Mit einem Promille am Steuer des weißen Mercedes - 38-Jähriger nach Probefahrt verurteilt

hzAmtsgericht

Das angebotene Auto interessierte ihn brennend und die vielleicht einmalige Chance auf eine Probefahrt wollte sich ein Lüner (38) nicht entgehen lassen. Das kommt ihn nun teuer zu stehen.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 01.12.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Chance wollte sich der 28-jährige Lüner nicht entgehen lassen: Am Abend des 23. März besuchte der Mann aus Lünen einen Freund in Bergkamen und trank bei der Gelegenheit zwei Flaschen Bier, als der Anruf des Verkäufers kam.

Wenn er sich den weißen Mercedes angucken und ihn testen wolle, habe er genau jetzt die Gelegenheit. Danach sei das Auto weg.

Das, was er später selbst als Gier bezeichnete, war größer, als alle Skrupel. Er traf sich mit dem Fremden, setzte sich hinter das Steuer des Wagens und fuhr in Richtung Lünen. Der Beifahrer eines anderen Pkw beobachtete, wie er in Schlangenlinien unterwegs war und regelmäßig auf die Gegenfahrbahn geriet. Von seinem stets schwankenden Tempo ganz zu schweigen. Der Zeuge informierte die Polizei und blieb am Handy, während sein fahrender Begleiter die Verfolgung aufnahm. Im Bereich der Ernst-Weiß-Straße stoppte der Lüner schließlich und verschwand zu Fuß. Eine Streifenwagenbesetzung erschien vor Ort und wartete, bis er wieder auftauchte. Ein Test brachte später ans Licht, dass er rund ein Promille Alkohol im Blut hatte. Kurz darauf erhielt der 38-Jährige einen Strafbefehl: 300 Euro Geldstrafe und zehn Monate Sperrfrist zur Neuerteilung einer Fahrerlaubnis. Er legte Einspruch ein.

„Einfach ein bisschen gierieg geworden“

Nun befasste sich das Amtsgericht mit seinem Fall und der Lüner betonte direkt nach Verlesung der Anklage: „Ich wollte dieses Auto kaufen.“ Er habe befürchtet, den Wagen nicht mehr zu bekommen, wenn er ein Treffen zu einem anderen Zeitpunkt vorgeschlagen hätte. Er sei einfach „ein bisschen gierig geworden“. In Lünen habe das Auto einem fachkundigen Freund und seiner Familie zeigen wollen. Den steten Tempo-Wechsel begründete er mit einem möglichen Fehler im Automatikgetriebe und die Schlangenlinien seien ihm gar nicht bewusst gewesen. Er habe gedacht, dass er ganz normal fahre.

Richter sieht keinen Grund zur Milde

Großartige Einsicht stellte Richter Ulrich Oehrle bei ihm nicht fest. Das Ansinnen des Verteidigers, eine kürzere Sperrfrist zu erzielen, kommentierte er mit deutlichen Worten: „Ich sehe hier keinen Grund für Milde.“ Und da half es auch nicht wirklich, dass der angeklagte Lüner zuvor strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten und alleiniger Ernährer seiner Familie war. Der Anwalt reagierte postwendend und führte ein Gespräch mit seinem Mandanten auf dem Gerichtsflur. Danach gab es eine Einspruchsrücknahme. Und damit wurden die 300 Euro Geldstrafe und die zehn Monate Sperrfrist doch noch rechtskräftig.

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