Bunte Gesellschaft: Eine Entscheidung gegen Ausländer ist kein Rassismus

hzMeinung am Mittwoch

Unser Gastautor Heinz Werner Kleine ist für eine bunte Gesellschaft. Doch bei mancher Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen fragt er sich, ob die Integration gescheitert ist.

von Heinz Werner Kleine

Lünen

, 27.11.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Westen nichts Neues. Wieder einmal gibt es Rassismusvorwürfe gegen den Betreiber zweier Fitnessstudios in Lünen. Einem Austauschschüler ist das Training zunächst verwehrt worden, da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist.

Sicherlich eine falsche Entscheidung, die auch durch die fadenscheinigen Begründungen nicht verständlicher wird. Eine Stellungnahme des Multikulturellen Forums folgte dann auch auf dem Fuße. Mit Recht wurde auch auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz hingewiesen. Bürgerinnen und Bürger, Politiker und Stadtverwaltung werden aufgefordert klare Kante gegen Rassismus und Diskriminierung zu zeigen.

Wer gegen Ausländer entscheidet, ist sofort ein Nazi

Was bedeutet denn dieser Vorfall für unsere Gesellschaft? Sind wir wirklich so tolerant und weltoffen, wie wir uns gerne sehen? Was bedeutet es eigentlich, eine bunte Gesellschaft zu sein?

Ist die Integration gescheitert? Wo fängt Rassismus an? Trifft jemand eine Entscheidung, die sich hauptsächlich gegen hier lebende Ausländer richtet, wird er sofort als Rassist oder Nazi beschimpft. Egal in welchem Kontext diese Entscheidung getroffen wird.

Bekanntes Beispiel ist die Entscheidung des Leiters der Essener Tafel Jörg Sator, keine weiteren Ausländer aufzunehmen, nachdem deutsche Rentnerinnen aus Angst nicht mehr erschienen sind. Jörg Sator hat richtig entschieden, um allen Bedürftigen den Zugang zur Tafel zu ermöglichen, trotzdem wurde ihm Rassismus vorgeworfen.

Fühlen Sie sich als Rassist?

Doch wie entscheiden Sie liebe Leserinnen und Leser, wenn Sie eine Wohnung zu vermieten hätten? Sie entscheiden sich gegen die syrische Familie und lieber für das deutsche Rentnerpaar, weil sie da irgendwie ein besseres Gefühl haben. Fühlen sie sich dann als Rassist?

Wenn ihr Kind in eine Schule eingeschult wird mit einem Ausländeranteil von 80 Prozent, und davon die Hälfte die deutsche Sprache nur sehr schlecht beherrscht: Befürchten sie, dass ihr Kind dann nicht die Schulbildung bekommt, die es benötigt? Das ist kein Rassismus und sollte auch nicht mit einem hohen Ausländeranteil zu tun haben, sondern ist das Ergebnis einer völlig verfehlten Schulpolitik.

Um unsere Toleranz und Weltoffenheit zu demonstrieren, feiern wir einmal im Jahr ein multikulturelles Stadtfest. Ist es aber in Wahrheit nicht nur Folklore und jeder geht danach wieder seiner Wege? Darf ich mich als weltoffenes, buntes Mitglied dieser Gesellschaft darüber ärgern und auch äußern, das durch gewalttätige, mehrheitlich ausländische Fußballspieler dieser wunderbarer integrative Sport kaputtgemacht wird?

Döner essen hat mit Integration nichts zu tun

Es ist aber auch so, dass viele gerade junge türkischstämmige Deutsche sich nicht richtig in unserer Gesellschaft aufgenommen fühlen. Das ihnen immer noch viele Türen versperrt bleiben aufgrund ihrer kulturellen Herkunft. Es ist dann doch eher ein nebeneinander her leben als ein miteinander. Ab und zu zum Döner-Imbiss zu gehen und sich die Haare beim irakischen Friseur schneiden lassen, hat mit Integration nichts zu tun.

Erfolgreiche Integration braucht Bildung und eine klare politische Strategie. Und es braucht eine offene Diskussion über unbequeme Wahrheiten auf beiden Seiten.

Bunte Gesellschaft: Eine Entscheidung gegen Ausländer ist kein Rassismus

Heinz Werner Kleine. © Quiring-Lategahn

Gastautor Heinz Werner Kleine ist Chemielaborant und Kunstsammler
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