Neuer Lockdown: So reagieren Betroffene in Lünen auf die Einschränkungen

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Nach dem dramatischen Anstieg der Neuinfektionen in Deutschland steht ein neuer Lockdown an. Der hat für die Wirtschaft schwerwiegende Folgen. Die ersten Reaktionen aus Lünen.

Lünen

, 28.10.2020, 18:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir müssen handeln - und zwar jetzt“, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Mittwochabend (28.) in ihrer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage gesagt. Handeln, das bedeutet in diesem Fall: ein neuer Lockdown. Die Gastronomie muss schließen und darf nur noch liefern, in der Öffentlichkeit dürfen sich nur noch maximal zehn Personen treffen, Kosmetikstudios, Massagepraxen u.ä. müssen geschlossen werden, genau so Theater, Opern und Konzerthäuser. Der Einzelhandel bleibt geöffnet, genau so Schulen und Kindergärten. Der Amateursportbetrieb wird eingestellt. Das Ganze gilt bis Ende November. „Harte, belastende Maßnahmen“, nannte das Bundeskanzlerin Merkel.

Kunstcafé setzt auf Lieferservice

Sandra Fasse, Chefin des Kunst Cafés Lünen, blickt trotz der Nachrichten aus Berlin verhalten optimistisch auf die kommenden Wochen. „Wir werden wieder unseren Lieferservice anbieten. Das Torten-Taxi ist im April gut angekommen, jetzt kennen die Leute das auch schon“, sagt sie.

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Mittlerweile hat Sandra Fasse auch ihre Prüfung gemacht, das Kunst Café an der Münsterstraße ist nun ein Konditor-Fachgeschäft. „Ideen hab ich ja. Ich hoffe, dass wir so das Café über Wasser halten.“ Sie werde in Kürze mit Adventstorten an den Start gehen. Auch wenn sie lieber das Café weiter geöffnet halten würde: „Wir bieten keine Alkohol, haben keinen Tresen, das ist ja schon was anderes als Kneipen.“

Spendenkampagne für Greif-Mitarbeiter

Anders als im Kunstcafé gibt‘s im Szenelokal Greif sehr wohl Alkohol. „Der Gastroszene wird der Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Greif-Chef Bob Michaels dazu, es stünden viele Existenzen auf dem Spiel. Um zumindest seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen, setzt Michaels auf Eigeninitiative: „Save the crew“, heißt die Spendenkampagne, die Michaels online unter www.gofundme.com/f/unterstutzt-die-greifcrew ins Leben gerufen hat.

Für Lutz Nennmann, der die Cineworld zusammen mit Meinolf Thies betreibt, ist der neuerliche Lockdown für Kinos keine Überraschung. Auch wenn weder in Kinos noch in Theatern bislang überhaupt Infektionsgeschehen nachgewiesen wurde. „Wir werden uns dem stellen müssen. Das betrifft auch die rund 100 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit in unseren Kinos in Lünen, Solingen und Düren.“ Hier steht wieder Kurzarbeit an, wie beim Lockdown im Frühjahr.

Wenn die Kinoschließungen offiziell sind, werde man den Betrieb herunterfahren und sich darum kümmern, dass die Warenbestände nicht verderben.

Nennmann: „Wenn die Schließung nur bis Ende November dauert, ist das noch machbarer als die zweieinhalb Monate im Frühjahr.“ Er hoffe, dass dann wenigstens das Weihnachtsgeschäft stattfinden könne. Dann käme man noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Cineworld-Betreiber: Keine Infektionen in Kinos nachgewiesen

Eine Klage, wie sie andere Betroffene beispielsweise aus der Gastronomie erwägen, kommt für Nennmann und Thies nicht in Frage. „Durch die Schließung der Kinos werden die Filmstarts im November abgesagt. Deshalb hätten wir dann ja gar keine neue Filmware. Da würde eine Öffnung gar nichts bringen.“ Zumal bereits jetzt schon ein Nach-Ferien-Knick bei den Besucherzahlen zu beobachten sei.

Für Nennmann ist es unstrittig, dass massive Maßnahmen angesichts der dramatisch steigenden Zahlen her müssen. Aber weder in Kinos noch in Theatern sei bislang überhaupt Infektionsgeschehen nachgewiesen worden. „Man treibt die Menschen ins Private und da gibt es leider auch diejenigen, die sich unsolidarisch verhalten und mit schuld an der derzeitigen Lage sind. Wer im Kino sitzt, feiert daheim keine Party.“

Noch keinen Kommentar wollte Mike Wiedemann vom Team des KinoFilmFests abgeben. Das Festival war vom 4. bis 7. November in der Cineworld geplant gewesen. Er kündigt für Donnerstag (29.10.) eine Stellungnahme an.

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