Kantorin Jutta Timpe an der Orgel der Stadtkirche St. Georg. Die Kirchenmusikerin bekam eine besondere Auszeichnung als Mutmacherin während des ersten Lockdowns. © Timpe
Bürgerstiftung

Preis für Zivilcourage: Lüner Kantorin spielt gegen den Coronablues

Vieles ist in Corona-Zeiten nicht möglich. Dass aber Musik Menschen durch diese Zeit begleiten kann, beweist Kantorin Jutta Timpe. Dafür bekam die Lünerin jetzt einen besonderen Preis.

Ihre erste Reaktion war – „das haben andere Menschen doch viel mehr verdient als ich.“ Diese Reaktion passt zu Jutta Timpe, die mit ihrer Musik und ihrer Begeisterung dafür gerade in Corona-Zeiten vielen Menschen einen Hoffnungsschimmer schenkt.

Per Mail benachrichtigt

Jutta Timpe ist einer der Preisträger beim zum Jahresende ausgeschriebenen Zivilcourage-Preis für Heldinnen und Helden der Corona-Krise 2020, den die Bürgerstiftung Emscher-Lippe-Land ausgelobt hat. Per Mail erfuhr die Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Lünen davon. „Erst habe ich mich gewundert, denn ganz viele Leute hätten diesen Preis eher verdient – Pfleger, Ärzte oder Lehrer beispielsweise.“

Als die Kirchenmusikerin dann aber weiter nachdachte, freute sie sich, dass durch den Preis an sie der Fokus auch auf künstlerischen Input in Corona-Zeiten gerichtet wird. Denn prämiert wurde, so die Bürgerstiftung, dass Jutta Timpe „als Organistin in der Kirchengemeinde St. Georg in Lünen während der Corona-Pandemie mit selbst erstellten Videos täglich vielen Menschen

Freude bereitet“ habe. Das „Lied des Tages“ – mal kirchlich, mal jahreszeitlich – gespielt am Klavier, mit dem passenden Text per E-Mail sei zum Mutmacher während der schweren Zeit des Lockdowns im Frühjahr 2020 geworden.

„Insgesamt haben uns 19 Bewerbungen erreicht, die alle durch besonderes Engagement geprägt waren. Es hat uns tief beeindruckt, wie viele Menschen sich auf verschiedenste Art und Weise für ihre Mitmenschen einsetzen und füreinander da sind“, so Ludger Suttmeyer, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung.

Schauspieler und Mediziner Joe Bausch, hier bei einer Lesung in Lünen, ist Schirmherr des Preises für Zivilcourage.
Schauspieler und Mediziner Joe Bausch, hier bei einer Lesung in Lünen, ist Schirmherr des Preises für Zivilcourage. © Frank Bock (Archiv) © Frank Bock (Archiv)

Letzlich habe sich die Jury entschieden, alle 19 Bewerbungen auszuzeichnen, denn es sei schwer, zu entscheiden, welches Engagement mehr Anerkennung verdienen soll als andere. Und so bekamen alle 19 Aspiranten einen Präsentkorb, den die Lüner Firma Stolzenhoff gesponsert hat und einen persönlichen Brief des Schirmherrn, des bekannten Schauspielers und Arztes Joe Bausch. Bausch hat Verbindungen zu Lünen, war einst als Akteur des Theater-Patholgischen Instituts auf der Bühne des Hilpert-Theaters und später oft beim Kinofest zu Gast.

Mit Musik, Humor und Kreativität habe sie die Menschen bei Laune halten wollen, als der erste Lockdown im Frühjahr 2020 war, erinnert sich Jutta Timpe. „Ich wollte mit unseren künstlerischen Mitteln für seelische Nahrung sorgen.“ Dank des Preises zeige sich, dass viele Künstler nicht nur musikalisch in diesen Zeiten kreative Ideen umsetzen, um anderen Menschen Freude zu bereiten.

Freischaffende Künstler sehr belastet

„Für mich ist Corona keine existenzielle Bedrohung, aber es gibt viele freischaffende Künstler, denen es an den Kragen geht, für die die Situation sehr belastend ist, dass sie nicht auftreten können“, so die angestellte Kantorin des Kirchenkreises. Digital Musik zu spielen sei besser als nichts, auch wenn Proben nicht möglich sind mit ihren Chören, halte sie Kontakt. „Singen hat auch etwas mit Muskeltraining zu tun, ist auch deshalb gut für die Gesundheit.“

Auch wenn alles langsamer geht, als sich viele wünschen, „die Hoffnung ist da, dass wir es vielleicht nach Ostern mit einzelnen Kleinstformaten versuchen können.“ Sobald es möglich sei, sei sie wieder am Start um mit Kleinstbesetzungen öffentlich Musik zu machen.

Andachten auf der Homepage

Die Orgelspots hat sie in St. Georg aufgenommen. „Ich bin auch dabei, technisch aufzurüsten.“ Ein weiterer positiver Aspekt des Ganzen sei, dass nun auch Leute auf die Kirchenmusik aufmerksam geworden seien, die sonst nicht in die Kirche gehen. „Das Silvesterkonzert haben 600 Menschen auf der Homepage der Gemeinde angeklickt, so viele passen nicht in die Stadtkirche.“ Und auch bei den Andachten, die man auf der Homepage der Gemeinde anklicken kann, ist Jutta Timpe mit Musik weiterhin vertreten.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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