„Sie hat gesagt, ich soll den Mist lassen“: Lüner beging ganze Betrugsserie

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Rasantes Rückfalltempo: Das Damoklesschwert eines Bewährungswiderrufs schwebte über ihm und doch konnte es ein 25-jähriger Lüner nicht lassen. Er beging erneut eine Betrugsserie. Und die soll ihn nun die Freiheit kosten.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 10.07.2020, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte April des vergangenen Jahres erhielt der Lüner Familienvater eine letzte Chance, wurde nach etlichen Betrugstaten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Beeindrucken konnte ihn das offenbar herzlich wenig. Kaum hatte er das Gerichtsgebäude am Spormeckerplatz verlassen, machte er weiter. Über eBay-Kleinanzeigen oder auch mal über eine Facebook-Gruppe bot er Waren zum Kauf oder Tausch an, kassierte das Geld oder die Tauschware und lieferte nichts. Seine Opfer warteten vergeblich auf Motorrollerzubehör oder auch Grafikkarten für den Computer.

Die „Geschäfte“ ließ er über das Konto seiner Lebensgefährtin laufen, da er kein eigenes besaß. Auch nutzte er dafür zum Teil ihr Handy und verschickte, wenn nötig, Fotos von ihrem Personalausweis. So kam es nicht von ungefähr, dass die junge Frau wieder einmal unter dem Verdacht der Mittäterschaft stand und, wie bereits im April 2019, im Amtsgericht neben ihm auf der Anklagebank saß.

„Sie hat gesagt, ich soll den Mist lassen“

Nun befasste sich das Schöffengericht also mit der neuen Tatserie und der Lüner beteuerte direkt nach Verlesung der Anklage: „Das ist alles mein Verschulden.“ Er habe seine Freundin stets im Glauben gelassen, die Ware zu verschicken. Das habe er dann nicht gemacht. „Sie hat gesagt, ich soll den Mist lassen. Das gebe nur Ärger.“ Er habe sich nicht daran gehalten. Sein Motiv sei gewesen, „ein bisschen mehr Geld“ zu haben. „Ich wollte meinen Kindern etwas bieten können, auch mal etwas mit ihnen machen können.“ Deshalb seien ihm die Folgen in den Momenten egal gewesen. „Hauptsache, ich hatte was für meine Kinder.“

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Seine weinende Freundin, die im vergangenen Jahr freigesprochen wurde, bestätigte seine Version. „Ich habe ihm jedes Mal gesagt, er soll damit aufhören.“ Er jedoch habe sie immer wieder getäuscht. „Ich könnte platzen“, rutschte es der 26-Jährigen heraus. Und: Sie könne doch nicht 24 Stunden am Tag zu Hause sein und quasi auf ihn aufpassen. Doch richtig begründen, warum er weiter Zugriff auf ihr Konto hatte, konnte sie auch nicht.

Das Verfahren gegen sie wurde letztlich wegen geringen Verschuldens gegen Zahlung von 240 Euro Geldbuße vorläufig eingestellt. Für ihren Freund endete das Ganze diesmal bitter. Neun gewerbsmäßige Betrugstaten bescherten ihm ein Jahr und zwei Monate Haftstrafe, die in diesem Fall auch nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. sam

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