Straftat wie in einem Krimi

LÜNEN Mit einer Straftat, die Drehbuchvorlage für einen abendfüllenden Kriminalfilm hätte sein können, befasste sich heute das Lüner Schöffengericht. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Freiheitsberaubung waren ein 23- und ein 41-jähriger Ukrainer angeklagt.

von Von Heinrich Greve

, 11.01.2008, 17:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage erhoben aufgrund eines Vorfalls, der sich in der Nacht zum 12. Oktober 2006 am Buchenberg in Lünen zugetragen haben soll. Zwei Bosnier, S. und B., kamen mit einem PKW aus Herten. In der Nähe eines Stahlhandels hielten sie an, weil einer von ihnen austreten musste. Während des „Geschäftes“ sollen sie von den beiden angeklagten Ukrainern mit einer Schusswaffe bedroht, geschlagen und gefesselt und in das Büro des Stahlgeschäftes geführt worden sein.

Über Stunden ein wahres Martyrium durchlebt

Nach den Schilderungen des Bosniers S. müssen sie dort über Stunden ein wahres Martyrium durchlebt und um ihr Leben gebangt haben. Gefesselt soll ihnen Wasser über den Kopf gegossen worden sein, ihr Kopf in einen Toilettentopf gesteckt und sie weiter bis zur Ohnmacht geschlagen und getreten worden sein; anschließend in eine Halle gesperrt und an eine Leiter gekettet. Von hier aus gelang ihnen in den frühen Morgenstunden die Flucht. Ein von ihnen zur Hilfe Gerufener verständigte die Polizei.

In Widersprüche verwickelt

In seiner Zeugen-Vernehmung sprach S. immer wieder von einer „Chef“ genannten dritten Person und dessen Frau, die die Körperverletzungen verursacht und die Drohungen ausgesprochen haben sollen. Im weiteren Verlauf seiner Anhörung verwickelte er sich aber in Widersprüche zwischen seiner polizeilichen und gerichtlichen Vernehmung. Während die Polizei die geschädigten Bosnier, die nur sehr schlecht Deutsch sprechen, ohne Dolmetscher angehört hatte, zog das Gericht eine Dolmetscherin hinzu. Möglicherweise sind dadurch die Widersprüche in den Aussagen zu erklären.

Hauptverhandlung wurde ausgesetzt

Die Angeklagten äußerten sich übrigens auf Anraten ihrer Verteidiger während der Hauptverhandlung nicht zur Sache. Jedenfalls beurteilten Staatsanwalt und Gericht die Widersprüche in den Aussagen des S. als erheblich. Die Hauptverhandlung wurde ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft wird die Ermittlungen wieder aufnehmen, insbesondere auch hinsichtlich der „dritten“ Person und dessen Frau. Beide sollen dann möglicherweise mit angeklagt und zusammen mit den beiden Ukrainern abgeurteilt werden. Ob dann nach den Schilderungen des Bosniers S. die Strafgewalt des Schöffengerichts noch ausreicht, ist äußerst fraglich.  

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