Reise zum Mars: Lüner Dokumentarfilmer reiste um die ganze Welt für Galileo

hzRaphael Lauer

2035 sollen Menschen auf dem Mars landen und dort leben. Ist das realistisch? Ein Jahr lang beschäftigte sich ein Lüner Dokumentarfilmer damit. Den Film zeigt die Pro7-Show „Galileo“.

Lünen

, 07.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Raphael Lauer ist mal wieder auf Stippvisite in Lünen bei seinen Eltern. Der 34-jährige Dokumentarfilmer dreht derzeit für eine deutsch-britische Co-Produktion, unter anderem in Hamburg und Hagen. „Wenn es gut läuft, sind wir dann öfter wieder hier und drehen dann sozusagen in der Heimat“, so Lauer, der sein Abitur am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium gemacht hat.

„Wir“ sind der erfolgreiche Dokumentarfilmer und sein Kollege, der Kameramann Axel Funck (50). Seit einigen Jahren arbeiten die Beiden immer wieder zusammen.

Für ihre Filmprojekte reisen sie um die ganze Welt, auch in weit entfernte Länder. Auch für „Mars 2035“. Die Dokumentation wird am Samstag (8.3.) um 19.05 Uhr auf Pro7 bei „Galileo“ gezeigt. Ein ganzes Jahr lang haben die beiden Filmemacher an der Doku gearbeitet. „Es geht um die Fragen, wie weit sind wir wirklich bei den Plänen zum Mars zu reisen. Die NASA hatte ja angekündigt, im Jahr 2035 die ersten Menschen dorthin zu schicken. Das wäre bereits in 15 Jahren“, so Lauer.

Der Lüner Dokumentarfilmer Raphael Lauer (l.) und Kameramann Axel Funck haben zusammen die Doku „Mars 2035“ gedreht, die am 8. März auf Pro7 zu sehen ist.

Der Lüner Dokumentarfilmer Raphael Lauer (l.) und Kameramann Axel Funck haben zusammen die Doku „Mars 2035“ gedreht, die am 8. März auf Pro7 zu sehen ist. © Rottgardt

Wie können Menschen auf dem Mars atmen, auf dem es durchschnittlich minus 70 Grad kalt ist? Wo und wie werden sie dort wohnen und leben, was ziehen sie an, was essen sie? Diesen Fragen sind Lauer und Funck nachgegangen. Lauer: „Es war eine sehr intensive Recherche. Die Doku-Teile werden durch inszenierte Szenen miteinander verbunden.“

Diese Szenen drehten Lauer und Funck im Wadi Rum in Jordanien. Dort, wo auch der Hollywood-Film „Der Marsianer“ gedreht wurde. „In dieser Wüste sieht es ähnlich aus wie auf dem Mars“, so Funck.

Marsanzug wird in Österreich entwickelt

Dreharbeiten für die Doku führten die Filmer zum österreichischen Weltraum-Forum. Dort ist man darauf spezialisiert, einen Marsanzug zu entwickeln, der auch den Temperaturen von minus 70 Grad standhält.

Auch im Mission Control Center der Nasa in Houston (Texas) haben die Filmer gedreht, mit Astronauten und Entwicklern gesprochen. Ein Raumschiff für die acht Monate dauernde Reise zum 230 Millionen Kilometer entfernten Mars gibt es schon, nur noch keine Rakete.

Raphael Lauer durfte auch im Rahmen der Dreharbeiten auch in den Mars Rover steigen.

Raphael Lauer durfte im Rahmen der Dreharbeiten auch in den Mars Rover steigen. © Funck

In New York besuchten die Dokumentarfilmer eine Firma, die mit Hilfe von 3D-Druckern Häuser baut. Möglicherweise eine Lösung für die Mars-Mission.

Bei der polnischen Weltraum-Agentur trafen Lauer und Funck zwei Neurologen. Die erforschen, was eine Reise zum Mars und zurück mit dem menschlichen Gehirn macht. Sie dauert immerhin zwei Jahre. Junge Forscher lassen sich mehrere Wochen lang einschließen, um die Isolation der Raumfahrer nachzuempfinden.

In Köln, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, gibt es eine „Liegestudie“, um zu testen, was eine Reise in dieser Position - wegen der Schwerelosigkeit - für den menschlichen Organismus bedeutet.

Für diese Studie, bei der die Probanden 60 Tage mit Kopf nach unten liegen mussten, hatten sich über 20.000 Menschen beworben. Weil sie Teil der Mission Mars sein wollen. Auch wenn sie selbst nie in ein Raumschiff steigen werden.

In Cape Canaveral drehten die Filmer den Start einer Falcon-Trägerrakete. Am Ende gab es acht Terabyte Material, aus dem dann 53 Minuten zusammengeschnitten wurden.

Die Filmemacher im Orion Raumschiff. Hier konnten sie nachempfinden, wie sich Astronauten auf dem Weg zum Mars fühlen werden.

Die Filmemacher im Orion Raumschiff. Hier konnten sie nachempfinden, wie sich Astronauten auf dem Weg zum Mars fühlen werden. © Funck

„Mars 2035“ ist Lauers erster Film, den er als Regisseur und Produzent gedreht hat. Die Idee hatte eine Redakteurin des Senders Pro 7. „Man muss unglaublich präzise sein. Wir haben mit Astronauten und Wissenschaftlern ein Storyboard entwickelt,“ so der Lüner. Und ausprobiert, wie man sich so in einem Orion-Raumschiff fühlt. Bequem war es für den 2,05 Meter großen Funck und den nur etwas kleineren Lauer nicht.

Überrascht waren Beide davon, wie weit die Vorbereitungen für einen bemannten Mars-Flug schon sind. Das größte Problem, das man lösen müsse, sei die menschliche Psyche. Die muss mit der Isolation auf engem Raum für eine lange Zeit klarkommen. „Und dafür gibt es keine Patentlösung.“

Im Wadi Rum in Jordanien fanden auch Dreharbeiten statt. Dort sieht es aus wie auf dem Mars.

Im Wadi Rum in Jordanien fanden auch Dreharbeiten statt. Dort sieht es aus wie auf dem Mars. © Funck

Auch früher schon führten Dreharbeiten die beiden Dokumentarfilmer an weit entfernte Orte. Für die Reihe „die gefährlichsten Schulwege der Welt“ drehten Lauer drei und Funck vier Folgen.

„Die Filme laufen ja immer wieder noch im Fernsehen und oft werde ich danach von Lehrern kontaktiert, die die Filme in Vertretungsstunden ihren Schülern zeigen“, so Lauer. Bei den Filmemachern melden sich aber auch Zuschauer, die den Kindern helfen wollen.

Bei Dreharbeiten in Kolumbien hatte Funck kürzlich ein aufblasbares Stand-up-Paddling-Board dabei, das eine Zuschauerin für einen Jungen gespendet hatte, der einen Fluss überqueren muss, um zur Schule zu kommen.

Seit 2014 arbeiten der Wahl-Berliner Funck und der Wahl-Münchner Lauer zusammen. Kennengelernt haben sie sich bei Dreharbeiten in Afghanistan über das dortige Frauenfahrrad-Nationalteam.

Dort lernten sie eine damals 16-Jährige kennen, die mittlerweile in Yale studiert und sich damals gegen Anfeindungen zur Wehr setzen musste, weil sie im Rad-Team aktiv war.

Langwierige Vorbereitungen

Die beiden Dokumentarfilmer arbeiten frei und haben sich auf Reportagen an entlegenen Orten der Welt spezialisiert. Dafür haben auch ihre Familien Verständnis. „Meine Frau ist selbst Redakteurin“, so Lauer.

Die Vorbereitungen zu Dreharbeiten in Ländern wie Pakistan oder Indien sind langwierig. Bis man ein Journalistenvisum bekommt, kann es schon mal zwei, drei Monate dauern.

Nach ihren Dreharbeiten für „Mars 2035“ sagen Lauer und Funck: „Wir selber wollen nicht zum Mars fliegen, zum Mond schon eher.“ Der ist ja auch „nur“ knapp 400.000 Kilometer von der Erde entfernt.

Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Serie „Wenn die Eltern älter werden“
Letzte Folge unser Serie: Lünerin (93) plante schon mit 60 konsequent ihr Leben im Alter