Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums machen sich in Brüssel fürs Klima stark

hzJugendklimakonferenz

300 Schulen haben sich in Europa beworben, 33 wurden ausgelost. Jetzt dürfen drei Stein-Gymnasiasten gemeinsam mit ihrem Lehrer nach Brüssel fahren, um sich für Klimapolitik stark zu machen.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 04.02.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fragt man die drei Schüler der elften Klasse des Freiherr-vom-Stein Gymansiums (FSG), wie sie persönlich Klimapolitik gestalten würden, (vorausgesetzt, sie hätten die Macht dazu), zeigen sie sich extrem gut informiert und leidenschaftlich.

„Man müsste Energieriesen zu Alternativen zwingen“, sagt Jan Fomrath. „Es ist ein Skandal, dass man die Firmen auch noch dafür entschädigt, dass sie weltweit großen Schaden anrichten.“

Latricia Dovsek (ebenfalls 16) fügt hinzu: „Man müsste das Klimapaket ganz klar ausweiten, die CO2-Steuer erhöhen und eine Klimadividende muss eingeführt werden, damit es auch sozial gerecht bleibt.“

Und David Graf (17) sagt: „Besonders wichtig ist es, auch selbst aktiv zu werden.“

In wenigen Wochen werden die Drei die Gelegenheit haben, ihre Ideen vor und mit „Deligierten“ aus ganz Europa im Rahmen eines Jugendklimagipfels zu diskutieren. Organisiert wird er durch den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA).

NGO

Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss

  • Als Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) fungiert der Europäische Wirtschafts-und Sozialausschuss (EWSA) als beratendendes Mitglied für die EU.
  • Er repräsentiert Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften (Arbeitnehmer) und andere Interessengruppen (etwa Landwirte und Verbraucher) - die „organisierte Bürgergesellschaft“.
  • Er setzt sich aus 350 Mitgliedern zusammen, die sich auf die Mitgliedsstaaten der EU anhand der Größe der Bevölkerung verteilen. Gemeinsam mit Frankreich, Italien und (bislang) Großbritannien stellt Deutschland 24 Mitglieder.
  • Zum Beispiel bei Fragen, die die Wirtschafts- oder Sozialpolitik der EU betreffen, kann der ESWA von EU- Rat, -Parlament oder -Kommission beratend angehört werden.

Aus jedem Land der Europäischen Union, plus den fünf Kandidatenländern, wurde eine Schule und aus dieser jeweils drei Schüler ausgelost, in Brüssel an einem Planspiel nach Vorbild der UN-Klimakonferenz teilzunehmen.

Empfehlungen der Schüler werden weitergeleitet

Die Schüler sollen dort Gelegenheit haben, Ideen zur Bewältigung der Klimakrise und der Klimaziele einzubringen. Außerdem werden sie mit Vertretern internationaler Jugendorganisationen zusammentreffen und mit ihnen konkrete Empfehlungen formulieren.

„Diese Empfehlungen werden dann vom ESWA an umweltpolitische Entscheidungsträger weitergeleitet und im Laufe des Jahres auf Konferenzen in ganz Europa erörtert“, heißt es in einer Mitteilung.

Besonders interessant finden alle drei FSG-Schüler die Jugendorganisation „Climate Justice Hawks“, „weil es da auch um die soziale Komponente geht“, sagt Latricia.

Lehrer sah „einzigartige Möglichkeit“

Als Simon Erling, Lehrer für Deutsch und Erdkunde am FSG, per Email die Einladung zur Teilnahme am Losverfahren enthielt, war ihm gleich klar: „Das ist eine einzigartige Möglichkeit, etwas sehr Besonderes. Die Schüler haben ja eine Motivation für das Thema Klima, die so richtig von innen heraus kommt.“

Im vergangenen Schuljahr hatte er mit seiner damaligen zehnten Klasse im Rahmen seines Erdkundeunterrichts ausführlich über Energiepolitik, erneuerbare und den Unterschied zu konventionellen Energien gesprochen.

„Damit war der Grundstock gelegt“, sagt Erling.

Beworben hat er sich letztlich mit sechs Schülern des jetzigen Erdkunde-Leistungskurses, von denen er - als tatsächlich das FSG von der EWSA aus dem Topf gezogen wurde - drei ausgelost hat.

Chance, mit ganz Europa in Kontakt zu kommen

„Es ist einfach eine tolle Möglichkeit, sich für das Klima zu engagieren“, sagt David, der auch FSG-Schülersprecher und an Sozialer Gerechtigkeit, Migrationspolitik und ganz im Allgemeinen politisch interessiert ist.

Für die Schule kann er sich im Nachgang einen Aktionstag zum Thema Klimaneutralität vorstellen.

Latricia hat überzeugt, dass die Vorschläge auch tatsächlich weitergereicht werden sollen und Jan sieht die Teilnahme unter anderem als einmalige Chance, mit vielen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern in Kontakt zu kommen.

„Weltweit setzen sich junge Menschen für den Schutz des Planeten ein“, sagt Renate Heinisch, ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments, seit 2002 ESWA-Mitglied. „Der ESWA reagiert darauf. “

Am Montag (3.2.) besuchte Heunisch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, um die Schüler auf ihre Reise nach und ihre Aufgabe in Brüssel vorzubereiten. Anhand einer Präsentation erklärte sie, wie die EU funktioniert oder welche Positionen die Teilnehmenden im Klima-Planspiel einnehmen können und fragte sie nach ihren eigenen Positionen, zum Beispiel zu Atomkraft.

Weiteres Engagement

Klasse nimmt an Energie-Turnier teil

Ein Ereignis jagt das nächste: Nach dem Besuch von Renate Heinisch am Montag (3.2.) kümmert sich der Erdkunde-Leistungskurs von Simon Erling am Donnerstag (6.2.) erneut ums Thema Energie. Im Rahmen eines bundesweiten Wettbewerbs mit dem Titel „Smart Kid? Smart Grid! Das Turnier mit Energie“ findet an diesem Tag zunächst ein Workshop statt. Darin stellt Jan Roessel von der Deutschen Gesellschaft e.V. Ideen zum Netzausbau vor. Anschließend entwickeln die Schüler Geschäftsideen im Bereich Intelligente Stromnetze (Smart-Grids). Diese Stromnetze kombinieren Erzeugung, Speicherung und Verbrauch. Deutschlandweit nehmen 20 Schulen teil. Eine Jury entscheidet anschließend über die drei besten Lösungen, die dann von den jeweiligen Klassen in Berlin vorgestellt werden dürfen.
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