Patient nach Tod des Hausarztes verunsichert: „Ich hänge in der Luft“

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Der Tod seines Hausarztes Ralf Kapaun ist für Klaus Heisler (76) ein Problem: „Ich hänge in der Luft.“ Die Vertretungsärzte in Lünen behandeln Notfälle, nehmen aber keine neuen Patienten auf.

Lünen-Süd

, 28.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

So lange Ralf Kapaun als internistischer Hausarzt an der Alsenstraße 3 praktizierte, war Klaus Heisler sein Patient. Erst im Nachhinein habe er erfahren, dass der Mediziner kürzlich ganz plötzlich mit 50 Jahren verstorben ist. Wer in der Praxis anruft, wird per Ansage darüber informiert, dass „aufgrund eines plötzlichen, familiären Todesfalls die Praxis vorübergehend geschlossen ist“. Weiter heißt es, die Vertretung übernehmen die Ärzte Dr. Stephan Bartsch an der Adolf-Damaschke-Straße 2 und Dlair Ahmad, Jägerstraße 23.

In der Praxis von Andrea und Dr. Stephan Bartsch habe Klaus Heisler erfahren, dass keine neuen Patienten mehr aufgenommen würden. Er möge warten, bis es einen Nachfolger gebe. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt Heisler. Zumal auch eine Routineuntersuchung angestanden hätte.

„Patienten bekommen alles, was sie brauchen“

„Wir vertreten bis auf Weiteres und die Patienten bekommen alles, was sie brauchen“, erläutert Dr. Stephan Bartsch. Man habe schließlich die Hoffnung, dass bald ein Vertreter oder Nachfolger für die Kapaun-Praxis gefunden werde. „Wir nutzen ja nicht die Vakanz, um diese Praxis leerzufegen.“ Aus seiner Sicht gebe es momentan keinen Grund für Patienten, einen neuen Hausarzt anzufordern, da die Praxis ja wieder besetzt werden soll. „Wir machen Hausbesuche, verschreiben Rezepte und geben uns Mühe, die Situation aufzufangen.“Auch Dlair Ahamd sagt: „Jeder Patient bekommt Hilfe, keiner muss sich Sorgen machen.“ Bis zum Ende des Quartals sei die Vertretung abgesprochen, danach hoffe man auf eine Nachfolgeregelung. „Aber Patienten wollen immer wissen, was danach ist“, hört Ahmad. Gerade die ältere Generation mache sich Gedanken.

Dr. Michael Funke, Sprecher des Lüner Ärztevereins, weiß von dem Wunsch der Familie Kapaun, einen Nachfolger zu finden: „Die Versorgung ist geregelt.“

Kassenärztliche Vereinigung: Niederlassung ist möglich

Zu angesprochenen Situation liegen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe laut Jana Elbert aus der Pressestelle „keine weiteren Informationen zu“. Generell sei es im Falle des Todes eines Arztes zunächst Aufgabe der Erben oder Angehörigen, sich um den Verbleib der Praxis und der Zulassung zu kümmern. Dazu gehöre auch die Suche nach einem Vertretungsarzt für den Übergang sowie die Regelung der Nachfolge.

Der Versorgungsgrad mit Hausärzten im so genannten Mittelbereich, der die Städte Lünen und Selm umfasst, liegt nach Auskunft von Jana Elbert bei 104,3 Prozent. Danach seien noch Niederlassungsmöglichkeiten vorhanden. Eine Sperrung aufgrund einer Überversorgung trete erst bei 110 Prozent in Kraft.

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