Sabrina Linde, Fachwirtin im Sozial- u. Gesundheitswesen, kümmert sich bei der AWO um Kuren für pflegende Angehörige. Sie berät Ratsuchende und hilft auch bei der Antragstellung. © AWO
Fachkundige Beratung

Pflegende Angehörige können bei speziellen Kuren endlich mal abschalten

Es kostet viel Kraft, einen Angehörigen zuhause zu pflegen. Deshalb gibt es Kuren mit speziellen Angeboten - und eine fachkundige Beratung. Damit mehr Menschen das Angebot nutzen.

Ein bisschen Sport, viel Entspannung , aber auch Kurse, in denen man lernt, Pflege zu optimieren – darum geht es bei Kuren für pflegende Angehörige. Vor allem aber darum, dass die Teilnehmer sich erholen und neue Kräfte sammeln.

Die meisten Pflegebedürftigen werden zuhause von Angehörigen betreut – mit mehr oder weniger Unterstützung durch ambulante Pflegedienste. Die Dauerbelastung – 24 Stunden, sieben Tage die Woche – bleibt oft nicht ohne Folgen. Pflegende Angehörige brauchen Entlastungs-Angebote und sollten solche auch annehmen. Damit sie nicht selbst krank werden.

Seit einiger Zeit gibt es spezielle Kuren für pflegende Angehörige. Infos darüber und Hilfe bei der Antragstellung bietet Sabrina Linde. Die Fachwirtin im Sozial- u. Gesundheitswesen ist Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Ruhr-Lippe-Ems und damit auch für Ratsuchende aus Lünen, Selm und Werne zuständig.

Die AWO Ruhr-Lippe-Ems nimmt an einem Modellprojekt teil, bei dem es um die Kur-Beratung für pflegende Angehörige geht. Nach einer Qualifikation nahm Sabrina Linde in Düsseldorf ihr Zertifikat entgegen – überreicht von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

In Düsseldorf nahm Sabrina Linde ihr Zertifikat für die Qualifikation als Kurberaterin von Minister Laumann entgegen.
In Düsseldorf nahm Sabrina Linde ihr Zertifikat für die Qualifikation als Kurberaterin von Minister Laumann entgegen. © AWO © AWO

„Leider wissen immer noch zu wenige pflegende Angehörige, dass sie eine Kur beantragen können“, so Sabrina Linde. Egal, ob ältere Menschen oder jüngere gepflegt werden – die pflegenden Angehörigen brauchen ab und zu eine Auszeit.

Mit oder ohne Angehörigen zur Kur

Immer mehr Häuser spezialisieren sich auf Kuren für pflegende Angehörige. „Bei manchen Kuren fahren die Pflegenden allein, bei anderen können die zu Pflegenden mitkommen.“ In diesem Fall gibt es ebenfalls zwei Möglichkeiten – einmal sind zu Pflegender und Angehöriger gemeinsam untergebracht, dann besucht der zu Pflegende eine Tagespflege, während der Angehörige seine Anwendungen wahrnimmt. Oder beide sind getrennt voneinander untergebracht, der Angehörige kann den Pflegebedürftigen aber besuchen.

Die AWO hat selbst ein Haus in Winterberg, in das der Angehörige den Pflegenden während der Kur begleiten kann. „Das ist oft gerade älteren Leuten wichtig, die sich nicht von ihrem Partner für die Dauer der Kur trennen wollen oder Angst haben, dass ihm etwas passiert, wenn sie nicht da sind.“

Sabrina Linde bespricht mit den Angehörigen, welche Möglichkeit für sie die beste ist, gibt Unterlagen über die in Frage kommenden Kur-Quartiere mit und stellt auch die nötigen Anträge.

Sabrina Linde: „Mittlerweile sind die Krankenkassen gut gebrieft, das wird immer besser.“ Der Antrag auf Kur geht an die Krankenkasse des pflegenden Angehörigen, nicht an die Pflegekasse des zu Pflegenden.

Wichtige Voraussetzung, um einen Antrag auf eine Kur stellen zu können, ist, dass der Antragsteller als Pflegeperson eingetragen ist. Sabrina Linde: „Das wird leider oft versäumt. Da pflegen Kinder oder Ehepartner schon seit Jahren ihre Eltern oder den Partner, sind aber nicht als Pflegeperson eingetragen.“ Wichtig ist auch, dass der zu Pflegende einen Pflegegrad hat – und das länger als sechs Monate.

Kontakt zu Gleichgesinnten

Ein weiterer positiver Aspekt der Kuren ist es auch, dass pflegende Angehörige Kontakt zu Gleichgesinnten knüpfen können und so auch merken, dass sie in ihrer Lage und mit ihren Sorgen und Problemen nicht allein sind.

Sabrina Linde: „Wir schauen auch, dass wir ein möglichst passendes Haus für die Kur auswählen. Ich würde jüngere pflegende Angehörige nicht in ein Haus schicken, in der vor allem wesentlich ältere Menschen ihre Kur verbringen. Das muss schon passen.“

Sie bekommt auch Rückmeldungen nach den Kur-Aufenthalten. Die meisten Ratsuchenden melden sich per Mail oder telefonisch. Während der Lockdowns telefonierte die Beraterin vor allem mit den Pflegenden: „Sie sollen das Gefühl haben, gut aufgehoben zu sein und beraten zu werden.“

Kontakt zur Kurberatung der AWO mit Sabrina Linde, Unnaer Str. 29a, in Kamen bekommt man telefonisch, Tel. (02307) 91 221 28, per Mail: kur@awo-rle.de und Infos auf der Homepage www.awo-rle.de/Mutter-Vater-Kind-Kur

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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