Neues Jahr, neues Glück? Was Lüner Lehrer empfehlen und Lüner Eltern entscheiden

hzZeugnisse für Grundschüler

Kinder sollen häufig aufs Gymnasium gehen. Ein wichtiger Faktor ist die Lehrerempfehlung. Wir haben gefragt, wie Eltern und Schulen in Lünen damit umgehen und wohin es dann tatsächlich geht.

von Kimberly Becker

Lünen

, 07.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Ferien kommen, die Viertklässler gehen. Aber wohin geht es für sie, nachdem Lehrer sie lange eingeschätzt und Gespräche mit den Eltern geführt haben? Sei es Gymnasium oder Hauptschule, die Entscheidung liegt letztendlich bei den Eltern. Das kann für Erziehungsberechtigte, die ihrem Kind auf Biegen und Brechen die bestmögliche Bildung ermöglichen wollen, bedeuten, dass auch mal gegen die Lehrerempfehlung vorgegangen wird. Der Schulleiter der Leoschule in Lünen, Matthias Flechtner, kann jedoch klar sagen: „Fast alle bei uns sind den Empfehlungen gefolgt."

„Fast alle" bedeutet in diesem Fall, dass rund 95 Prozent der diesjährigen Viertklässler der Leoschule zu der weiterführenden Schule gehen werden, die ihnen auch vorgeschlagen wurde. Die Faustformel des Schuldirektors dafür lautet: "Je höher die Empfehlung ist, desto eher wird diese auch angenommen."

Mehr und Mehr Schüler an Gesamtschulen

Unter den Schulen gibt es einen überraschenden Gewinner: die Gesamtschule. „Der Trend zeigt uns, dass mehr und mehr Schüler zu den Gesamtschulen wechseln", sagt Flechtner. Komme es zu einer eingeschränkten Empfehlung fürs Gymnasium, dann würden dennoch zwei Drittel sich für die Gesamtschule entscheiden. Dieser Prozess der Einschätzung von Schülern ist lang und die Faktoren, die bei der Bewertung eine Rolle spielen, vielfältig: Zensuren, das Arbeitsverhalten und insbesondere die Selbstständigkeit. "Mit Kindern experimentiert man nicht", sagt Flechtner.

Kein direkter Zusammenhang zwischen Lehrerempfehlung und Erfolg

Statistiken des Ministeriums für Schule und Bildung in NRW lassen keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der Schulformempfehlung der Lehrer und dem Erfolg der Schüler an der weiterführenden Schule erkennen. Würden Lehrer falsche Empfehlungen ausstellen oder würden Eltern sich gegen die Einschätzung stellen, dann müssten die Schulwechselquoten und Wiederholungen von Klassen zunehmen. Das ist aber nicht der Fall: Lediglich 2,1 Prozent der Gymnasialschüler und nur 1,5 Prozent der Gesamtschüler bleiben sitzen. Auch wechseln Schüler auf Gymnasien nicht häufiger in eine andere Schulform, als solche auf Real- und Gesamtschulen.

Diese Entwicklung kann auch der Direktor des Freiherr-von-Stein Gymnasiums in Lünen, Heinrich Kröger, bestätigen. „Dass Schüler in eine andere Schulform wechseln, passiert hier wie auch an jeder anderen Schule", erklärt Kröger. In kommenden Schuljahr darf er drei neue Fünferklassen mit insgesamt 97 Kindern begrüßen, von denen alle - ob Empfehlung oder nicht - die Erprobungsstufen der fünften und sechsten Klasse durchlaufen müssen. Hier werden Stärken und Schwächen des Kindes erkannt. Auf diese Findungsphase baut dann natürlich der weitere schulische Verlauf auf.

Nachhilfe für Grundschüler ist nicht nur von den Eltern gewollt

Zumal auch nicht nur die Eltern von den Kindern ständige Lernmotivation verlangen. „Die Schüler wollen sich auch von sich aus gerne verbessern", sagt Lucyna Kij, die für die Schülerhilfe des Bereichs Lünen zuständig ist. Es gebe in Lünen die Tendenz, dass mehr Grundschüler zur Nachhilfe gehen. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern dieser zusätzliche Unterricht für Kinder in diesem Alter nicht bloß fordert, statt zu fördern.

„Die Grundschüler hier in der Schülerhilfe sind nicht nur wegen der Eltern hier. Sie möchten hier sein und sich verbessern. Sonst würden sie hier nicht so aktiv mitarbeiten", sagt Kij. Und dass Schüler bereits so früh mit der Nachhilfe beginnen, sieht sie nicht als problematisch. „Die Gruppen sind sehr klein, und die Lehrer sind entweder pensionierte oder angehende Lehrer. Eine Einheit geht auch nur maximal 90 Minuten.“

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