysiert werden: „Welche betrieblichen Vorgänge führen zu einer höheren Staubemission und auf welche Weise kann die Emission vermieden oder vermindert werden?“, so Spangardt. Dieser Analyse-Prozess laufe bereits.

Werte werden schon lange erhoben

Dass es problematische Luftwerte an der Frydagstraße gibt, war der Bezirksregierung schon länger bekannt. Das Unternehmen Trianel hatte im Zuge des Genehmigungsverfahrens für sein Kraftwerk Werte ganz in der Nähe erhoben, Frydagstraße/Ecke Mühlenweg. Von Oktober 2009 bis Oktober 2010 gab es sogar 39 Überschreitungen des Tagesmittelwertes.

Danach jedoch waren die Werte rückläufig, sanken von 34 Überschreitungstagen (2012) auf 13 (2014). 2018 dann waren die Werte wieder schlechter.

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