Supermarkt-Räuber muss nicht ins Gefängnis

Landgericht Dortmund

Dieses Urteil werden die Opfer wahrscheinlich nie verstehen: Nach vier Raubüberfällen auf Discounter muss ein angehender Banker aus Lünen nicht ins Gefängnis.

Lünen, Dortmund, Herbern, Ascheberg

, 02.07.2019, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Supermarkt-Räuber muss nicht ins Gefängnis

Der Angeklagte kurz vor der Urteilsverkündung im Dortmunder Landgericht. © Jörn Hartwich

Er war der Mann, der das Geld aus den Tresoren holte, während sein Komplize die Mitarbeiter mit einer Pistole in Schach hielt. Rund 20.000 Euro waren es am Ende – aus vier Überfällen auf Discounter.

Ins Gefängnis muss der 23-jährige Azubi aus Lünen trotzdem nicht. Die Richter am Dortmunder Landgericht haben ihn am Dienstag (2. Juli) zu zwei Jahren Jugendhaft auf Bewährung verurteilt.

Es war das schnelle Geld, das den Angeklagten Anfang 2017 gereizt hat. Er hatte gerade seinen Job als Fliesenleger verloren, weil sein Arbeitgeber Insolvenz anmelden musste. In dieser Situation traf er auf einen alten Bekannten, mit dem er früher Fußball gespielt hatte. Nur einen Tag später begann die unfassbare Raubserie.

Mit Sturmhauben und Pistole in den Netto-Markt

Der erste Tatort war der Netto-Markt in Lünen. Dort war das Duo am 14. Januar 2017 aufgetaucht – kurz vor Ladenschluss. Die beiden jungen Männer vermummten sich mit Sturmmasken, der Komplize des Angeklagten bedrohte die Kassiererin mit einer Schusswaffe. Dass es sich „nur“ um eine ungeladene Softair-Pistole handelte, konnte die Frau natürlich nicht wissen. Die Beute: 1300 Euro.

In den folgenden sieben Monaten wurden noch drei weitere Discounter überfallen – in Herbern, Ascheberg und Hamm. Die Gesamtbeute belief sich am Ende auf rund 20.000 Euro. Das Geld wurde verzockt oder für Klamotten und Urlaub ausgegeben.

Die Folgen für die Opfer waren zum Teil dramatisch. Einige konnten monatelang nicht arbeiten, sind bis heute wegen ihrer Angstzustände in psychologischer Behandlung. Gleich mehrere waren bei ihren Zeugenvernehmungen vor Gericht in Tränen ausgebrochen.

„Auf ganz naive Art und Weise verführen lassen“

Im Prozess hatte der Angeklagte, der zurzeit eine Bankerlehre macht, ein umfassendes Geständnis abgelegt. „Ich habe erst im Gericht gesehen, welches Leid ich den Menschen angetan habe“, hatte er noch kurz vor der Urteilsverkündung gesagt.

Weil der Lüner beim ersten Überfall noch keine 21 war, wandten die Richter das mildere Jugendstrafrecht an. „Es war eine jugendtümliche Tat“, befand Richter Ulf Pennig. Der Angeklagte habe damals keine Berufs- und Lebensplanung gehabt. Außerdem sei er nicht Ideengeber gewesen und habe bei den Überfällen eher eine untergeordnete Rolle gespielt. „Er hat sich auf ganz naive Art und Weise verführen lassen“, so Pennig.

Nach dem vierten Überfall hatte der 23-Jährige selbst einen Schlussstrich gezogen. Laut Urteil hat es sich deshalb lediglich um eine „Episode mit Ausnahme-Charakter“ gehandelt. Dem mutmaßliche Haupttäter wird zurzeit ebenfalls der Prozess gemacht.

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