Unsere Kollegen Daniel Claeßen und Martina Niehaus haben unterschiedliche Meinungen, was das Thema Impfen von Kindern angeht. © Montage Dittgen
Meinung

Pro und Contra: Corona-Impfung für Kinder? Auf jeden Fall – oder besser nicht?

Sollen Kinder jetzt gegen Corona geimpft werden? Darüber streiten sich nicht nur befreundete Eltern - auch Elternpaare haben da unterschiedliche Meinungen. Und unsere Kollegen ebenfalls!

Seit dem 7. Juni ist das Impfen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren auch in Deutschland erlaubt. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat das Vakzin Biontech zugelassen. Doch die ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung für diese Altersgruppe nur bei bestimmten Vorerkrankungen.

Viele Eltern sind deshalb verunsichert. Bei den Freunden und Bekannten unserer Redakteure Martina Niehaus und Daniel Claeßen gibt es zurzeit kaum ein anderes Thema. Selbst Elternpaare sind sich oft nicht einig. Und dann ist da auch noch die Frage, ob heranwachsende Kinder beim Thema Impfen nicht auch ein Wörtchen mitzureden haben.

Martina Niehaus: „Impfen? Auf jeden Fall!“

Immer habe ich das Gefühl, mich bei einem klaren „Ja“ rechtfertigen zu müssen. „So ganz ohne Stiko-Empfehlung?“ Das kommt immer als erstes. Liebe Leute: Die EMA hat den Impfstoff zugelassen. Die Stiko-Empfehlung liegt nur deshalb nicht vor, weil Erfahrungswerte fehlen.

„Dann sollten wir warten, bis die Erfahrungswerte da sind.“ Das bedeutet konsequent gedacht nur, dass in der Zwischenzeit ANDERE Kinder geimpft werden sollen. Möglichst viele natürlich, damit wir nur ja genug Erfahrungswerte für UNSERE Kinder bekommen. Schön für uns, möglicherweise Pech für die anderen. Ist das fair?

Gleichzeitig betonen viele, dass eine Covid-Erkrankung bei Kindern keinen schweren Verlauf nimmt. Fehlen uns da nicht die so wichtigen Erfahrungswerte? Möglicherweise gibt es Langzeitfolgen. Es ist erwiesen, dass viele Erwachsene nach einem anfangs leichten Verlauf heute unter dem sogenannten Long-Covid-Syndrom leiden.

Ich mache mir Sorgen, dass meine Kinder zu denjenigen gehören, die unfreiwillig diese „Erfahrungswerte“ sammeln. Zumal sie jeden Tag in Schule und Sportverein mit anderen Kindern zusammenkommen. Das sollen sie ja auch. Ich möchte nämlich, dass meine Jungs sich wieder unbeschwert bewegen können. Dass sie sich mit Freunden treffen, feiern gehen, oder eine Klassenfahrt machen.

Über ein Impfrisiko werde ich mit der Kinderärztin sprechen. Und die Jungs sollen selbst entscheiden dürfen – dabei aber wissen, warum ich für eine Impfung bin. Mein großer Sohn ist 14. Letztens hat er zu mir gesagt: „Ich hab das Gefühl, als ob ich den besten Teil meines Lebens gerade verpasse.“ Eine Impfung könnte ihm einen Teil der Freiheit zurückgeben, die er gerade so vermisst.

Daniel Claeßen: „Impfen? Besser noch warten.“

Impfungen sind sinnvoll, erst recht für Kinder. Viele gefährliche Krankheiten konnten bereits durch passende Impfstoffe bekämpft und teilweise sogar ausgerottet werden. Die Frage ist, wie gefährlich nun Corona für Kinder tatsächlich ist. Vor allem mit den neuen Mutationen sollen sich verstärkt auch Kinder infiziert haben. Allerdings nahmen diese Infektionen höchst selten auch einen schweren Verlauf.

Auf den Intensivstationen finden sich stattdessen nach wie vor die bekannten Risikogruppen (was schlimm genug ist). Kinder kommen – Stand jetzt – mit den Infektionen gut klar. Ihre Eltern sind (hoffentlich bald) alle geimpft. Solange also nicht klar ist, wie sich eine Impfung auf Kinder auswirkt, sollte man besser die Finger davon lassen. Wenn irgendwann genug Daten vorliegen, die eine Impfung von Kindern stützen, ist immer noch genug Zeit, den Piks nachzuholen.

Selbstverständlich dürfen Kindern dadurch keine Nachteile entstehen. Wenn Familien keinen Zutritt zum Beispiel in Zoos oder auf Spielplätzen haben, weil sie nicht geimpft sind, oder teilweise Reisen deswegen nicht antreten dürfen, wäre das fatal – weil es dann plötzlich ein nicht-medizinisches Argument für eine Impfung gäbe, deren Folge völlig unklar ist. Und das wäre in der Tat eine Gefahr für die Kinder.

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