Servicewüste Lünen? Stadt fällt bei Studie von „Haus & Grund“ durch

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Eine neue Studie bewertet den digitalen Service der Kommunen. Dabei kommt Lünen nicht gut weg. Der Verein Haus & Grund fordert Konsequenzen, die Stadt verweist auf bereits geplante Projekte.

Lünen

, 12.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) - beziehungsweise dessen Tochterunternehmen IW Consult GmbH - hat im Auftrag des Eigentümerverbandes „Haus & Grund“ den digitalen Service der 100 größten Städte Deutschlands verglichen. In der Studie „Servicefreundliche Stadt 2020“ schneidet Lünen nicht allzu gut ab: Die Lippestadt belegt in der Gesamtwertung Rang 95.

Das IW hat für die Studie die Internetauftritt der Städte unter die Lupe genommen und dabei verschiedene Kategorien getestet - zum Beispiel „Mobilität“, „Familie und Freizeit“ oder „Unternehmersservice“. Aus den Ergebnissen in diesen Teilbereichen hat das Institut einen Gesamtindex erstellt, der das abschließende Ranking bestimmt.

Haus & Grund: „Verwaltung muss nacharbeiten“

Auf Platz 1 steht beispielsweise Berlin mit einem Indexwert von 71,6 von 100 möglichen Punkten. Schlechter als Lünen (39,3) sind laut Studie nur noch Düren, Hagen, Marl, Villingen-Schwenningen und Gera. Für Klaus Stallmann, Vorsitzender des Haus-, Wohnungs- und Grundeingentümervereins Lünen, ist die Sache klar: „In vielen Bereichen hat die Stadtverwaltung Lünen schnellstens nachzuarbeiten, um in absehbarer Zeit einen besseren Platz zu erreichen.“

Vor allem das schlechte Abschneiden Lünens in den Bereichen Mobilität und Unternehmensservice hebt Stallmann hervor. Tatsächlich belegt Lünen beim Unternehmensservice Rang 92, bei der Mobilität gemeinsam mit Düren Rang 98, den vorletzten Platz. Besser sieht es in den Bereichen Wohnen (Platz 54) und Bauen (Platz 64) aus. Am besten schneidet die Lippestadt in den Teilbereichen Familie und Freizeit (Platz 47) und bei der Responsivität, also der Prüfung mobiler Ansichten und Apps, ab. Hier belegt Lünen gemeinsam mit 64 anderen Städten Rang 26.

Zweistufiger Test

Methodisch hat sich die IW Consult GmbH in den verschiedenen Teilbereichen Dienstleistungen ausgesucht, die „üblicherweise eine Kommunikation bzw. Interaktion zwischen staatlichen Einrichtungen und Bürgern

bzw. Unternehmen bedingen“. Das kann die Anmeldung eines Wohnsitzes sein, die Beantragung eines Energieausweises, die Abfrage der Gewerbesteuer-Hebesätze, eine Übersicht der im Stadtgebiet vorhandenen E-Ladesäulen oder Infos zur Kinderbetreuung.

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„Nach einem zweistufigen Pre-Test überprüfen zwei qualifizierte und geschulte Personen unabhängig voneinander die Merkmalausprägung der formulierten Indikatoren“, heißt es in der Methodik-Beschreibung weiter. Anders formuliert: Zwei Personen versuchen, die jeweilige Dienstleistung einer Kommune über deren Website abzurufen. Gelingt das nicht, wird dieser Service zusätzlich über eine Suchmaschine abgefragt. Schlägt auch das fehl, wird dieser Service mit „nicht vorhanden“ gewertet.

Wenig E-Mobilität, viele Familienangebote

Das ist im Bereich Mobilität in Lünen sehr häufig der Fall, weil die Studie viel Wert auf E-Mobilität legt - die in Lünen noch in den Kinderschuhen zu stecken scheint: Weder gibt es Infos zu Ladestrukturen oder Car- und Bike-Sharing-Angeboten, noch sind Infos zu Fördermöglichkeiten für E-Fahrzeuge vorhanden. Da auch das E-Payment, also die elektronische Zahlmöglichkeit, für Angebote wie Parkausweise oder die Kfz-Zulassung nicht angeboten werden, kommt der schlechte Wert zustande.

Wesentlich besser sieht es bei Familie und Freizeit aus - hier sind beispielsweise Terminvereinbarungen online möglich, auch Anträge für Kinderbetreuungen erfolgen digital. Die Verlinkungen zu den Schulen sind ebenfalls ein Pluspunkt, weshalb Lünen hier gut abschneidet.

Unterm Strich bleibt bei der Studie, deren Tests von Dezember 2019 bis Januar 2020 stattfanden, jedoch mehr Schatten als Licht. Die Verwaltung wurde von dem Ergebnis überrascht: „Die Studie war uns nicht bekannt“, erklärt Stadtsprecher Benedikt Spangardt auf Anfrage. „Nach unseren Recherchen sind dafür im Vorfeld der Studie keine Daten in unserem Hause abgefragt worden.“ Das bestätigt Hanno Kempermann von der IW Consult: „Wir haben bewusst keinen Kontakt aufgenommen, um die Vergleichbarkeit zu wahren.“

Baustellenportal und E-Payment sollen kommen

Die Stadtverwaltung sieht das Ergebnis zumindest skeptisch, „zumal sich bei diversen vorherigen Ranking-Listen herausgestellt hat, dass eine Vergleichbarkeit von Daten aus verschiedenen Städten nicht immer gegeben ist“. Spangardt verweist zudem auf diverse Fortschritte in der Digitalisierung der Verwaltung, zum Beispiel die digitale Erfassung biometrischer Daten für den Personalausweis oder die Online-Anmeldung für ein Gewerbe.

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Eine Lösung für digitale Bauanträge sei zudem NRW-weit in Vorbereitung, so der Sprecher. Und: „Noch in diesem Jahr realisiert werden soll ein Online-Baustellenportal von Stadtverwaltung, SAL und Stadtwerken, wo an zentraler Stelle darüber informiert wird, welche Baustellen es im Stadtgebiet gibt und welche in Planung sind.“

Nicht nur nach außen, auch intern werde sich die Verwaltung weiter digitalisieren: „Um die erforderlichen Strukturen für einen nachhaltigen Wandel zu schaffen, befinden wir uns gerade in der Pilotphase für ein digitales Dokumentenmanagementsystem.“ Auf dieser Basis wolle man in den nächsten Jahren für den Bürger erkennbare Services schaffen, zum Beispiel das von der Studie angemachte E-Payment: „Einiges ist schon umgesetzt, manches in der Planung und natürlich haben wir noch viel vor uns.“

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