Ramadan in Lünen: Getrübte Vorfreude auf das Fest des Fastenbrechens

hzMuslimische Gemeinden

Das gewohnte Gemeindeleben ist in Corona-Zeiten nicht möglich. Muslime trifft das zu einem ungünstigen Zeitpunkt - denn gerade ist Ramadan. Auch die Lüner Gemeinden passen sich daher an.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 14.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Natürlich sind wir traurig, dass wir wegen Corona gerade im Ramadan mit so vielen Einschränkungen zu kämpfen haben“, sagt Yahya Dindarol, Sprecher der Selimiye-Moschee an der Roonstraße. Zwar bleibt der Kern des Fastenmonats - also der Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang - weiter bestehen, am Drumherum ändert sich aber einiges. Beispiel: „Im vergangenen Jahr waren fast jeden Abend im Ramadan fast 400 Leute hier, um das Fasten zu brechen. Das geht in diesem Jahr natürlich nicht“, berichtet Dindarol. Für viele Gläubige sei das nicht einfach - gerade Älteren und Alleinstehenden fehle die Gemeinschaft.

Corona-Schutzmaßnahmen in der Selimiye-Moschee: Pfeile auf dem Boden zeigen den Weg.

Corona-Schutzmaßnahmen in der Selimiye-Moschee: Pfeile auf dem Boden zeigen den Weg. © Beimdiecke

Ähnliches erlebt Hassan Orkenbas von der Ulu-Moschee in Brambauer. „Wir hätten gern gerade jetzt viel Zeit zusammen verbracht. Aber das ist ja leider nicht möglich“, berichtet er. „Letztendlich ist es bei uns so wie in allen Bereichen des Lebens - wir müssen nun einmal da durch.“ Sowohl Orkenbas als auch Dindarol betonten, dass die Gemeindemitglieder Verständnis für die Maßnahmen hätten und sie verantwortungsbewusst mit der besonderen Situation umgehen.

Acht Wochen kein gemeinsames Gebet

Immerhin: Seit vergangenem Samstag sind die Moscheen wieder geöffnet. „Die Leute haben acht Wochen lang auf den Besuch verzichtet, jetzt können sie zumindest zum Früh-, Mittags- und Nachmittagsgebet kommen“, freut sich Dindarol. Von einem normalen Moscheebetrieb kann aber keine Rede sein, denn der Besuch ist stark reglementiert: Unter anderem ist der Zutritt nur mit Maske erlaubt, Gebetsteppiche werden selbst mitgebracht und es muss eine Anwesenheitsliste geführt werden.

Außerdem ist das Platzangebot stark reduziert - wird die Moschee zu voll, müssen die Gläubigen draußen warten. Damit alles seine Ordnung hat, sind entsprechende Markierungen auf dem Boden angebracht.

Weil trotzdem innerhalb der Moscheen vieles einfach nicht möglich ist, weichen die Gemeinden teilweise ins Netz aus. „Beten kann man nicht online, aber wir übertragen auf Facebook und Youtube, wenn unser Imam aus dem Koran liest“, sagt Dindarol. Ähnliche Angebote gebe es auch von der Ulu-Moschee. „Die Lesungen kommen gut an, täglich schauen um die 80 Leute zu.“

Keine zwei Wochen sind es nun noch bis zum Ende des Ramadans: Am 24. Mai beginnt das Fest des Fastenbrechens. Normalerweise wäre die Vorfreude darauf schon jetzt sehr groß - diese ist aber aus verständlichen Gründen getrübt. „Wir können uns gegenseitig nicht besuchen, ein großes Fest ist nicht möglich. Das ist schon sehr traurig“, sagt Dindarol. Umso größer sei dafür schon die Vorfreude auf das Fastenbrechen 2021 - in der Hoffnung, dass dann die Corona-Einschränkungen vorbei sind.

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