Der Wartebereich vor dem Eingang zum Bürgerbüro im Rathaus. © Peter Fiedler (A)
Meinung

Nicht nur die Schulen müssen in Lünen digitaler werden

Auch wenn der Fall an sich speziell ist - die Odyssee eines 42-Jährigen, der einen Wohnsitz in Lünen anmelden wollte, legt Defizite in der digitalen Struktur der Stadtverwaltung offen.

Die Idee einer digitalen Verwaltung ist älter als die Corona-Pandemie, deutlich älter sogar. Wirklich dringend war die Sache jedoch nicht. „Geht ja auch so“, mag man sich im Lüner Rathaus und im Rat gedacht haben, wobei letzteres Gremium die Verwaltung zumindest ab und an daran erinnert hat, dass man doch stärker auf Online-Dienste setzen wollte.

Allerdings haben das Virus und die damit verbundenen Einschränkungen alle Beteiligten auf dem falschen Fuß erwischt. Jetzt offenbaren sich nicht nur in Lünen die digitalen Defizite. Eine Freundin, die nach mehreren Jahren in Norwegen nun zurückgekehrt ist, wunderte sich neulich: Für Angelegenheiten, die in Tromsö mit einigen Mausklicks erledigt waren, braucht sie hier drei Termine und fünf unterschriebene Formulare.

Das ist ärgerlich, denn so entsteht in einer ohnehin schon angespannten Lage zusätzlicher Frust, der eigentlich gar nicht nötig wäre – wenn man es in der Vergangenheit mit der Digitalisierung ernst genommen hätte. Jetzt sind natürlich erst einmal die Schulen an der Reihe, danach muss das Rathaus folgen.

Schon klar: Das Problem lässt sich nicht alleine in Lünen lösen. Es gibt gesetzliche Vorgaben, die ein persönliches Erscheinen zwingend erforderlich machen. Für alles andere muss jedoch schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden, um weiteren, unnötigen Frust zu vermeiden.

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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