Regelmäßiges Stoßlüften oder Unterricht bei geöffnetem Fenster gehören seit Corona in Schulen zum Standard, sofern Präsenzunterricht stattfindet. Luftreiniger werden in Lüner Klassenräumen bis auf Weiteres wohl nicht zum Einsatz kommen. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Schlechte Karten für Luftreiniger in Klassenzimmern von Lüner Schulen

CO2-Ampeln gibt es an Lüner Schulen schon. Recht wenige allerdings. Luftreiniger in Klassenräumen sind bislang nicht vorhanden. Ob sich das noch ändern wird, ist sehr fraglich.

Die ersten Schüler sind seit rund einer Woche wieder zurück im Präsenzunterricht. Damit einher gehen nicht nur die bekannten Hygiene-Regeln, auch das regelmäßige Stoßlüften in den Unterrichtsräumen muss sein. Je nach Außentemperatur führt das zu sehr kühlen Klassenzimmern, wie auch Nina Rodegro, Schulsozialarbeiterin an der Kardinal-von-Gahlen Schule, im Bildungsausschuss zu berichtete.

„Wir haben teilweise bei minus zwölf Grad in der Notbetreuung gesessen.“ Wären Anfang des Jahres mehr Kinder in den Schulen gewesen, hätte es wohl einen größeren Aufschrei von den Eltern gegeben, ist sie sicher.

In einem Antrag an den Fachausschuss hatte auch die Fraktion Die Linke das Thema aufgegriffen. Ein Vorschlag: Schulen sollen mit Luftfiltergeräten ausgestattet, bzw. die Lüftungsmöglichkeiten geprüft werden. Die Lage hat sich in der Zwischenzeit natürlich verändert. Präsenzunterricht, im Wechselmodell, findet seit 22. Februar wieder statt, der Antrag stammte noch aus Januar.

Beraten, bzw. erörtert wurde dennoch. Denn die Lüftungsthematik bleibt trotzdem aktuell. So berichtete Gürbüz Demirhan von der Zentralen Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL) über das Lüftungskonzept an Schulen in Lünen. Das hat die Stadt Lünen bereits durch einen unabhängigen Sachverständigen begutachten lassen. „Im Kern kommt der Sachverständige zu dem Schluss, dass die Belüftung an den Schulen als ausreichend bezeichnet werden kann“, erklärte Demirhan.

Mangelverwaltung bei CO2-Ampeln

Eine Empfehlung sei gewesen, CO2-Ampeln anzuschaffen. Davon hat die Stadt in der Zwischenzeit 150 Stück geordert und an die Schulen verteilt. „Die Ampeln sind sinnvoll“, sagt Reinhold Bauhus, Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Seine Schule verwalte hier allerdings einen Mangel, denn sieben Stück für seine ganze Schule seien natürlich viel zu wenige.

Die Anzahl an CO2-Ampeln an anderen Lüner Schulen liegt ebenfalls im einstelligen Bereich. Das hatten unter anderem auch die Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG) und des Gymnasiums Altlünen auf Anfrage unserer Redaktion vor dem Start des Präsenzunterrichts bestätigt.

Luftreiniger: pro und contra

Mobile Luftreinigungsgeräte seien laut dem Gutachter nicht zu empfehlen, wie Demirhan weiter berichtete. Die Geräte wälzten die Luft um Raum lediglich um, Stoßlüften sei laut Experten effektiver. Auch das Umwelt Bundesamt (UBA) komme zu dem Schluss, dass die Geräte weder CO2 noch Wasserdampf aus der Luft herausfiltern, führt Demirhan aus. Die Universität in Münster komme zu dem Ergebnis, dass die sogenannten AHA-Regeln nicht durch die Geräte ersetzt werden können.

Allerdings hat die Uni Münster in einer Studie belegt, dass Luftreiniger durchaus das Ansteckungsrisiko durch virusbelastete Aerosole deutlich senken. Darüber hatte der WDR berichtet. Die Geräte sind „in Kombination mit Lüften ein weiterer wichtiger Beitrag zur Eindämmung der Pandemie“, erkärte der Virologe Stephan Ludwig von der Uni Münster dazu. Bis zu 99,995 Prozent der Viren konnten in dem Versuch mit einem Luftreinigermodell des Herstellers Hengst aus Münster aus dem Raum entfernt werden. Das kam im Lüner Fachausschuss nicht auf den Tisch.

Förderung mit engen Vorgaben

Wohl aber die Frage von Reinhold Bauhus, Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, warum denn die Stadt Münster 300 Geräte angeschafft habe. „Insofern haben die anscheinend andere Infos.“ Nachfragen von Eltern dazu könne er bislang nicht fundiert beantworten.

Funda Öztürk (Die Linke) wollte zudem wissen, warum denn keine Fördergelder des Landes für Luftfilter in Lüner Schulen abgerufen würden. 50 Millionen Euro sind dafür schließlich freigegeben.

„Ich weiß, dass es da in der Tat unterschiedliche Meinungen zu gibt“, sagt Demhiran dazu. Es sei allerdings so, dass nur wenige Städte die Lüftungsgeräte angeschafft hätten. Die Stellungnahmen des Sachverständigen seien klar, die könne man den Schulen auch zur Verfügung stellen.

Was die Fördergelder anginge, könnten diese auch nicht so einfach abgerufen werden. Denn eine der Bedingungen lautet, dass die Geräte nur dann gefördert werden können, wenn eine andere Belüftung nicht möglich ist. In Lünen ist das nur in wenigen Schulräumen der Fall.

Landestopf nur wenig angezapft

Möglicherweise ist auch das ein Grund, warum von den 50 Millionen Euro aus dem Fördertopf, von November bis Mitte Januar gerade einmal 12,5 Millionen Euro abgerufen worden sind. So hatte das zuständige Bauministerium es Mitte Februar gegenüber dem WDR einmal angegeben.

„Wir sind letztlich die ausführende Abteilung“, so Demhirans Resümee. „Wenn man uns beauftragt können wir mehr bestellen.“

Vom Tisch ist die Lüftungssituation in Lüner Schulen so oder so noch lange nicht. Das Coronavirus wird auch 2021 weite Teile des öffentlichen Lebens bestimmen. „Ich nehme die ein oder andere Anregung und Argumentation mit auf, sodass wir das Thema weiter bespielen werden“, sagte Beigeordneter Horst Müller-Baß im Bildungsausschuss zu.

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Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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