Rettet die Kultur, damit wir uns nicht wieder die Schädel einschlagen!

hzKommentar

Das Heinz-Hilpert-Theater leuchtet bunt, um auf die Situation der Kulturbranche hinzuweisen. Viel zu wenig, findet unser Autor. Denn die Kultur hat einen ganz besonderen Auftrag.

Lünen

, 17.05.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Krise merkt man schnell, was den Menschen lieb und teuer ist. Und damit meine ich jetzt nicht das Klopapier. Vielmehr geht es mir um den Stellenwert, den die Dinge in unserem Leben haben. Die Wirtschaft überstrahlt da natürlich alles. Ich kann das ja auch nachvollziehen - Unternehmen bieten Jobs, und wenn sie durch die Krise in Schieflage geraten sind, hat das nichts mit Misswirtschaft zu tun. Da ist der Staat zurecht gefragt.

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Das gilt aber ganz besonders auch bei der Kultur. Doch die tauchte auf den Prioritätenlisten meiner Meinung nach zu spät auf - wenn sie denn überhaupt draufstand. Angesichts einer wirtschaftlich orientierten Welt ist das wohl kein Wunder: Kultur kostet schließlich Geld und, noch schlimmer, bringt keinen finanziellen oder materiellen Gewinn.

Hauptsache, die Dinge funktionieren

Wobei, das ist ja nicht nur in der Krise so. Ein Lüner Unternehmer sagte mir neulich im Gespräch: „In der Schule gibt es Mathe, Sprachen, Naturwissenschaften. Für die Kunst ist vielleicht am Ende des Schultages noch Platz, aber erst nach dem Sport.“ Ein Sinnbild für Deutschland: Dinge müssen erstmal ordentlich funktionieren. Für alles andere ist hinterher Zeit. Vielleicht.

Und so mussten Schauspieler, Kinobetreiber, Theaterintendanten und Museumsdirektoren verhältnismäßig lange warten, bis Staat und Land kapierten, dass auch sie ohne finanzielle Unterstützung die Krise nicht überleben würden.

Und die Kultur einfach draufgehen zu lassen, wäre fatal - denn sie hat womöglich den wichtigsten Auftrag überhaupt: Sie sorgt dafür, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Sie setzt Normen, sie lotet die Grenzen des Geschmacks aus, sie setzt Denkverbote außer Kraft, sie ist der moralische Kompass.

Der Kabarettist Hagen Rether hat es einmal etwas anschaulicher formuliert. Denn, so seine These, im Grunde hat der Mensch seinen animalischen Drang nie wirklich abgelegt, kann ihn aber dank der Kultur gewaltfrei ausleben: „Deshalb leisten wir uns ja eine Kultur und schauen uns zum Beispiel Filme von Quentin Tarantino im Kino an, wo sich Menschen haufenweise den Schädel einschlagen. Dann müssen wir das nämlich nicht mehr selber machen.“

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Ruft nicht Batman, sondern die Kultur

Also, liebe Leute: Es reicht nicht, das Lüner Theater schön zu erleuchten. Eigentlich müsste über jeder Stadt ein Batman-Strahler leuchten, der gerade in diesen Zeiten die Kultur zu Hilfe ruft, damit sie unsere Gesellschaft retten kann. Und wenn das schon nicht möglich ist, dann sollten doch bitte sehr viele Menschen ihre jeweiligen Entscheidungsträger darauf aufmerksam machen, was uns eigentlich droht, wenn wir die Kultur weiterhin als Randnotiz abtun. Danke.

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