Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: „Detail-Entscheidungen sind wichtig“

hzExpertentipps

Eine Erkrankung, ein Unfall: Plötzlich ist ein Mensch nicht mehr in der Lage, eigene Entscheidungen zu treffen. Tipps zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht geben hier drei Lüner Experten.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 12.09.2020, 09:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sich klar machen, „was wäre wenn“. Es ist „ein Appell an die Bürger“, wichtige Belange vorausschauend zu regeln, der Betreuungsrichterin Anke Gövert, Dr. Michael Funke, Hausarzt und Vorsitzender des Ärztevereins Lünen, und Amtsgerichtsdirektor Dr. Niklas Nowatius eint und dazu veranlasst, sich mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit zu wenden.

Denn, wenn ein Patient Entscheidungen nicht mehr treffen kann, stellt sich die Frage, ob Vorkehrungen getroffen wurden. Sollte das nicht der Fall sein, muss unter Umständen das Betreuungsgericht aktiv werden. Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung entlasten nicht nur die Krankenhäuser, sondern auch Angehörige. „Es ist leichter und besser, wenn der Wille festgehalten wird“, formuliert es Dr. Niklas Nowatius.

Das sieht Anke Gövert, seit acht Jahren eine von drei Betreuungsrichterinnen am Amtsgericht Lünen, nicht anders: „Ich bin der Meinung, dass sich jeder volljährige Mensch grundsätzlich überlegen sollte, welche Vertrauensperson für den Fall einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls Entscheidungen über die medizinische Behandlung treffen soll, wenn derjenige selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.“

Dazu verweist die Juristin auf die Vorsorgevollmacht. Das Formular kann zum Beispiel auf der Internet-Seite des Amtsgerichts heruntergeladen werden und es sieht grundsätzlich für alle Bereiche rechtlichen Handelns die Möglichkeit einer Bevollmächtigung vor, insbesondere: Aufenthaltsbestimmungs-, Gesundheits- und Behördenangelegenheiten sowie finanzielle Angelegenheiten.

Vollumfänglich oder auf Teile beschränkt

Es sei möglich, eine umfängliche Vollmacht zu erteilen oder diese auf einen Teil zu beschränken, erklärt Anke Gövert. „Der Bereich der Gesundheit sollte auf jeden Fall geregelt sein. Bezüglich weiterer rechtlicher Bereiche muss jeder für sich selbst entscheiden, inwiefern eine Vollmachtserteilung sinnvoll ist und sollte sich auch beraten lassen – beispielsweise bei der Betreuungsstelle der Stadt Lünen und des Kreises Unna.“ Dort gebe es auch die entsprechenden Formulare.

Bevollmächtigt werden könnten Angehörige oder Freunde – vorausgesetzt, die auserwählten Personen seien volljährig und natürlich auch geschäftsfähig. Der Patient und sinnvoller Weise darüber hinaus auch der Bevollmächtigte unterschreibe die Vollmacht, die sich dann im Besitz des Bevollmächtigten befinde. In Fällen, in denen die Geschäftsfähigkeit eines Patienten aufgrund einer schweren Erkrankung, zum Beispiel einer beginnenden Demenzerkrankung, angezweifelt werden könne, sei es sinnvoll, dass der Hausarzt die Wirksamkeit der Vollmacht durch seine Unterschrift bestätige, erklärt Richterin Anke Gövert.

Patientenverfügung als Ergänzung

Eine sinnvolle und ratsame Ergänzung zu einer Vorsorgevollmacht, da sind sich die drei Experten einig, ist eine Patientenverfügung. Diese muss stets auffindbar sein oder kann auch dem Bevollmächtigten übergeben werden. „Wenn ich nicht mehr selbst entscheiden kann, verwirrt oder bewusstlos bin, sollte ich natürlich festgelegt haben, was dann in meinem Sinne passieren soll“, betont Dr. Michael Funke in dem Kontext.

Hier geht es unter anderem darum, ob der Patient lebensverlängernde Maßnahmen wünscht, welcher Behandlung zugestimmt wird oder was passiert, wenn er sich zum Beispiel im Endstadium einer schweren Erkrankung befindet, wenn ein Hirnschaden oder Demenz im Endstadium vorliegen. Es geht aber auch um die Länge einer Beatmung, um die Frage einer künstlichen Ernährung und darum, wann welche Medikamente nicht mehr gewünscht werden, ob ab einem bestimmten Moment ein Hospiz und eine Palliativbehandlung in Frage kommen oder auch die Wahl des Ortes, an dem ein Mensch letztlich sterben möchte.

„Detailentscheidungen sind wichtig“

Regelmäßig kommen Patienten mit der Verfügung zu Dr. Michael Funke, weil beispielsweise ein Nachbar zuhause liegt, beatmet wird, durchgelegen ist und keine eigenen Entscheidungen mehr treffen kann. Der Mediziner, seit 30 Jahren niedergelassener Hausarzt in Lünen und seit zwölf Jahren Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, kennt die Sorgen seiner Patienten. Er hilft gerne und versteht: „Die Detailentscheidungen sind wirklich schwierig.“ Er rät den Patienten, sich im Internet mehrere Formulare anzusehen. „Machen Sie sich klar, was wäre wenn.“ Denn mit dieser Verfügung erleichtere der Patient einem Angehörigen vielleicht eine ohnehin sehr schwere Entscheidung.

In dem Kontext verweist Dr. Michael Funke allerdings auch ganz deutlich darauf, dass ein Bevollmächtigter gewisse Voraussetzungen mitbringen muss: „Der muss fest im Leben stehen. Der muss psychisch fest sein. Der muss die Entscheidung des Patienten mittragen – unter Umständen in der Konsequenz, dass jemand stirbt.“

Jetzt lesen

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt