Parken auf Radwegen sorgt für Ärger in der Cappenberger Straße

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In der Cappenberger Straße sorgen parkende Autos regelmäßig für Frustration bei den Radfahrern. Ein Bürger kritisiert die fehlenden Kontrollen. Die Stadt hingegen rät zur Eigeninitiative.

Lünen

, 15.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Cappenberger Straße ist für die meisten Verkehrsteilnehmer der schnellste Weg in den Norden der Stadt. Radfahrer müssen jedoch häufig vom Radweg auf die Straße wechseln. Der Grund: Falschparker.

Vor allem Lieferanten parken auf dem Radweg

Regelmäßig halten Autofahrer auf dem Radweg, um kurze Erledigungen zu machen, berichtet Franz Mehnert, der dort fast täglich unterwegs ist. Einen Fahrer der dort ansässigen Apotheke sprach Franz Mehnert bereits auf sein Fehlverhalten an. Mit Erfolg: „Er sah das Problem und bleibt seitdem auf der Straße stehen.“

Vor allem junge Mütter, die dann samt Kinderanhänger auf die Straße ausweichen müssten, sieht Mehnert gefährdet.

Bei den Paketlieferanten zeige sich ein unterschiedliches Bild. Während die einen Fahrer laut Franz Mehnert den Radweg grundsätzlich frei halten, parken Lieferanten eines anderen Unternehmens ständig auf dem Radweg. Das führte schon so weit, dass der hohe Lieferwagen mit einer Werbetafel neben dem Radweg kollidierte – inklusive anschließendem Polizeieinsatz auf dem Radweg.

Nachdem das Lieferfahrzeug mit einer Werbetafel kollidierte, musste die Polizei anrücken.

Nachdem das Lieferfahrzeug mit einer Werbetafel kollidierte, musste die Polizei anrücken. © Mehnert

Der Vorwurf: zu wenig Kontrollen

Den Autofahrern wirft Franz Mehnert vor: „Es fehlt am Bewusstsein für andere Verkehrsteilnehmer. Wenn ich im Auto sitze merke ich selbst, dass ich als Autofahrer denke“, so Mehnert. Und für sie. Deshalb blockieren manche Autofahrer lieber den Radweg, als die Straße.

„Ich möchte keinen bösen Willen unterstellen, es ist eine Art von Gedankenlosigkeit“, findet Mehnert.

Er kritisiert zudem, dass es im Innenstadtkern zwar einige Kontrollen von Falschparkern gebe, außerhalb dagegen viel zu wenige.

Die Polizei selbst teilt mit, dass die Beamten durchaus auch auf solche Vergehen achten und bei Falschparkern auf Radwegen situationsabhängige Maßnahmen ergreifen. Im Falle einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern werde das entsprechende Fahrzeug abgeschleppt.

Franz Mehnert kritisiert das Verhalten mancher Autofahrer: „Es fehlt am Bewusstsein für andere Verkehrsteilnehmer.“

Franz Mehnert kritisiert das Verhalten mancher Autofahrer: „Es fehlt am Bewusstsein für andere Verkehrsteilnehmer.“ © Dennis Görlich

Stadt kann nicht schnell genug reagieren

Bei der Stadtverwaltung habe man auch ein Auge auf Radweg-Parker: „Natürlich achten wir im Rahmen der Bezirksdienste auf Falschparker auf dem Radweg und greifen festgestellte Verstöße auf“, teilt Stadtsprecher Benedikt Spangardt mit.

Auch, wenn die Mitarbeiter zeitnah handeln, könne man aber nicht so schnell reagieren, wie die Polizei.

„Gerade Verstöße, bei denen auf dem Radweg geparkt wird, dauern oft nur kurze Zeit, weil die Verkehrssünder ja 'nur eben mal etwas zu erledigen' haben.“ Bis ein Mitarbeiter vor Ort sei, hätte sich der Verstoß in der Regel schon wieder erledigt.

Die Stadt weist jedoch darauf hin, dass jeder Bürger die Möglichkeit hat, in solch einem Fall eine Privatanzeige zu stellen. Daraufhin würde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren nach dem üblichem Muster eingeleitet.

In diesem Jahr ahndete die Stadt Lünen im gesamten Stadtgebiet bisher 40 Parkvergehen im Zusammenhang mit Radwegen, sieben davon mit einer Behinderung. Kostenpunkt: 30 Euro.

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Konflikte mit den Falschparkern

Das scheint viele nicht abzuschrecken. „Es werden vermehrt Radwege zugestellt“, beobachtet Theo Freihold vom ADFC Lünen. Er ist regelmäßig als Radfahrer auf der Cappenberger Straße unterwegs und kennt das Problem.

Dabei kann selbst ein Hinweis an die falsch parkenden Autofahrer schnell eskalieren: „Wenn man das selbst anspricht, muss man damit rechnen, in einen Konflikt zu geraten.“

Freihold appelliert an eine gegenseitige Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer, ist aber auch überzeugt: „Wir müssen den Platz anders verteilen. Das geht dann natürlich zu Lasten des Autos.“

So ähnlich denkt auch Franz Mehnert. Allein wegen der Luftbelastung müsse man sich von dem Konzept der Autostädte verabschieden. Das funktioniert aber „nicht von oben herab, sondern mit guten Argumenten“, ist sich Mehnert sicher. Und was ist ein besseres Argument, als mehr Sicherheit und Zufriedenheit für alle Verkehrsteilnehmer?

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