Schwimmbad-Hickhack in Lünen: Doch kein Hitzefrei für den Cappenberger See

hzMeinung: Klare Kante

Stell dir vor es ist Hochsommer, und das Freibad macht dicht. Ein schlechter Scherz, bei dem unserer Autorin das Lachen im Hals stecken blieb- zum Glück nur 24 Stunden lang.

Lünen

, 12.08.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Diese Redensart bekommt jetzt eine Lüner Variante: Raus aus dem Bad, rein in das Bad. Immerhin: Die Richtung stimmt am Ende - rein.

Vielleicht hätten es die Verantwortlichen auch erst einmal mit einer Abkühlung im Freibad Cappenberger See versuchen sollen. Das sorgt für einen kühlen Kopf. Den ließ die Ankündigung der Bädergesellschaft vermissen, die am Montag aus dem vollkommen heiteren Himmel kam: Mit dem bevorstehenden Wochenende (15./16. 8.) sei Schluss mit lustig. Das Freibad werde dann geschlossen - trotz der aktuellen Temperaturen von mehr als 30 Grad. Trotz der Wetterprognosen, dass dem tropisch anmutenden Hochsommer ein immer noch warmer Spätsommer folgen wird. Trotz der Diskussion über Hitzefrei zu Beginn des Schuljahres.

Besser nicht selbst abschaffen

Das gibt es für Schülerinnen und Schüler, wenn das Thermometer im Klassenraum über 27 Grad klettert. Von Hitzefrei für Schwimmbäder hatte ich dagegen noch nie gehört. Für Freibäder erst recht nicht. Die Lüner Bädergesellschaft schien da etwas verwechselt zu haben.

Oder sie hatte bewusst auf antizyklisches Handeln gesetzt: Tannenbäume im Juli kaufen, Schnorcheln im Januar - und eben Freibäder im Sommer schließen. Oder besser erst gar nicht öffnen. Das wäre, so scheint es, der Bädergesellschaft am liebsten gewesen in diesem Corona-Sommer.

Nur auf Druck der Politik hatte sie zum 29. Juni den Cappenberger See als einziges Freibad geöffnet: die einzige Badegelegenheit für 88.000 Lünerinnen und Lüner, denn der Horstmarer See ist gesperrt. Es sei kostengünstiger gewesen, das Freibad erst gar nicht zu öffnen, hatte die Bädergesellschaft ermittelt. Klar, Bäderbetriebe sind immer defizitär und auf Zuschüsse aus dem Stadtsäckel angewiesen. Keine Bäder, keine Kosten. Mit dieser Logik schafft man sich selbst ab.

Die gute Nachricht ist das Normalste in der Welt

Wie gut, dass der Kopf rund ist. Dann können die dort schwimmenden Gedanken die Richtung wechseln - genauso wie die Schwimmer in den eckigen Becken. „Das Bad bleibt bis auf Weiteres offen.“, teilte die Bädergesellschaft am Dienstagmittag mit und verkaufte das als gute Nachricht. Dabei ist es eigentlich das Normalste in der Welt.

Freibäder gehören im Sommer geöffnet. Und Freibäder, die erst spät geöffnet haben, sollten ein großes Eigeninteresse daran haben, die Saison möglichst lange auszudehnen. Nur so kann es gelingen, möglichst viel wettzumachen in einer verkorksten Saison. Und den von ausgefallenen Urlaubsreisen, Maskenpflicht und Existenzsorgen genervten Menschen ein Angebot zu machen, das sie die Sorgen etwas vergessen lässt - zumindest drei Stunden lang, maximal,

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt