Mit Kabelsalat und Kaffee zum Erfolg

LÜNEN „Das muss grooven. Das ist nix, wenn das nicht groovt.“ Volker Schlingmann schüttelt den Kopf. Kritisch lauscht der Pianist der Band „The King of Elfland´s Daughter“ der ersten CD-Aufnahme „Lied vom Elch“.

von Von Dieter Hirsch

, 04.01.2008, 11:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Diese Version würde ich auch eher wegschmeißen“, pflichtet ihm Friedemann Laabs bei. Er bedient die Flöte, die Alt-Flöte, das Sopran- und das Altsaxophon. Nee, das is´ nix. Da muss die Band noch mal ran. Es ist nun der dritte Tag, dass die Band um den Lüner Schlagzeuger Oliver Ilgner an ihrer ersten CD bastelt. Das „Tonstudio“ ist der Jazzclub im Stadthotel.

Auf der Bühne tummeln sich neben den Musikern und ihren Instrumenten Mikrofone, Mikrofonständer und jede Menge Meter Kabel. Letztere münden samt und sonders im Mischpult von Tontechniker Sven Thönes. Der hat sich und sein Equipment direkt vor der Bühne aufgebaut. Herzstück ist der Computer und ein spezielles Programm, mit dem er den Sound und die Instrumente mit ihren spezifischen Eigenschaften optimal aufeinander abstimmen kann. Er gibt sozusagen den Startschuss bei den Aufnahmen.

"Auf den Punkt genau"

Bevor aber der erste Ton aufgezeichnet wird, muss aufgebaut, eingerichtet und eingestimmt werden. Und an diesem ersten von drei Studiotagen steht natürlich eine Probe auf dem Programm. „Hardbop“, so würde Oliver Ilgner seine Kompositionen stilistisch einordnen. Und die warten mit der einen oder anderen musikalische Klippe auf. Da stolpert der Laie schon mal über einen 7/4-Takt. „Bei den Unisono-Passagen ist kein Platz für eine individuelle Phrasierung“, erklärt Fritz Schmid, der die elektrische Violine, Sopran- und Tenorsaxophon spielt. „Alle müssen auf den Punkt genau sein“, ergänzt Schlagzeuger Oliver Ilgner. Austoben ist dann bei den Soli angesagt.

Geduld und Konzentration

Die Aufnahme ist dann alles andere als ein Kaffeekränzchen. Obwohl Kaffee in Strömen fließt. Zehn Stunden – mit Pausen – sind es allein am ersten Tag. Spielen, Spielen, Spielen und immer wieder hören. „Sorry, da hab` ich gepatzt“, gesteht Bassist Max Jalaly. „Ich hab` nicht mehr dran gedacht, dass du da auch ein Solo spielst“, entschuldigt sich Volker Schlingmann. Geduld und Konzentration sind gefragt. Bei aller Anspannung ist die Stimmung in der Band prächtig. Auch am dritten und letzten Studiotag.

Ärmel hochkrempeln

„Heute müssen wir fertig werden. Und wenn es drei Uhr nachts wird“, krempelt Oliver Ilgner die Ärmel hoch. Wieder spielen, spielen, spielen und wieder hören, hören, hören. Zum Beispiel den Titel „Caos di Cavi“ im 7/4-Takt. „Meine Frau hat dem Stück den Titel Kabelsalat gegeben. Ihre italienische Freundin Marilena Pasquale hat ihn ins Italienische übersetzt“, erzählt Oliver Ilgner. So einfach entstehen Titel.

Wenn auch nicht bis drei Uhr nachts, so doch bis in die späten Abendstunden des dritten Studiotages braucht die Band, um die Stücke einzuspielen. Damit ist die CD aber noch längst nicht fertig. „Das ist jetzt das Rohmaterial. Das muss noch abgemischt werden“, so Oliver Ilgner. Und wann kann man die CD hören? Tja, das hängt davon ab, wann das Geld für die Produktionskosten zusammen ist. Möchte jemand eine aufstrebende Jazzband unterstützen? Bitte melden.

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