Bei Remondis musste man die Entscheidung aus Berlin über eine Testpflicht in Unternehmen erst einmal sacken lassen. Für das Unternehmen mit Zentrale in Lünen bedeutet das wöchentliche Mehrkosten in Höhe von 125.000 Euro. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
Kabinettsbeschluss

Testpflicht für Arbeitgeber: Unternehmen aus Lünen reagieren mit Kritik

Ein neues Bundesgesetz will klare Regeln schaffen. Unter anderem werden Arbeitgeber verpflichtet, auf eigene Kosten Corona-Tests für Mitarbeiter anzubieten. In Lünen sorgt das auch für Kritik.

Geahnt hatten es die Meisten, dass sich das Berliner Kabinett für eine Testangebotspflicht entscheiden würde – doch an der Entscheidung habe man „schlucken“ müssen, sagt Remondis-Pressesprecher Michael Schneider. „Wir haben in Deutschland 25.000 Mitarbeiter. Das sind mal eben Mehrkosten von 125.000 Euro pro Woche.“ Allein auf die Zentrale in Lünen dürfe man da nicht blicken, erklärt Schneider. „Wir haben 800 Standorte in Deutschland. Das bedeutet eine enorme Logistik und entsprechenden Arbeitsmehraufwand.“

Schnelltests sind bei Remondis schon bestellt

Schon in der Vergangenheit sei man bemüht gewesen, Corona-Tests für die Mitarbeiter zu erwerben. „Unsere bereits bestellten Tests werden für vier Wochen reichen.“ Dass die Testpflicht jedoch aufgezwungen wurde, verstimme das Unternehmen. „Was uns irritiert ist, dass es zwar eine Verpflichtung für den Arbeitgeber gibt, diese Tests anzubieten, aber keine Verpflichtung für den Arbeitnehmer, die Tests auch zu machen“, sagt Schneider. „Da haben wir keine Handhabe.“ Offen wären auch noch Fragen wie Datenschutz, Ergebnis-Dokumentation und deren Aufbewahrung.

Ein Ende der Auflage ist nicht in Sicht

Der Gesetzgeber habe die Entscheidung aber gefällt, also müsse man folgen. Zumindest sehe man in den Tests einen gewissen Nutzen, die Pandemie in den Griff zu bekommen. „Doch bei der Impfgeschwindigkeit in diesem Land ist das für Unternehmen ein erheblicher Kostenfaktor – denn das Ende der Testpflicht ist ja offen.“ Remondis selbst werde zwar an den Kosten nicht untergehen, sagt Schneider, aber für andere könne das eine zusätzliche Bürde sein. „Wir müssen auch an unsere Partner denken. Kleine Unternehmen und den unteren Mittelstand. Das ohne Erstattung zur Pflicht zu machen, das ist schon bemerkenswert und fragwürdig.“

Für Gewerbetreibende ist Auflage heftig

Helmut von Bohlen, Vorsitzender des Cityrings Lünen, sieht keine Möglichkeit, wie man die Händler unterstützen könne. „Die Bandbreite ist viel zu groß – wir haben alles vom Ein-Mann-Unternehmer bis zu P&C.“ Was zudem eine Testpflicht für Soloselbstständige bringe, mag er nicht beurteilen. „Als Chef selbst habe ich für meine Mitarbeiter Test gekauft. Wir testen uns dreimal die Woche.“ Kostenpunkt: rund 300 Euro pro Monat. „Für Unternehmen, die den Cent gerade dreimal umdrehen müssen, ist das heftig“, weiß von Bohlen.

Rathaus testet freiwillig

Im Rathaus testet man bereits seit 1,5 Wochen freiwillig. „Wir benötigen 1000 Tests pro Woche“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. Kostenfaktor: 4,50 Euro pro Stück. „Wir erfüllen die Vorgaben daher schon, denn auch wir wollen einen Beitrag dazu leisten, ein zusätzliches Stück Sicherheit zu erlangen.“

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