KKG-Schulleiter in Lünen: Schule kann man nicht langsam hochfahren

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Die Einstellung des Schulbetriebs und die Kontaktsperre wegen des Corona-Virus trifft viele Schüler hart, sagt Reinhold Bauhus, Schulleiter der Lüner Käthe-Kollwitz-Gesamtschule.

Lünen-Süd

, 03.04.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Reinhold Bauhus (63), Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule (KKG) und Initiator des millionenschweren Projekts „Campus Lünen-Süd“ in dem sozial benachteiligten Stadtteil, besteht kein Zweifel:

„Die seit dem 16. März geltende Einstellung des Schulbetriebs in NRW und die seit rund einer Woche geltende Kontaktsperre dürfen nicht einen Tag länger als absolut notwendig dauern.“ Das erklärte der erfahrene Pädagoge am Donnerstag (2. April) im Gespräch mit unserer Redaktion.

Schule als Zufluchtsort

Nicht wenige der rund 1000 Schüler der KKG kämen aus schwierigen Familienverhältnissen, sagte Bauhus weiter. Für einige Jungen und Mädchen sei die Schule auch eine Art Zufluchtsort: „Sie glauben ja gar nicht, wie viele Schüler nach dem Ende der Schulferien mit Freude und einem Lachen im Gesicht den Campus betreten.“

KKG-Schulleiter in Lünen: Schule kann man nicht langsam hochfahren

© Storks (A)

„Das Gros unserer Schüler wohnt eher auf kleinerem Raum, da sind Probleme vorprogrammiert.“
Reinhold Bauhus

Auch deshalb brauche es eine Exit-Strategie von Seiten der nordrhein-westfälischen Landesregierung beziehungsweise des Düsseldorfer Schulministeriums, wann und wie der Schulbetrieb wieder aufgenommen wird:

„Eine Schule kann man ja nicht langsam hochfahren. Man kann ja nicht nur jeden zweiten Schüler zum Unterricht kommen lassen.“

Die vom Land NRW beschlossene Einstellung des Schulbetriebs gilt vorerst bis zum Ende der Osterferien am 19. April 2020. „Ich bin gespannt, wie es danach weitergeht“, sagte Bauhus: Eine eigene Einschätzung der Lage falle ihm schwer. Selbst die Experten seien ja im Moment nicht in der Lage zu sagen, wann bestehende Beschränkungen wenn schon nicht aufgehoben, wenigstens gelockert werden können, erklärte der Schulleiter.

Studie soll Erkenntnisse bringen

Er hoffe, dass die von Hendrick Streeck – anerkannter Virologe und Berater der Bundesregierung – initiierte Corona-Studie in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg wichtige Erkenntnisse bringt.

„Vielleicht sind wir dann schlauer, wie es weitergeht. Denn eins steht auch fest, das hier kann kein Dauerzustand sein“, sagte KKG-Schulleiter Bauhus mit Blick auf die Situation der Schüler und Schülerinnen der Gesamtschule.

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Wohnen auf engem Raum

„Nicht jedes Kind, nicht jeder Jugendliche kommt aus einem Elternhaus mit Garten. Das Gros unserer Schüler wohnt eher auf kleinerem Raum, da sind doch Probleme in den eigenen vier Wänden vorprogrammiert.“ Zumal Ausgleichsmöglichkeiten im Freizeitbereich zurzeit komplett ausfielen.

So ganz aus den Augen verloren haben Schulleiter Bauhus und das Lehrerkollegium zumindest einen Teil der Schüler nicht. Alle wurden vor Einstellung des Schulbetriebes mit Lernmaterialen nach Hause geschickt.

„Die Fachlehrer stehen vor allem mit Schülern der unteren Klasse in Kontakt. Wir sind selbst überrascht, wie gut das Online-Lernen angenommen wird.“

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