Die Luca-App dient auch im Kreis Unna zur einfacheren Nachverfolgung von Kontakten. © picture alliance/dpa
Kontaktverfolgung

Sicherheitsrisiko bei der Luca-App? Kreis Unna „beobachtet Diskussionen“

Der Kreis Unna setzt auf die Luca-App zur Nachverfolgung von Kontakten. Die Methode ist einfach und beliebt. Doch es gibt Kritiker, die sowohl Nutzen als auch Sicherheit in Frage stellen.

Einfach die persönlichen Daten als QR-Code speichern und sich in einem Geschäft, auf einem Sportplatz oder einem Lokal einloggen: Das ist das Prinzip der Luca-App. Tritt ein Corona-Fall auf, können über die App die Kontakte, die zum gleichen Zeitpunkt am betreffenden Ort eingeloggt waren, nachverfolgt und gewarnt werden.

Gerade weil die App so einfach ist, wird sie von vielen Menschen gerne genutzt. Auch der Kreis Unna hat die Luca-App offiziell zur Kontaktverfolgung eingeführt und unterstützt den Einsatz im gesamten Kreisgebiet.

Mittlerweile werden allerdings auch kritische Stimmen laut, der App sowohl Nutzen als auch Sicherheit der persönlichen Daten absprechen. In einer Stellungnahme erklärten jüngst 70 Sicherheitsforscher, dass die Luca-App keine der vier Grundprinzipien für die digitale Kontaktverfolgung erfülle: Zweckbindung, Transparenz, Freiwilligkeit und Risikoabwägung.

Dem Kreis Unna sind diese Kritikpunkte bekannt. Allerdings sei die Kreisverwaltung in diesem Fall nicht zuständig: „Die Zentrale Datenverarbeitung des Kreises kann auf der Grundlage zugänglicher Informationen nur das technische Infrastrukturkonzept bewerten. Die Software auf Sicherheit zu prüfen, ist aber nicht die Aufgabe des Kreises Unna und an der Stelle auch gar nicht leistbar“, sagt Kreissprecher Max Rolke auf Anfrage unserer Redaktion.

Natürlich würden die „kontroversen Bewertungen und Diskussionen über die Sicherheit der App“ von der Zentralen Datenverarbeitung des Kreises verfolgt und intern diskutiert.

Vertrag läuft noch bis Ende August

Allerdings betont Rolke auch, dass die Sicherheitsrisiken von unterschiedlichen Stellen unterschiedlich bewertet würden: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kommt die Zentrale Datenverarbeitung in der Gesamtbetrachtung der Diskussion um Sicherheitsrisiken zu der Einschätzung, dass ein Einsatz der App im Rahmen des Modellvorhabens vertretbar ist.“ Der Kreis Unna behalte sich jedoch vor, diese Einschätzung bei neuen beziehungsweise erhärteten Erkenntnissen zu überdenken.

Immerhin: Gekostet hat die Anbindung seines Systems an die Luca-App den Kreis nichts. „Mit den Betreibern wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen, um die App in der Praxis zu erproben“, so Max Rolke. Der Vertrag läuft bis zum 31. August 2021. „Dann prüfen wir unsererseits, ob sich etwas an den Anforderungen geändert hat oder ob der Vertrag so weiterlaufen kann.“

Für die Macher ist die Luca-App trotzdem lukrativ: Mehrere Bundesländer haben bereits insgesamt mehr als 20 Millionen Euro investiert, um die App einsetzen zu können. Ein weiterer Punkt vieler Kritiker: Die App sei mit dem Ziel programmiert worden, Gewinn abzuwerfen.

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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