Motorrad-Führerschein ohne Prüfung: Lüner Fahrlehrer findet neue Regelung „gefährlich“

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Seit diesem Jahr können Autofahrer mit dem Klasse-B-Führerschein nach wenigen Unterrichtsstunden Leichtkrafträder fahren, ohne eine Prüfung zu absolvieren. Das stößt auf unterschiedliches Echo.

von Lea Schönfeld

Lünen

, 15.01.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Önder Aytekin ist Fahrschullehrer und Inhaber der Fahrschule Europa in Lünen. Zu der Gesetzesänderung, dass man die Führerscheinklasse B auf B196 erweitern kann, sagt er: „Der Bundesverkehrsminister (Andreas Scheuer, CSU, d. Red.) wollte der Bevölkerung ein Geschenk machen, allerdings ist dies zu gefährlich.“

Anika Dukowski, Leiterin der „Dee‘s Fahrschule“, hält die Gesetzesänderung für eine Chance: „Menschen, die das Motorradfahren ausprobieren möchten, können das in diesem Rahmen für weniger Geld austesten.“ Wer dann eine Leidenschaft entwickle, könne den A-Führerschein machen und die Prüfung absolvieren.“

Fünf Jahre Klasse B, mindestens 25 Jahre alt

Hintergrund: Seit dem 31. Dezember 2019 können Autofahrer, die einen Führerschein der Klasse B haben, diesen erweitern und damit auch Leichtkrafträder fahren. Die Voraussetzung dafür: Die Person muss den Klasse B-Führerschein mindestens fünf Jahre besitzen und mindestens 25 Jahre alt sein. Außerdem müssen acht theoretische und zehn praktische Unterrichtsstunden absolviert werden.

Bei der Fahrschule Europa würde dieses Paket etwa 845 Euro kosten. Eine Prüfung ist nicht erforderlich. Und genau das bereitet Önder Aytekin Sorgen: „Die meisten Motorradfahrschüler sind vernünftig. Es gibt aber auch die Unvernünftigen. Uns Fahrlehrern wird dann vorgeworfen, wir würden nur Geld machen wollen, wenn wir der Meinung sind, dass noch Fahrstunden für ein sicheres Fahren gebraucht werden.“ Die „Unvernünftigen“ seien die Kandidaten, die die neue Regelung ausnutzen könnten.

Allerdings weist Aytekin darauf hin, dass die zehn vorgeschriebenen Fahrstunden „erfolgreich“ absolviert werden müssen. Jedoch sei „erfolgreich“ nicht weiter definiert und somit den Fahrlehrern überlassen, dies zu beurteilen. Das bedeute, dass die Bescheinigung für den B196-Führerschein nicht zwangsläufig nach zehn praktischen Unterrichtsstunden ausgehändigt werde müsse.

Für den Fahrlehrer steht fest, dass man in den zehn Unterrichtsstunden nur Grundlagen lehren kann. „Bis man aber sicher mit dem Motorrad unterwegs ist, bräuchte es mehr Übung.“ Önder Aytekin befürchtet, dass durch die schlechtere Ausbildung mehr Verkehrsunfälle passieren. Eine Evaluation der Gesetzesänderung ist jedoch erst für 2022 angesetzt.

A1-Führerschein viel gefährlicher?

Anika Dukowski (24) hat weniger Bedenken. „Die Fahrlehrer entscheiden, ob der Fahrschüler für die Teilnahme am Straßenverkehr mit dem Motorrad geeignet ist. Wenn dies nicht der Fall ist, müssen weitere Fahrstunden folgen“, sagt sie. Damit appelliert sie an das Urteilsvermögen der Fahrlehrer.

Außerdem seien sowohl der A1- als auch der A2-Führerschein nicht mit der Erweiterung B196 zu vergleichen. Mit dem A1-Führerschein dürfen bereits 16-Jährige Leichtkrafträder fahren, die keine Vorerfahrung im Straßenverkehr besitzen. Das sei viel gefährlicher.

Önder Aytekin ergänzt, dass die Erweiterung nur in Deutschland, aber nicht im Ausland gelte. Die Stufenausbildung - die Möglichkeit, zwei Jahre nach einer praktischen Prüfung die nächsthöhere Klasse zu erreichen - sei mit der Klasse B196 ebenfalls nicht möglich.

Ersten Kurse starten

Anika Dukowski sieht darin allerdings keinen Nachteil. Die Fahrstunden, die bei der Erweiterung absolviert wurden, könne man sich für den Klasse A-Führerschein, den man übrigens bereits ab einem Alter von 24 Jahren machen kann, anrechnen lassen.

Die Auswirkungen der neuen Regelung und wie hoch die tatsächliche Nachfrage ist, könne man ohnehin erst nach einiger Zeit beurteilen, so Dukowski. Die ersten Kurse würden demnächst erst starten.

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