Radikaler Wandel in der Gesellschaft: „Eigentlich haben wir keine Wahl“

hzMeinung am Mittwoch

Zum Abschluss der Reihe „Meinung am Mittwoch“ schreibt Gastautor Heinz Werner Kleine über Massenkonsum, Ignoranz und die Anfälligkeit unseres Gesellschaftssystems. Doch er hat auch Hoffnung.

Lünen

, 27.05.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Ausbrüche in unseren Fleischfabriken haben dieses verachtenswerte System enttarnt. Tierwohl und Menschenwürde bleiben auf der Strecke. Ein einstmals wertvolles Nahrungsmittel ist zur billigen Massenware verkommen. Unsere Gesellschaft ist Teil eines Systems geworden mit der Devise: „Billig will ich.“

Wir haben kein Problem, 40.000 Euro für einen neuen SUV auszugeben um dann mit dieser Protzkarre unsere Mitmenschen beeindrucken zu wollen. Aber 1 Euro mehr für ein Schnitzel ist nicht drin.

Abhängig vom Profit

Die Corona-Krise hält uns momentan den Spiegel vor. Eine Gesellschaft, die sich in Richtung Massenkonsum und Massentourismus entwickelt hat, die jahrzehntelang die Auswirkungen ihres Handelns auf Mensch, Tier und Umwelt ignoriert hat. Urlaubsregionen, die sich völlig vom Massentourismus abhängig gemacht haben, oder Länder wie Indien oder Pakistan, die ihre Menschen von Bekleidungskonzernen ausbeuten lassen, sind besonders betroffen. Eine der reichsten Gesellschaften auf dieser Erde fehlen plötzlich Medikamente und Schutzausrüstungen für Ärzte und Pfleger... wir haben uns in vielen Bereichen abhängig gemacht, um des Profits Willen.

Dieses kleine, unscheinbare Virus hat uns die Anfälligkeit dieses Gesellschaftssystems vor Augen geführt. Es liegt jetzt an uns und unserer politischen Klasse, daraus unsere Lehren zu ziehen.

Billigflieger wie Ryanair oder Schlachtunternehmen wie Westfleisch, die ihre Mitarbeiter ausbeuten, müssen der Vergangenheit angehören, ebenso Autobosse, die uns Verbraucher jahrelang betrügen und jetzt nach steuerfinanzierten Kaufprämien rufen.

Veränderung erfordert starken Willen

Wir brauchen einen radikalen Wandel in vielen Bereichen unseres Lebens, überall auf der Welt. Eine Land-und Tierwirtschaft, die umweltfreundlicher ist und dem Tierwohl viel mehr Bedeutung beimisst. Hierzu gehören auch angemessene Preise für deren Erzeugnisse. Einen zügigen, ökologischen Umbau unserer Industrie und einen nachhaltigen Tourismus.

Vielen Menschen wird klar, dass es ein weiter so nicht geben darf. Es erfordert von uns allen den Willen für eine Veränderung unserer Lebensweise. Denken wir da an die Zukunft unsere Kinder und Enkel.

Ich habe die Hoffnung, dass es uns gelingt. Es gibt viele Anzeichen, dass sich ein Umdenken vollzieht. Denken wir nur an den „Green Deal“ der Europäischen Union. Und - eigentlich haben wir keine Wahl.

Heinz Werner Kleine.

Heinz Werner Kleine. © Quiring-Lategahn

Gastautor Heinz Werner Kleine ist Chemielaborant und Kunstsammler
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