Rabattaktionen in Lünen: Die Schilder sieh man überall, sie werben mit angeboten von bis zu 70 Prozent und locken die Kunden. Aber was steckt eigentlich hinter den „Sales“?

von Nick Gehrmann

Lünen

, 25.07.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer durch die Lüner Innenstadt schlendert, wird im Moment von Rabattschildern erschlagen, sie stehen überall. „Sale“ steht auf ihnen und sie überschlagen sich mit Angeboten. Hier sind es 30 Prozent, dort 50 und zwischendurch auch mal bis zu 70 Prozent. Doch was ist „Sale“ eigentlich, und was für Waren werden im „Sale“ angeboten?

Sale kommt aus dem Englischen, wurde aber schon in den Deutschen Duden aufgenommen. Die dort gegebene Definition lautet „Schlussverkauf zu ermäßigten Preisen. Also doch wieder Sommerschlussverkauf? Nein, sagen Mitarbeiter der Geschäfte. Denn den vom Staat geregelten Sommerschlussverkauf gibt es in Deutschland seit 2010 nicht mehr, doch viele Geschäfte haben Individuell und in unterschiedlichen Zeiträumen verschiedene Angebote.

Belohnungsystem wird aktiviert

Prof. Carmen-Maria Albrecht vom Fachbereich Wirtschaft der FH Münster erklärt, warum es den Sale gibt. „Es gibt Studien aus der Hirnforschung, die zeigen, dass das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert wird, wenn man wahrnimmt etwas günstiger als normal einkaufen zu können. Deshalb gehen wir auf Schnäppchenjagd.“ Aber es gibt noch andere Gründe für die Menge und auch die Höhe der Sales. „Um Platz für Neues zu schaffen, müssen die Lager und die Verkaufsfläche mit den alten Sachen geräumt werden, also insbesondere Hochsommerwaren müssen weg“, sagt Albrecht.

Rabatte Locken Kunden nach Lünen

„Natürlich sind es saisonale Schlussverkäufe. Aber die Menge der Vergünstigungen hängt auch mit Corona zusammen. Die Geschäfte brauchen die Kunden und Rabatte locken diese natürlich nach Lünen“, erklärt Helmut von Bohlen, Inhaber der von Bohlen Immobilien und Vorsitzender des Cityrings Lünen, ein Zusammenschluss von fast 90 Kaufleuten, Handwerkern und unterschiedlichen Dienstleistern. Gerade in der Textilindustrie müssen die Produkte umgesetzt werden, um noch Gewinn zu machen, meint von Bohlen. Das erklärt jedoch nicht die Höhe der Rabattaktionen.

„Viele Lieferketten, zum Beispiel die von Produkten aus China, waren aufgrund er Pandemie unterbrochen. Da versucht man, die spät angekommene Ware noch zu verkaufen“, so von Bohlen. Wer sich genau umguckt, sieht, dass die höchsten Rabatte in den Kleidungsgeschäften zu finden sind. Gerade die Textilindustrie sei von den unterbrochenen Lieferketten betroffen, erklärt von Bohlen, in anderen Branchen sei das anders.

Bäcker seien beispielsweise nicht auf saisonale Rabatte anwiesen. Doch warum sind die Vergünstigungen so extrem? Denn bei über 50 Prozent Rabatten kann ein Geschäft doch kaum hoffen noch Gewinn zu machen, oder? „Die Rabatte liegen bei vielen Geschäften wahrscheinlich an der Schmerzgrenze“, sagt von Bohlen. Auch diese Entwicklung hänge mit der Corona Pandemie zusammen, meint er. Denn die Geschäfte hätten durch den teilweise verhängten Lockdown hohe Umsatzeinbußen, außerdem bleibe da Ware über. Die muss jetzt weg, denn Sommerkleidung wird im Winter nicht gebraucht, erklärt auch von Bohlen. Aber auch in anderen Branchen gibt es Rabatte.

Nicht nur Kleidung ist vergünstigt

Auch in anderen Geschäften gibt es hohe Rabatte, Teilweise bis zu 50 Prozent. In einem Schuhgeschäft gibt es bei unserem Rundgang Rabatte auf leichte Sommerschuhe. Bei einem Optiker gibt es verschiedene Angebote, auch für Sonnenbrillen. Die Waren in den Geschäften sind überwiegend Sommerprodukte, sodass es häufig wie ein Sommerschlussverkauf aussieht.

Es gibt allerdings auch Geschäfte die sogar komplett auf einen Rabattverkauf verzichten. So zum Beispiel beim Optiker Schnurbusch. „Wir hatten dieses Jahr nicht so viele Sonnenbrillen gekauft, also gibt es nichts, was weg muss“, erklärt Thomas Göcke, Geschäftsführer bei Schnurbusch.

Der Sommerschlussverkauf wurde einst abgeschafft, damit Kaufleute im Einzelhandel selbst entscheiden können, wann es was für Angebote gibt. Doch trotzdem hat sich nur wenig verändert, diese nicht vorhandene Entwicklung erklärt der Handelsverband NRW.

Kein Druck für Einzelhandel

„Seit 2010 empfiehlt der Handelsverband Textil jedes Jahr ein Datum, um mit Rabattaktionen zu starten, meistens im späten Juli“, erklärt Carina Peretzke, Pressesprecherin des Handelsverbands NRW. Daran müsse man sich nicht halten, aber die meisten Textil Geschäfte würden das schon tun, meint sie. Dieses Jahr hätten sie darauf verzichtet um den Druck vom Einzelhandel zu nehmen, so Peretzke. Auch sie erklärt, dass die Geschäfte die Lager leeren müssen, da teilweise auch noch Frühjahrsware übrig geblieben sei. Doch ob es in diesem Jahr mehr Rabatte geben wird als in den Jahren zuvor, sei schwierig abzuschätzen, da viele Geschäfte auch trotz des fehlendem Datums erst gegen Ende Julis mit Rabatten anfangen werden, erklärt Peretzke.

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