Nach Corona-Pause: Unterricht zwischen Flatterband und Einbahnstraße

hzSchulen in Lünen

Der „erste Schultag“ nach der Corona-Zwangspause verlief in Lünen reibungslos. Die Schüler hielten sich an Einbahnstraßen und getrennte Räume, die Lehrer vermissten Seifenspender.

Lünen

, 23.04.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

So nah und doch so fern: Wie ein Mahnmal der Sehnsucht ragt der Basketballkorb am Ende des Schulhofs der Heinrich-Bußmann-Schule auf. Gleich mehrere Bahnen rot-weißes Flatterband versperren den Weg - und machen demjenigen, der vom Haupteingang auf den Schulhof blickt, unmissverständlich klar: So schnell wird hier kein Basketball gespielt.

Flatterband teilt den Schulhof der Heinrich-Bußmann-Schule in verschiedene Bereiche.

Flatterband teilt den Schulhof der Heinrich-Bußmann-Schule in verschiedene Bereiche. © Claeßen

Die Flatterbänder teilen den Schulhof in mehrere Bereiche auf - für die Schüler der beiden 10a-Klassen und die der 10b. Knapp 60 Mädchen und Jungen haben am Donnerstag (23.4.) wieder mit dem Unterricht angefangen. Unter verschärften Regeln: Mindestens 1,50 Meter Abstand und regelmäßiges Händewaschen.

Eintritt nur nach Hände-Desinfektion: Der "erste Schultag" für die Zehner an der Bußmann-Hauptschule.

Eintritt nur nach Hände-Desinfektion: Der "erste Schultag" für die Zehner an der Bußmann-Hauptschule. © Froch

T-Shirts zu Schutzmasken

Der Spender für Desinfektionsmittel am Eingang funktioniert automatisch, die vielen Spritzer auf dem Tisch zeugen von reger Aktivität: „Die Schüler akzeptieren die Regeln und verhalten sich entsprechend“, sagt ein zufriedener Konrektor Thorsten Fringes. Mundschutz ist keine Pflicht, doch wer einen braucht, kann einen bekommen: Gleich fünf Kolleginnen und Kollegen sind damit beschäftigt, Stoffmasken zu nähen. Dabei nutzen sie alles, was der Fundus hergibt: T-Shirts, Tücher, Hosen.

Eine Glasscheibe schützt das Sekretariat der Hauptschule.

Eine Glasscheibe schützt das Sekretariat der Hauptschule. © Claeßen

Im Sekretariat schützt eine Glasscheibe das Personal, im Unterricht sitzen die Schüler auf Abstand. Thorsten Fringes kontrolliert die Toiletten - überall genügend Papierhandtücher und Seifenspender. Das ist nicht selbstverständlich - bereits vor dem Schulstart hatte Christian Gröne, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, bemängelt, dass es vor allem zu wenig Seifenspender gegeben hätte. Deshalb mussten er und seine Kollegen Seife im Drogeriemarkt kaufen. Kein Einzelfall: Auch im Büro von Heinrich Kröger stehen Seifenspender aus dem hiesigen Einzelhandel. „Wir waren auch einkaufen“, sagt der Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums.

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200 Seifenspender am Montag

Hat sich die Schulverwaltung hier also verschätzt? „Nein“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt: „In den Klassenräumen hat es dort, wo Waschbecken sind, lange Zeit auch Seife und Papierhandtücher gegeben. In Absprache mit den Schulleitungen gibt es das seit einiger Zeit nicht mehr, weil die Sachen zu oft zweckentfremdet wurden.“

Klare Regeln: Gleich mehrere Schilder weisen am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium auf das korrekte Verhalten hin.

Klare Regeln: Gleich mehrere Schilder weisen am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium auf das korrekte Verhalten hin. © Claeßen

Nachdem die Schulen nun wieder offen sind, sollten aufgrund der besonderen Situation auch wieder Handtücher und Seifenspender in den Klassenräumen stehen. „Wir haben dann festgestellt, dass das auf die Schnelle gar nicht so einfach ist. Die schnelle Beschaffung großer Mengen von Hygieneartikeln und -zubehör ist für alle Stellen derzeit generell schwierig.“ Für Montag sei eine Lieferung von 240 weiteren Seifenspendern angekündigt.

Schuldezernent Horst Müller-Baß habe erneut den Schulen die Unterstützung der Stadt zugesagt: „Die Umsetzung der Hygienemaßnahmen hat in Abstimmung zwischen dem Schulträger und den Schulen zu erfolgen. Insofern kann ich versichern, dass die Stadt Lünen alle erforderlichen Maßnahmen einleitet und auch noch einleiten wird.“

Einbahnstraßen auf den Fluren

111 Abiturienten sind im aktuellen Jahrgang des Stein-Gymnasiums, laut Heinrich Kröger waren knapp drei Viertel von ihnen am Donnerstag auch in der Schule. Mit zahlreichen Schildern wurden sie in ihre Räume geleitet - die sie mindestens einmal am Tag wechseln: „Unser Plan ist, jeden Raum nur einmal am Tag zu nutzen. Einen Teil vormittags, einen Teil nachmittags“, erläutert Kröger. Dazwischen käme das Reinigungsteam.

Verbotsschilder und Flatterband werden die Schüler wohl noch länger begleiten.

Verbotsschilder und Flatterband werden die Schüler wohl noch länger begleiten. © Claeßen

Einbahnstraßenschilder machen klar, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn man einmal im Gebäude ist - man wird es auch nicht durch die Tür verlassen, durch die man es betreten hat. „Am Ende dient alles der Sicherheit und Gesundheit“, sagt der Schulleiter, der mit dem ersten Schultag zufrieden ist. „Mal sehen, was uns noch erwartet.“

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