Ramadan in Lünen: Fastenbrechen ohne Öffentlichkeit wegen Corona

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Normalerweise ist der Fastenmonat Ramadan für die Muslime eine Zeit des Gebets und der Begegnung. Aber das Coronavirus stellt in diesem Jahr alles auf den Kopf.

Lünen

, 27.04.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nahezu unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit fiel Donnerstagabend (23. April) der Startschuss für den Ramadan. Während des Ramadans dürfen gläubige Muslime 30 Tage lang zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Dieses Jahr gilt das bis zum 30. Mai.

Üblicherweise wird das Fasten im Ramadan in großer Runde mit Freunden und Familie gebrochen. Das ist derzeit wegen Corona aber nicht möglich. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, bedauert mit Blick auf das Fastenbrechen am Abend: „Das geht nur im engsten Familienkreis. Ich fürchte, das gilt auch für das Fest zum Ende des Ramadans.“

„Allerhöchste Religionspflicht“

Für Mazyek ist klar, wie er jüngst in einem Interview sagte: „Die Nichtverbreitung des Virus ist dabei weiterhin die allerhöchste Religions- und Bürgerpflicht.“ Nicht nur das Fastenbrechen, auch das gemeinsame Gebet müsse sich dem unterordnen und statt in der Moschee zu Hause stattfinden.

Wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt Freitag (24. April) sagte, „haben in NRW Kirchen, Islam-Verbände und jüdische Verbände Erklärungen abgegeben, die besagen, dass Versammlungen und Veranstaltungen unterbleiben, gemäß der Coronaschutz-Verordnung“.

An diese Selbstverpflichtung hielten sich die Lüner Moschee-Gemeinden und Gläubige nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen auch, sagte Spangardt:

„Es wird auch in den kommenden Wochen keine darauf bezogenen Kontrollen geben. Wir kontrollieren das Stadtgebiet weiter wie gewohnt. Wenn es Beschwerden gibt, gehen wir diesen natürlich nach – das müssen wir auch. In dieser Beziehung gibt es keine Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften.“

„Im Einklang mit Glauben“

Bereits vor Wochen hatte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, zugesagt, dass die wegen der Corona-Krise geltenden Kontaktbeschränkungen eingehalten würden: „Die Unversehrtheit der Menschen ist dabei nicht nur Bürgerpflicht, sondern steht im vollkommenen Einklang mit unseren Glaubensbestimmungen.“

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Ähnlich hatte sich jüngst Lünens Integrationsbeauftragte Dr. Aysun Aydemir im Interview mit unserer Redaktion geäußert:

„Die Muslime in Lünen sind sich einig, dass die einschränkenden Maßnahmen richtig und wichtig sind.“ Das tägliche Fastenbrechen am Abend sei per se eine Gelegenheit, wo man in der Moschee mit vielen anderen Menschen zusammenkommt, bete und esse, erklärte Aydemir weiter:

„Das kann jetzt nicht stattfinden. Manche suchen andere Möglichkeiten, sie begehen das Fastenbrechen beispielsweise alternativ in den Kernfamilien, im Rahmen des Erlaubten und Vernünftigen. Die Gesundheit geht vor und niemand möchte die Mitmenschen gefährden, auch wenn das in diesem Jahr bedeutet, vom Gewohnten und Traditionellen abzuweichen.“

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