Pflanzen gießen im Hochsommer: Tipps vom Lüner Gärtner

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Die Hitze macht nicht nur den Menschen zu schaffen: Pflanzen brauchen viel Wasser und können bei falscher Pflege sogar verbrennen. Wie Sie das vermeiden, erklärt Gärtner Norbert Baasner.

Lünen

, 16.08.2020, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Hochsommer haben die Bäume und Sträucher mächtig Durst. Ein zwei Meter hohes Gewächs braucht 20 bis 30 Liter Wasser am Tag. Doch trotz reichlichen Gießens können die Pflanzen eingehen. „Bäume können regelrecht absaufen, wenn man sie nicht richtig bewässert. Oder sie vertrocknen, weil der Boden nicht genug Wasser aufnimmt“, erklärt der Garten-Landschaftsbauer Norbert Baasner. Damit das nicht passiert, gibt es einiges zu beachten.

  • Pflanzen sollten nicht tagsüber gegossen werden. „Das Wasser wirkt wie eine Lupe. Die Blätter verbrennen an der Pflanze“, warnt Baasner.
  • Ist der Erdboden zu hart, nimmt er wenig Wasser auf. Nur die oberste Erdschicht ist feucht - darin können die Wurzeln verfaulen.
  • „Eindringlich gießen!“, rät der Fachmann. Das bedeutet: Nicht einmal den Wasserstrahl auf die Pflanze halten, sondern sie aus allen Richtungen in zwei bis drei Durchgängen berieseln. Ansonsten hat der Boden und damit die Pflanze nicht genug Zeit, um das Wasser aufzunehmen. „Als es neulich gewittert hat und es aus Eimern schüttete, habe ich danach geschaut, wie viel Wasser tatsächlich bei den Pflanzen angekommen ist. Nur die obersten drei Zentimeter waren nass, der Rest des Erdbodens noch trocken“, verdeutlicht er das Problem.
  • Aus diesem Grund sollte man Sprinkler eine gewisse Zeit laufen lassen - bestenfalls drei bis vier Stunden und das ebenfalls nicht während der Sonnenstunden.
  • Abgesehen von Sommerblumen sollte im Sommer nicht gepflanzt werden.
  • Junge Bäume sind besonders durstig: 50 bis 80 Liter können sie am Tag verbrauchen.
  • Auch Zimmerpflanzen macht das Wetter zu schaffen: Sie brauchen mehr Wasser und sollten je nach Art schattig stehen. Auf der Fensterbank fühlen sich die wenigsten Blumen in der prallen Sonne wohl, denn das Glas verstärkt die Strahlung.

Pflanzen, die mit Trockenheit umgehen können

Es gibt Pflanzen, die gut mit Trockenheit zurechtkommen - beispielsweise Lavendel, Heidepflanzen und mediterrane Kräuter. Aktuell werden Bäume gezüchtet, die aufgrund ihrer Blattstruktur weniger Wasser verdunsten und daher besser mit trockenen Sommern zurecht kommen - solche Sorten werden auch bevorzugt von der Stadt gepflanzt. Denn: Die langen Trockenphasen schwächen viele Bäume, darunter die Buchen, und machen sie damit anfälliger für Krankheiten und den Befall durch Schädlinge.

Doch was ist zu tun, wenn man einmal vergessen hat, seine Pflanzen zu wässern? „Wenn man nicht das Gefühl hat, Tabak in den Händen zu haben, wenn man die Blätter anfasst, dann ist oft noch etwas zu retten“, sagt der Fachmann. Ob es den Pflanzen gut geht, erkenne man an den Blättern - wenn die prall sind und sich nicht zusammenrollen, haben die Pflanzen genug Wasser.

Gießringe für die Stadtbäume

Aufpassen müsse man besonders bei Fichten und Korniferen, denn die zeigen häufig erst Monate später mit vertrockneten Nadeln, dass sie zwischenzeitlich zu wenig Wasser bekommen haben. Die Stadt Lünen setzt aufgrund der immer häufiger werdenden Trockenperioden bei ihren Bäumen auf sogenannte Gießringe. Sie werden seit 2019 bei jedem der jährlich über 200 neu gepflanzten Bäume im Stadtgebiet mit eingebaut.

„Gießringe haben den Vorteil, dass das Wasser, das der Baum benötigt, dadurch schnell und effizient in den Wurzelraum geleitet werden kann“, erklärt Thomas Herkert, Leiter der Abteilung Stadtgrün. Ein Gießring kann insgesamt bis zu 60 Liter Wasser auf einmal aufnehmen. Einmal eingebaut, halten die Ringe bis zu vier Jahre.

Die Stadt setzt nun auf Gießringe für junge Bäume. So muss nicht mehrmals täglich nachgegossen werden.

Die Stadt setzt nun auf Gießringe für junge Bäume. So muss nicht mehrmals täglich nachgegossen werden. © Stadt Lünen

Gießringe sind nicht die einzige Möglichkeit, um Bäume zu bewässern: Andere Kommunen setzen häufig auf Gießsäcke, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Warum wird das nicht auch in Lünen gemacht? Thomas Herkert erklärt: „Neben massiven Vandalismusschäden – ein Taschenmesser reicht – sind Gießsäcke nicht so unkompliziert zu befüllen wie Gießringe.“ Auch für Privatpersonen sind Gießringe eine Option, wenn die Zeit zum täglichen gießen fehlt. Erhältlich sind sie im Fachhandel und im Internet.

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