Interkulturelle Woche mit Speakers Corner in Lünen: Reden wollte keiner

hzInterkulturelle Woche

Die Interkulturelle Woche steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Rassismus entsteht im Kopf. Offenheit auch". Am Freitag (2.10.) gab es auf dem Markt eine Speakers Corner, ohne viel Resonanz.

Lünen

, 04.10.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trotz der üblichen Marktgeräusche hört man das Trommeln schon über den gesamten Platz. Die afrikanisch anmutenden Klänge stammen von der Trommelgruppe Salibonari und ihrer Leiterin Anke Filipiak. Anlässlich der Interkulturellen Woche möchte die Gruppe mit ihrer Musik auf die Gemeinsamkeiten zwischen allen Kulturen hinweisen. „Über Musik kann man sich verständigen, egal welche Sprache man spricht", erklärt Anke Filipiak.

Die Aktion auf dem Markt ist verbunden mit einer Speakers Corner. Die Speakers Corner stammt aus dem Londoner Hyde Park. Jedermann kann sich dort auf eine Kiste stellen und seine Meinung kundtun. Die einzige Regel ist, man darf nicht die britische Königsfamilie kritisieren. Auch an der Lüner Speakers Corner gilt eine ähnliche Regel, der Bürgermeister darf nicht kritisiert werden.

Jetzt lesen

Während die Londoner Speakers Corner von ganz normalen Bürgern der Stadt, aber auch Berühmtheiten wie Karl Marx und George Orwell besucht wurde, blieb es an der Speakers Corner in Lünen ziemlich ruhig. Bis auf die Initiatoren und Mitglieder des Trommelkreises lies sich keiner zu einer Rede hinreißen. Regina Hunschock, Leiterin des Bürgerzentrums Gahmen, hat eine Theorie wieso keiner sprechen will: „Wenn man ins Internet schaut, redet da jeder groß herum, aber hier traut sich keiner, wo einen jeder sieht."

Video
Trommelgruppe Salibonari in der interkulturellen Woche

Heimat kann an vielen Orten sein

Mit im Trommelkreis und Initiatorin der Speakers Corner ist die Integrationsbeauftragte der Stadt Lünen, Aysun Aydemir. Für sie ist es wichtig mit dem Event darauf hinzuweisen, dass Heimat für jeden etwas anderes bedeutet: „Für mich ist meine türkische Heimatstadt Balikesir Heimat, aber auch mein Wohnort Dortmund ist für mich Heimat."

Jetzt lesen

Bei den Besuchern des Marktes kommt diese Euphorie für das Thema nicht an, zwar wippen einige zu den Trommelklängen, aber mehr als acht oder neun Zuschauer kann die Aktion nicht gewinnen.

Schließlich erklären sich Trommelleiterin Anke Filipiak, Regina Hunschock vom Bürgerzentrum und die Integrationsbeauftragte Aysun Aydemir bereit, eine kleine Rede zu halten: „Wer Lünen nicht kennt, der hat die Welt verpennt", rufen sie und zählen auf, was Heimat für bedeutet. „Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle", „Heimat ist, wo mein Bett steht“, „Heimat ist da wo meine Freunde sind". Aber auch diese kleine Einlage bleibt von den Lünerinnen und Lünern auf dem Markt weitgehend unbeachtet.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt