Nachwuchsprobleme sorgen für die Auflösung des Traditionsvereins IWS

hzVereinssterben

Knapp 40 Jahre nach ihrer Gründung löste sich die Interessengemeinschaft Wattenscheider Siedlung (IWS) im Juli auf. Grund dafür ist mangelndes Interesse an der Vorstandstätigkeit.

Lünen-Süd

, 20.08.2020, 10:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass eine Spende direkt und in bar übergeben wird, kommt selten vor. Doch Dirk Kreimeyer, Einrichtungsleiter des Altenpflegezentrums Lünen-Süd, bekam die 500 Euro am Dienstag (18. August) direkt auf die Hand. Der Anlass dafür ist allerdings ein eher trauriger. Bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung im Juli beschlossen die Mitglieder der Interessengemeinschaft Wattenscheider Siedlung (IWS) nach knapp 40 Jahres ihres Bestehens den Verein aufzulösen. Das Restvermögen hat der Verein nun gespendet.

„Ein wenig blutet mir schon das Herz“, sagt Manfred Kolodziejski, Mitglied des letzten Vorstandes, „aber ich sah keine Möglichkeit mehr, ohne vernünftigen Vorstand weiter zu machen.“ Er selbst habe die Tätigkeit, auch wenn er seit 1983 Mitglied im Verein war, nicht mehr ausführen wollen. Kolodziejski möchte in Zukunft mit vollem Einsatz als Politiker der SPD tätig werden.

Auch seine beiden Vorstandskollegen Thomas Dippe und Eckhard Zuhlke können die Aufgabe aus Krankheitsgründen nicht mehr ausführen. Und weil sich bei besagter Mitgliederversammlung kein anderer für die Vorstandstätigkeit der IWS hatte finden lassen, blieb nur die Auflösung.

200 Mitglieder zu Spitzenzeiten

Gegründet wurde der Verein am 23. Oktober 1979, um die Anliegen der Mieter in der Siedlung der Wattenscheider Genossenschaft in Lünen-Süd vertreten zu können. Dort wohnten und wohnen teilweise bis heute (ehemalige) Arbeiter des 1985 stillgelegten Bergwerks Gneisenau in Dortmund-Derne. 700 Wohnungen waren an Zechenleute vergeben worden. „Wir hatten damals mit Wasserschäden, fehlenden Garagen oder auch Bergwerksschäden zu kämpfen“, erinnert sich Manfred Kolodziejski.

„Es gab keinen Winterdienst, keine Beleuchtung, keine Parkplätze und die Zusammenarbeit mit dem Vermieter war sehr schlecht.“ Für all das habe sich der Verein eingesetzt. Gestartet war der Verein mit 113 Mitgliedern. Zu Spitzenzeiten waren es etwa 200. Übrig geblieben sind 57, die aber inzwischen alle recht alt seien, so Kolodziejski. Und die Jungen hätten schlicht keine Lust.

„Es hat Spaß gemacht, für die Leute da zu sein“, sagt Thomas Dippe. „Wir haben auch immer Hausbesuche gemacht, um uns die Sorgen der Leute anzuhören.“ Und Eckhard Zuhlke ergänzt: „Ich war immer die Person, die Kontakt mit der Genossenschaft aufgenommen hat. Es war schön, den Leuten zu helfen.“ Inzwischen sei das Verhältnis zum Vermieter sehr gut. „Wir werden inzwischen gut gehört“, sagt Kolodziejski.

Altenzentrums-Leiter Dirk Kreimeyer jedenfalls freut sich über das Geld und kann es gut gebrauchen. Davon sollen zwei 3D-Spiele gekauft werden, um sie in der Beschäftigungstherapie für Demenzkranke einzusetzen.

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