Das Bochumer Landgericht: Hier haben die Richter im Schwarzlohn-Prozess schon rund 50 Zeugen vernommen. © Jörn Hartwich
Landgericht Bochum

Schwarzlohn-Prozess: „Sollen wir mal wieder einen Kaffee trinken?“

Im Schwarzlohn-Prozess gegen einen Bauarbeiter aus Lünen haben die Bochumer Richter einen Insider-Blick auf illegale Bargeld-Zahlungen geworfen.

Auf den ersten Blick war es ein völlig harmloses Gespräch. „Sollen wir mal wieder einen Kaffee trinken?“ So oder so ähnlich sind jahrelang illegale Schwarzlohn-Zahlungen in der Baubranche eingeleitet worden.

Auch ein Lüner Bauarbeiter (50) und dessen Ex-Chef sollen in diesem System mitgemischt haben. Im Prozess am Bochumer Landgericht machen die beiden angeklagten Männer jedoch weiter von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

Die Richter haben am Mittwoch deshalb zwei bereits verurteilte Unternehmer aus dem Rheinland als Zeugen gehört, die ihnen einen Insider-Blick auf die Abläufe gegeben haben.

Frei erfundene Rechnungen bezahlt

Ihr eigenes Unternehmen hatte Ende 2014 damit begonnen, Scheinrechnungen von einem Geschäftspartner entgegenzunehmen, der laut Anklage auch mit dem Lüner und dessen mitangeklagten Ex-Chef zusammengearbeitet haben soll.

Nach Angaben der Zeugen wurden jahrelang frei erfundene Rechnungen über angebliche Bauleistungen bezahlt. 90 Prozent der Summe floss später in bar an sie zurück. Um den Termin abzustimmen, seien meist harmlose Verabredungen zum Kaffeetrinken ausgesprochen worden. „Ich habe dann einen Umschlag mit dem Bargeld bekommen“, so der Zeuge im Prozess. Die Übergabe fand in unterschiedlichen Büros statt. Fragen wurden nicht gestellt. „Ich war immer froh, wenn ich da schnell wieder raus war.“

Geld im Auto gezählt

Gezählt habe er das Geld im Auto. „Ich wollte ja nicht, dass es so aussieht, als hätte ich kein Vertrauen.” Dabei soll häufig um mehrere tausend Euro gehandelt haben.

Mit den Bargeld seien später unter anderem Überstunden der eigenen Mitarbeiter bezahlt worden – schwarz, an der Steuer und an den Sozialversicherungsträgern vorbei.

Das Bochumer Strafverfahren ist eines der ersten aus einem riesengroßen Komplex. Eigentlich hätte auch schon der mutmaßliche Scheinrechnungen-Schreiber vor Gericht stehen sollen. Seine Verfahren soll am Landgericht Wuppertal eröffnet werden.

Zeuge hat geschwiegen

Wie es heißt, soll er für unzählige Firmen Scheinrechnungen erstellt haben – unter anderem auch für das frühere Unternehmen des Lüners. Insgesamt soll es in seinem Fall um einen riesengroßen Millionenbereich gehen. Es gibt aber offenbar noch Unstimmigkeiten in den Berechnungen.

Im Bochumer Prozess hat der mutmaßliche Scheinrechnungen-Schreiber bei seiner Zeugenvernehmung zu den Vorwürfen geschwiegen – was er auch durfte.

Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, zwischen 2014 und 2014 durch Schwarzlohnzahlungen einen Steuer- und Sozialversicherungsschaden in Höhe von 3,1 Millionen Euro angerichtet zu haben. Insgesamt haben die Richter bereits rund 50 Zeugen gehört. Der Prozess wird fortgesetzt.

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