Für ein sicheres Lünen: Öffnet die Ordnungspartnerschaft für Wutbürger!

hzJetzt mal unter uns

Die Polizei sagt, Lünen sei sicherer geworden. Die Facebook-Gemeinde sagt, das sei Blödsinn. Unser Autor schlägt diesen Kommentatoren ein Praktikum vor - an zwei verschiedenen Orten.

Lünen

, 10.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Bekannter berichtete mir neulich, dass er jede Strecke, und sei sie auch noch so kurz, mit dem Auto zurücklegt. „Die Knöpfe sind sofort unten, wenn wir das Grundstück verlassen.“ Kindergeburtstage finden ausschließlich vormittags statt, spätestens um 16 Uhr müssen alle wieder zuhause sein. Denn: „Wenn man danach länger draußen ist, wird es gefährlich.“

Für ihn und seine Familie ist das ganz normal, sie kennen das nicht anders. Allerdings leben sie auch nicht in Lünen, sondern in Johannesburg, Südafrika. Weshalb ich die Aussagen auch nicht überprüfen kann. Ich halte den Bekannten allerdings für ziemlich glaubwürdig, und wer mal mit Menschen aus dieser oder vergleichbaren Städten gesprochen hat, dem dürften diese Szenarien zumindest in Ansätzen bekannt vorkommen.

Früher in der Anstalt, heute in der AfD

Liest man sich nun die einschlägigen Facebook-Kommentare zu unserer jüngsten Berichterstattung über die Kriminalitätsstatistik durch, könnte man den Eindruck gewinnen, dass Lünen und Johannesburg gar nicht so weit auseinander liegen. Gefühlt muss jeder Lüner, der in der Dämmerung noch unterwegs ist, die Befürchtung haben, Opfer einer Straftat zu werden.

Zumal nur einen Tag später drei junge Männer am Preußenbahnhof ein Duo mit einer Waffe bedroht haben - quasi der Beleg dafür, dass die Statistik gefälscht worden ist, vermutlich von der Bundeskanzlerin höchst persönlich. Ja, Sie lachen jetzt - aber manche Menschen glauben das wirklich. Nur dass man die früher bestenfalls in der geschlossenen Anstalt angetroffen hat - heute hingegen sind sie bei Facebook oder in der AfD.

Diskussion um das falsche Thema

Ich kann mir hingegen gut vorstellen, dass jemand, der Opfer einer Straftat geworden ist, über solche Nachrichten nur müde lächeln kann. Aber so ist das mit Statistiken: Sie kümmern sich nicht um Einzelschicksale, und sie sind übrigens auch keine Garantie für absolute Sicherheit. Niemand, der bei klarem Verstand ist, käme auf die Idee, aus der Halbjahresbilanz der Polizei abzuleiten, dass es ab sofort keine Verbrechen mehr in Lünen gibt.

Genau so argumentieren aber jene, die an der Tastatur nur darauf warten, dass sie positive Nachrichten in den Dreck schreien können. Dabei hilft ihnen die Tatsache, dass die Polizei-Statistik nicht zu überprüfen ist - genauso wie die Behörde behauptet, Lünen ist sicherer geworden, können sie behaupten, dass das nicht stimmt. Im Gegensatz zur Polizei haben sie keine Belege für Ihre These - was für jeden Normalen einer Disqualifikation gleichkommt, ist für sie allerdings eher Bestätigung und Ansporn.

Doppel-Praktikum für die virtuellen Blasebalge

Da wir also keine Möglichkeit haben, die Richtigkeit der polizeilichen Angaben abschließend zu prüfen, schlage ich vor, dass jene, für die alles seit Jahren immer schlimmer wird, sich direkt bei der Polizei oder dem Ordnungsamt melden können. Normalerweise sind für Betriebspraktika ja bestimte kognitive Fähigkeiten und eine gewisse Reife erforderlich. Aber vielleicht kann man hier mal eine Ausnahme machen und die virtuellen Blasebalge auf einen Ausflug in die reale Welt mitnehmen.

Sollen sie doch einfach mal in Begleitung auf Streife gehen, nicht nur tagsüber, sondern gerne auch mal nachts, vielleicht sogar am Wochenende, um sich anzuschauen, wie der Polizeialltag so läuft: Wer da eigentlich Ärger macht, wie gefährlich Lünens Straßen tatsächlich sind und wie man ein Gefühl von Sicherheit herstellen kann. Um das Ganze einordnen zu können, wiederholen wir dieses Praktikum eine Woche später - und zwar in Johannesburg, Südafrika. Vielleicht haben sich danach die Probleme von ganz alleine erledigt.

Einmal in der Woche sprechen Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen.
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