Steag-Kraftwerksleiter: Nur ein Teil der Fläche wird frei - Abriss steht noch nicht fest

hzGewerbeflächen dringend gesucht

Wie geht‘s weiter am stillgelegten Steag-Kraftwerk an der Moltkestraße? Kann dort schon bald ein neues Industriegebiet entstehen? Darüber sprachen wir mit dem Kraftwerks-Leiter.

Lünen

, 11.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Zum 31. Dezember 2018 wurde das Steag-Kraftwerk in Lünen offiziell stillgelegt. Die Stromerzeugung an der Moltkestraße ist nach über 80 Jahren Geschichte.

Und schon richtet sich der Blick der Lokalpolitik auf das Industrieareal. Denn: Lünen benötigt Gewerbeflächen.

Aber wie realistisch ist eine zeitnahe Entwicklung der Kraftwerksfläche? Darüber sprach RN-Mitarbeiter Günther Goldstein mit dem Kraftwerksleiter Kai Uwe Braekler.

Herr Braekler, wie realistisch ist die Vorstellung der Lokalpolitik, dass auf dem Steag-Gelände in naher Zukunft ein prosperierender Gewerbepark entwickelt wird?

Grundsätzlich ist das Gelände für die Nutzung durch Gewerbe und Industrie aufgrund der Größe, der Lage und der Verkehrsanbindung sehr gut geeignet. Steag wird hier kein neues Kraftwerk am Standort errichten, das steht fest.

Gibt es schon konkrete Pläne?

Ideen, Wünsche und Interessen gibt es viele, konkrete Pläne noch nicht. Dafür ist es sicherlich noch ein wenig zu früh. Wir sind ja gerade mit der Trockenlegung der beiden Kraftwerksblöcke beschäftigt. Das wird noch bis zum Herbst dauern.

Und dann wird das Kraftwerk abgerissen?

Wann und was abgerissen wird steht noch gar nicht fest. Denn ein Abriss macht erst Sinn, wenn konkrete Pläne im Rahmen eines Investitions- und Entwicklungsprojekts feststehen. Dafür wiederum benötigt man eine belastbare Bauleitplanung durch die Stadt Lünen. Was ich damit sagen will: Es sind noch einige Detailfragen zu klären bis wir konkret über Abrissarbeiten sprechen können.

Steht denn das gesamte Betriebsgelände an der Moltkestraße für eine Folgenutzung zur Verfügung?

Steag betreibt auf dem Gelände nördlich der Moltkestraße weiterhin einen modernen Großbatteriespeicher zur Stabilisierung des Stromnetzes, ein Umspannwerk sowie das Strahlmittelwerk. Zunächst steht daher die Hauptfläche zwischen Moltkestraße, Brunnenstraße und Bahnstrecke für eine gewerblich/industrielle Folgenutzung zur Verfügung.

Steag-Kraftwerksleiter: Nur ein Teil der Fläche wird frei - Abriss steht noch nicht fest

Kraftwerksleiter Kai Uwe Braekeler im Gespräch mit Mitarbeitern. © Günther Goldstein

Über welche Flächengröße sprechen wir?

Die Hauptfläche erstreckt sich über rund 27 Hektar, das entspricht der Fläche von 38 Fußballfeldern – und hat damit eine attraktive Größe. Zwischen Moltkestraße und Lippe sprechen wir noch einmal über 14 Hektar.

Wer wird den Rückbau der Kraftwerksanlagen übernehmen?

Diese Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden, denn sie richtet sich nach dem Konzept für die Folgenutzung. Im Moment werden viele Gespräche mit möglichen Investoren und Flächenentwicklern geführt. Da gibt es reges Interesse. Dabei ist eine enge Abstimmung mit der Stadt Lünen wichtig, um ein wirtschaftlich tragfähiges Nachnutzungskonzept erstellen und umsetzen zu können. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt, damit gibt es im Ruhrgebiet an vielen Stellen gute Erfahrungen.

Was passiert denn in der Zwischenzeit auf dem Gelände bis so ein Konzept erstellt ist?

Wie eingangs bereits gesagt: Wir sind noch bis zum Herbst diesen Jahres mit der Trockenlegung beschäftigt, das heißt, wir entfernen Gefahrstoffe und Brandlasten. Sind diese Arbeiten abgeschlossen sichern wir das Gelände und gewährleisten zum Beispiel den Betrieb der Flughindernisbefeuerung am Schornstein.

Damit schließt sich das Kapitel in Lünen und Steag ist nur noch ein Teil der hiesigen Industriegeschichte?

Nein, das sicher nicht. Steag bleibt in Lünen präsent. Nicht nur mit den schon erwähnten Einrichtungen auf der Nordseite der Moltkestraße. Wir kümmern uns um Bedienung und Instandhaltung des Trianel-Kraftwerkes am Stummhafen und betreiben zusammen mit Remondis auf dem Gelände des ehemaligen Lippewerkes das Biomasse-Kraftwerk. Einen Steinwurf von der Stadtgrenze Lünen entfernt betreiben wird das Kraftwerk Bergkamen-Heil. Wir begleiten damit die Energiewende und sorgen für Versorgungssicherheit.

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