Tafel im Kreis Unna droht die Schließung wegen Corona

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Die Tafel im Kreis Unna steht vor dem Aus: Finden sich nicht schnellstmöglich Ehrenamtliche, wird der Betrieb bald nicht mehr aufrecht erhalten werden können. Und dabei steigt die Zahl der Kunden.

Kreis Unna

, 13.10.2020, 18:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Ehrenamtlichen, immer weniger Arbeitskräfte vom Jobcenter und gleichzeitig immer mehr Menschen, die auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen sind: Die Arbeit der Tafel im Kreis Unna ist in den vergangenen Monaten deutlich schwieriger geworden. Das Coronavirus hat die Tafel auf verschiedenste Weise geschwächt - so sehr, dass die Mitarbeiter jetzt Alarm schlagen: „Wenn wir jetzt nicht reagieren, müssen wir bald unsere Arbeit einstellen.“

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Ulrike Trümper sagt das nicht gerne, aber die Vorsitzende der Tafel im Kreis Unna weiß, dass sie keine Alternative mehr hat. „Unsere Leute haben seit Monaten keinen Urlaub gemacht, die Jobcenter-Stellen sind größtenteils unbesetzt und laufen bald aus und es kommen immer weniger Ehrenamtliche“, schildert sie die Situation der Tafel.

Betriebsferien der Tafel

Urlaub muss abgebaut werden

Eine Folge der hohen Belastung der Tafel im Kreis Unna: Die Ausgabestellen werden vom 19. bis 23. Oktober eine Woche schließen, damit die Mitarbeiter ihren Urlaub nehmen können. Dieser wurde bisher immer aufgeschoben, muss aber zum Jahresende abgebaut sein.

In Zahlen heißt das: Von 30 sogenannten „Ein-Euro-Job“-Stellen, die der Tafel eigentlich zugewiesen sind, sind derzeit gerade mal 18 besetzt. 13 davon laufen wahrscheinlich Ende Oktober aus, die restlichen fünf laufen noch bis Ende Januar. „Selbst wenn die 13 Stellen noch verlängert würden, wäre auch das nur bis Ende Januar“, erklärt Trümper. Planungssicherheit sieht anders aus. Gerade deswegen sind die ehrenamtlichen Helfer so wichtig für die Lebensmittelausgaben der Tafel. Doch hier spürt der Verein die Corona-Krise. „Die meisten unserer Ehrenamtlichen sind ältere Menschen, die selbst zur Risikogruppe gehören. Viele kommen trotzdem und wir arbeiten hier natürlich nach allen Hygiene-Vorschriften, um jeden unserer Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Trotzdem sind es ungünstige Zeiten, um Menschen zu einem Ehrenamt zu motivieren.“

„Wir benötigen dringend neue ehrenamtliche Kräfte. Jeder ist uns willkommen. Uns hilft es schon weiter, wenn jemand nur einen Vormittag in der Woche Zeit hat.“
Roland Lutz, zweiter Vorsitzender der Tafel im Kreis Unna

Und doch bleibt der Tafel keine andere Wahl, als genau darauf jetzt zu setzen. „Wir benötigen dringend neue ehrenamtliche Kräfte“, sagt Roland Lutz, zweiter Vorsitzender der Tafel, „jeder ist uns willkommen. Uns hilft es schon weiter, wenn jemand nur einen Vormittag in der Woche Zeit hat.“ Gebraucht werden Helfer im Grunde überall: Fahrer für die Wagen, die die Waren bei den Lebensmittelmärkten abholen und zu den Ausgabestellen im Kreis fahren; Ordner, die auf dem Tafel-Gelände auf die Einhaltung der Mindestabstände und Maskenpflicht achten, und Menschen, die Obst und Gemüse sortieren und die Tüten packen.

Ausgabe erfolgt zur Zeit wieder kontaktlos

Denn die Ausgabe der Tafel hat sich mit der Einstufung des Kreises Unna als Risikogebiet wieder verändert: Wie schon im Frühjahr werden vorgepackte Lebensmitteltüten in einem Einkaufswagen zu dem jeweiligen Kunden geschoben. „Das ist nicht schön und nicht das, wie Tafel eigentlich sein sollte, aber wir haben keine andere Wahl, wenn wir die Infektionsgefahr minimieren wollen“, sagt Ulrike Trümper.

Im Frühjahr halfen zeitweise Abiturienten bei der Ausgabe der Tafel mit. Die Lebensmittelausgabe erfolgte damals kontaktlos über vorgepackte Tüten und einen Einkaufswagen- ein Verfahren, das auch jetzt wieder angewandt wird. Der Grund: Die Einstufung des Kreises Unna als Risikogebiet.

Im Frühjahr halfen zeitweise Abiturienten bei der Ausgabe der Tafel mit. Die Lebensmittelausgabe erfolgte damals kontaktlos über vorgepackte Tüten und einen Einkaufswagen- ein Verfahren, das auch jetzt wieder angewandt wird. Der Grund: Die Einstufung des Kreises Unna als Risikogebiet. © Anna Gemünd

Und der Bedarf an den Lebensmitteln der Tafel ist groß: „Es kommen immer mehr Bedürftige; wir spüren jetzt, dass Corona viele Familien mit Jobverlust oder Kurzarbeit getroffen hat.“

Umso wichtiger, dass die Arbeit der Tafel im Kreis Unna weitergehen kann. „Wir hoffen sehr, dass sich neue Ehrenamtliche melden. Wir brauchen jede Hilfe, damit wir weiter helfen können.“ Wer die Tafel Unna unterstützen will, kann sich unter der Telefonnummer (02303) 777639 oder per Mail an unnaer-tafel@web.de melden.

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