Schulleiter Kunibert Kampmann geht in Pension: „Ich habe nie gelitten unter Schule“

hzFörderzentrum Nord

„Es ist Zeit für mich zu gehen, was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein Glas im Stehen“: Zeilen von Reinhard Mey, mit denen Schulleiter Kunibert Kampmann nun Tschüss sagt.

Lünen

, 26.01.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

41 Jahre und vier Monate war Kunibert Kampmann im Schuldienst. Zuletzt als Leiter des Förderzentrums Nord an der Moltkestraße. Das war zum Schluss nochmal eine echte Herausforderung nach der Neuordnung der Förderschullandschaft: Lehrerinnen und Lehrer, die hier zur Lüner Moltkestraße von zehn verschiedenen Schulen im Kreis kamen und unter neuen Voraussetzungen alles neu strukturieren mussten.

Nun also sagt Kunibert Kampmann „Tschüss“. Ab 11 Uhr an diesem Freitag im Januar (24.1.) war große Feierstunde in der Mensa, viele Gäste, viele Redner. So ist das wohl immer schon überall gewesen bei solchen Anlässen. Kunibert Kampmann, der im Februar seinen 66. Geburtstag feiert, hat sich da im Vorfeld da so seine Gedanken gemacht: Vor allem nicht so lang soll es sein. Und: „Reden sind nicht mein Ding. Und die Redner müssen auch nicht sagen, dass ich gut war. Ich war auf so vielen Verabschiedungen, habe so viele Leute sagen hören, dass einer gut war und man weiß, der war nicht gut“.

Spontane Überraschung der Schülerinnen und Schüler

Auf solche Reden gibt Kunibert Kampmann nichts. Deshalb wird ihm die kleine, aber feine Verabschiedung durch seine Schüler bereits am Donnerstag (23.1.) auf dem Schulhof gefallen haben, ein zehn Minuten langer herzlicher und vor allem musikalisch-tänzerischer Abschied seiner Schüler.

Schulleiter Kunibert Kampmann geht in Pension: „Ich habe nie gelitten unter Schule“

Winkten zum Abschied - Schülerinnen und Schüler des Förderzentrums Nord an der Moltkestraße sagen Kunibert Kampmann (im Hintergrund auf einem Hügel) schon einen Tag vor der offiziellen Verabschiedung „Tschüss“. © Britta Linnhoff

„Das war nicht abgesprochen“, sagt er und steigt auf einen kleinen Hügel auf dem Schulhof: „Das ist das einzige Mal, dass ich den Überblick habe“, lacht er. Dann wird gesungen: „Wir sind zusammen groß“ von den „Fantastischen Vier“. Stimmt wohl. Sie mögen ganz offenbar ihren Schulleiter, haben für ihn liebevoll ein Erinnerungsbuch gestaltet. Kampmann macht diese zehnminütige Darbietung seiner Schützlinge froh, er ist stolz auf ihre Leistung. „Das zeigt auch, dass meine Kollegen gut arbeiten“, sagt er. Ein paar Minuten nach der Darbietung auf dem Schulhof gibt es per Lautsprecherdurchsage noch ein „Dankeschön“ in die Klassenräume. Ein Erinnerungsbuch ist noch in Arbeit - die letzten Seiten von der Feierstunde müssen noch gefüllt werden.

Schulleiter Kunibert Kampmann geht in Pension: „Ich habe nie gelitten unter Schule“

Eine Seite aus dem Erinnerungsbuch, zu dem jede Klasse ihren Beitrag geleistet hat. © Britta Linnhoff

„Ich bin immer gerne gekommen“, sagt der gebürtige Lüner. „Aber nun ist es auch gut“. Der studierte Sonderpädagoge geht ganz offenbar mit einem guten Gefühl. „Ich habe nie unter Schule gelitten“, erzählt er, habe seinen Job immer gerne gemacht. Aber: „Die Kollegen können auch ohne mich. Es wäre falsch, wenn die Schule nur funktionieren würde, wenn ich da bin.“ Er sei stolz auf seine Kolleginnen und Kollegen.

1997 übernahm Kunibert Kampmann seine erste Klasse

1997 hat er seine erste Klasse übernommen. Da war vieles anders als heute. Und Kunibert Kampmann ist davon überzeugt, dass vieles nun auch wieder anders werden muss. „Wir bekommen immer mehr Kinder, bei denen man sich fragen muss, ob die überhaupt beschulbar sind“, sagt er. Und fügt hinzu: „Ich bin der Meinung, dass das Format Schule sich ändern muss.“ Man müsse andere Fördermöglichkeiten für diese Kinder finden.

Die Jahrzehnte, die hinter ihm liegen, weiß er trotz aller Unruhe - oder gerade deswegen - zu schätzen. Am Anfang seines Berufslebens habe er sich Gedanken darüber gemacht, dass er nun 40 Jahre das Gleiche werde machen müssen. Musste er nicht, weil sich so viel verändert hat in der Schulpolitik und in der Schullandschaft. Anlass, irgendwie oder irgendwo hin zu wechseln, habe er nie gehabt, weil sich eben ständig alles verändert habe.

Dass es nicht immer einfach ist mit den anvertrauten Kindern und Jugendlichen, bestreitet er nicht. Aber: „Ich frage mich immer, wie wäre ich unter den gegebenen Umständen dieser Kinder geworden, wie hätte ich reagiert? Vermutlich genauso wie sie.“ Einen Berufs-Traum hat er noch: „Eine Schule für alle im Stadtteil, sozialraumbezogen, das wäre toll. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben.“ Erlebt hat er aber an diesem 24. Januar 2020, dass es doch Menschen gibt, die finden, dass er gut war.

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